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Baseball-Zweitligist Caribes:Münchner Erfolgsgeschichte

"Wir sind sehr stolz darauf, und das ist gut für München": Caribes-Spielertrainer Steve Walker.

(Foto: Claus Schunk)

Zweite Liga: Noch kein Münchner Baseball-Team ist so weit gekommen wie die Caribes

Von Christoph Leischwitz

Um die Tragweite dieses Ereignisses zu erklären, bedarf es eines kurzen, historischen Abrisses. Baseball war im Umgriff Münchens jahrzehntelang im wahrsten Sinn eine Randsportart, in Haar, Baldham, Gauting, ganz früher auch in Freising. Im Zentrum aber fristete der Sport ein trauriges Dasein im Schatten des FC Bayern München, der die Exoten so schnell wie möglich loswerden wollte von der Säbener Straße, um anbauen zu können, dort, wo seit den 1940er Jahren Baseball gespielt wurde. Es gab die Munich Brewers, die Munich Tigers und die Munich Ambassadors, doch keines dieser Teams konnte sich nachhaltig entwickeln. Die Umsiedlung der Baseballer war in gewisser Weise ein räumlicher Beleg für das, was man auch heute noch oft zu hören bekommt, wenn man auf den Sportplätzen den Diskussionen über die Sportstadt München lauscht: Man hat es schwer neben dem FC Bayern.

Die Baseballer zogen 2005 in den Norden, auf das Gelände des Zentralen Hochschulsports (ZHS). Eine Interessengemeinschaft hatte sich für ein neues Feld eingesetzt. Von dieser Interessengemeinschaft ist heute nur noch ein Verein übrig, die München Caribes. Und diese haben in den vergangenen Jahren so beständige Arbeit geleistet, dass sie etwas Einmaliges geschafft haben: Die erste Mannschaft spielt von diesem Wochenende an in der zweiten Bundesliga. So hoch hinauf hat es seit Menschengedenken kein Baseballteam innerhalb der Stadtgrenzen geschafft.

"Wir sind sehr stolz darauf, und das ist gut für München", sagt Spielertrainer Steve Walker, der am Sonntag mit seinem Team zunächst bei den Mainz Athletics II antritt, ehe man eine Woche später die Neuenburg Atomics empfängt. Dass die Mannschaft so hochklassig spielen kann, hat sie weitgehend sich selbst zu verdanken. Präsidentin Nixie Zarate-Trassl kümmert sich seit Jahren beharrlich um behördliche Genehmigungen, sei es für einen Zaun oder eine Toilettenanlage. Und im vergangenen Jahr trugen die Caribes durch ihr erfolgreiches Spiel auch noch dazu bei, dass der deutsche Verband die Ausländerregelung änderte: Seitdem dürfen die so genannten "Baseball-Deutschen" auch in der zweiten Liga unbegrenzt zum Einsatz kommen, jene Spieler, die seit fünf Jahren in Deutschland leben und arbeiten. In den höchsten Ligen wollte man so verhindern, dass eingekaufte Talente den deutschen vorgezogen werden, und zugleich das Risiko mindern, dass sich Vereine durch teure Transfers verschulden.

Die Caribes kann man von solchen Absichten kategorisch freisprechen. Sie tätigen schon allein deshalb keine teuren Transfers, weil sie keinen Hauptsponsor haben. "Alles ist selbstfinanziert", sagt Walker. Und meist sogar selbst gebaut, wie zum Beispiel der neue, vorschriftsmäßig auf zwei Meter erhöhte Zaun hinter dem Outfield. Dabei wollte man nach dem Aufstieg eigentlich einen Geldgeber finden. Das seit Jahren gewachsene Team hat in den US-Amerikanern Mateo Gatica und Scott Viehman zwei wichtige Spieler verloren, konnte aber auch sechs neue Akteure holen. Neben dem ehemaligen Bundesliga-Spieler Jakob von Mosch, der im Feld variabel einsetzbar ist, hat man für die wichtigsten Positionen die ausländischen Kontakte spielen lassen: Marlowe Peter aus den USA ist Catcher, Francisco Gonzalez und Yaeko Vazquez Gamez, beide aus Venezuela, sind Pitcher, ebenso wie der spanische Nationalspieler Aaron Leon.

Der Qualitätssprung zwischen dritter und zweiter Liga gilt als nicht allzu hoch, und es ist den Caribes zuzutrauen, dass sie mit dem Abstiegskampf wenig zu tun haben werden. "Ich glaube an meine Mannschaft. "Vielleicht können wir sogar . . .", sagt Walker, und hält inne. "Nein, das sage ich jetzt nicht." Es passt auch gar nicht zu den Caribes, schneller zu träumen als zu handeln.

© SZ vom 18.04.2015

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