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Basketball:"Alles für Lea!"

Zentrale Figur: Erst hält Lea Pfeifer ihr Team im Spiel, dann gibt ihre Verletzung den Impuls zum Sieg.

(Foto: Claus Schunk)

Der Frauen-Zweitligist Jahn München zeigt gegen den ASC Mainz eine Energieleistung, dreht die Partie und setzt sich letztendlich klar mit 78:64 durch. Auslöser der Kehrtwende war die Verletzung der bis dahin herausragenden Lea Pfeifer.

Sechs Minuten vor Ende des Basketball-Zweitligaspiels von Jahn München gegen den ASC Mainz setzt Lea Pfeifer zu einem Dreipunktewurf an und wird dabei von einer Mainzer Gegenspielerin gefoult. Der Schiedsrichter zeigt drei Freiwürfe für Pfeifer an, doch die ist aufgrund des Fouls gestürzt und dabei mit dem linken Fuß umgeknickt, nun liegt sie schreiend am Boden. Physiotherapeut Michael Kellerer rennt sofort aufs Parkett und stützt Pfeifer beim Weg zu seiner Massagebank an der Seite der Jahn-Halle. "Alles für Lea" rufen die Jahn-Spielerinnen von der Ersatzbank dem Team auf dem Feld beim knappen Rückstand von 60:61 zu. So kommt es dann auch: Jahn München dreht mächtig auf, siegt noch deutlich mit 78:64 und hält nun als Dritter Kontakt zur Tabellenspitze der 2. Bundesliga Süd.

Besonders Lea Pfeifer ist es zuvor gewesen, die die Münchnerinnen nach der Halbzeitpause immer wieder nach Rückständen mit Distanzwürfen herangebracht hat. So ist es beim 43:48 und beim 51:57 nach 30 Minuten gewesen, als das Spiel gegen Mainz bereits verloren schien. Pfeifer hat bis zur ihrer Verletzung zwölf Punkte, darunter drei Dreier, markiert und fünf Rebounds heruntergefischt. Die 19-jährige Abiturientin gehört mit Emily Bessoir und der immer noch verletzten Johanna Häckel zu jener Mannschaft von Jahn München, die 2018 deutscher Meister in der Nachwuchs-Bundesliga geworden ist. Auch Pfeifer stand bisher ein bisschen im Schatten der Überfliegerin Bessoir, hat sich jedoch in dieser Saison in großartiger Form vorgestellt und ist zuletzt sogar die Topscorerin der Mannschaft beim knappen 72:71-Erfolg in Speyer gewesen.

Jetzt also liegt Pfeifer weinend auf Kellerers Liege, ihr linker Knöchel wird gekühlt und immer wieder leicht massiert. Sie hat Schmerzen. Dann klatscht sie mit den Händen in die Luft und ruft laut "Defense", als die Mainzer einen Gegenangriff gestartet haben, und "super, Anna!", als Anna Heise im Gegenzug zwei Punkte erzielt. Nach Spielschluss kommen alle Jahn-Spielerinnen an ihrer Liege vorbei und umarmen sie. Auch die Mainzerinnen kommen und klatschen sich mit der sichtlich gerührten Pfeifer ab. Kellerer hat den lädierten Knöchel inzwischen eingepackt. Zur Spielauswertung versammelt Jahn-Trainer Markus Klusemann, der für die zweite Halbzeit eine spürbar intensive und aggressivere Verteidigung angeordnet hat, alle Spielerinnen um die Liege mit Pfeifer herum. Die Besprechung ist sehr kurz.

Sogar die Gegnerinnen kommen zum Abklatschen an ihre Liege

"Geiles Spiel', habe ich ihnen gesagt", verrät er wenig später. Und Lea Pfeifer? Sei "bombenstark gewesen", lobt er seine verletzte Spielerin, "sie hat ihren Wurf gefunden". Gefunden hat sich in den letzten Spielminuten auch Emily Bessoir, die in der zurückliegenden Trainingswoche erkältet war. 30 Minuten lang war ihre Trefferquote mit nur 25 Prozent denkbar schlecht. "Ich bin froh, dass ich noch aufgewacht bin", sagt sie nach der Schlusssirene. Binnen weniger Minuten hatte sie ihre Punkte noch von sechs auf 17 Zähler hochgeschraubt; dazu kamen elf Rebounds. Bessoir schätzte: "Da war wohl auch wegen Lea." Zwölf Punkte steuerte auch Fanny Szittya zum Sieg gegen Mainz, deren zehn Anna Heise. "Das ging über Herz und Energie", kommentiert Trainer Klusemann die eindrucksvolle Schlussphase und den engagierten Auftritt der kompletten Mannschaft.

Natürlich weiß er auch um den Anteil seiner Topspielerin Bessoir an diesem Erfolg. "Sie zeichnet aus, dass sie ihre schlechte Performance zuvor vergisst und sich auf das konzentriert, was kommt." Klusemann kann jetzt nach drei Siegen in vier Spielen eher entspannt in die weitere Saison gehen. Um die zwei Spitzenplätze, das zeichnet sich schon ab, werden wohl Bamberg und Würzburg spielen, dahinter scheint alles offen zu sein. Lea Pfeifer möchte natürlich so schnell wie möglich wieder dabei sein. Ob Bänder gedehnt oder gerissen sind, weiß nach der Partie noch niemand. "Jetzt feierst Du erst einmal den Sieg mit", sagt Vater Jörg Pfeifer, der neben seiner Tochter steht. Lea Pfeifer, die gerne Medizin studieren möchte, aber mit einem Abiturschnitt von 2,0 noch warten muss, lächelt.