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Baseball:Turm auf dem Hügel

Neue Perspektive: Ryan Bollinger, Zwei-Meter-Mann aus Kalifornien.

(Foto: oh)

Haar Disciples verpflichten Pitcher Ryan Bollinger und trennen sich von Justin Erasmus

Von Christoph Leischwitz, Haar

Als Michael Stephan 2015 den Pitcher Ryan Bollinger zum ersten Mal sah, hatte er schlagartig ein schlechtes Gefühl. Stephan spielte damals in der Western Australia State League, und Bollinger war sein Gegner. "Da hast du schon beim Aufwärmen gesehen, puh, der ist besser als die meisten anderen", sagt Stephan. Seine Mannschaft, die Carine Cats, verlor deutlich gegen Bollingers Melville Braves, Stephan selbst kam auf "einen Strikeout und einen mickrigen Groundball zur ersten Base". Die Base selbst erreichte er gegen den starken Werfer also nicht annähernd.

Stephan war damals schon Trainer des Baseball-Erstligisten Haar Disciples, und als solcher hielt er nach der herben Niederlage schlauerweise Kontakt zu dem nunmehr 25-jährigen Zwei-Meter-Mann. Eigentlich wollte er ihn schon in der vergangenen Saison verpflichten, als Haar den Saisonstart in den Sand setzte; damals hatte der US-Pitcher aus Kalifornien aber schon einen anderen Vertrag unterschrieben. Für die am 31. März startende Bundesliga-Saison hat es nun aber geklappt, Stephan ist voller Vorfreude. "Wir haben einen Pitcher gesucht, mit dem wir jedes zweite Spiel des Spieltags gewinnen können", sagt der heutige Disciples-Manager - das zweite Spiel ist stets jenes, in dem ausländische Spieler auf dem Werferhügel stehen dürfen. Bollinger hat Justin Erasmus verdrängt, dessen Vertrag nicht verlängert wurde. Der Holländer war in der vergangenen Spielzeit eingesprungen und hatte aus einer schlechten eine passable Saison gemacht. Passabel sei aber eben nicht das, was die Disciples in Zukunft anstrebten. "Justin hat überdurchschnittlich gespielt", betont Stephan zwar. Aber in einem möglichen Halbfinale oder Finale um die deutsche Meisterschaft sei er womöglich nicht der Spieler, der den Unterschied ausmache. Erasmus sei enttäuscht gewesen und nun auf der Suche nach einem neuen Klub. Gut möglich, so Stephan, dass er in der neuen Saison irgendwo als Gegner der Disciples auftritt.

Bollingers Verpflichtung ist ein weiteres Indiz dafür, wie ernst es den Disciples mit den professionalisierten Strukturen in ihrem Unterfangen ist, zu den besten Mannschaften des Landes zu gehören. Bollinger stand bei den US-Profiklubs Philadelphia Phillies und den Chicago White Sox unter Vertrag und hat bei mehreren Farmteams gespielt, der Sprung in die höchste Klasse gelang ihm jedoch nicht.

Weil der starke Schlagmann Josh Petersen sowie William Thorp heuer wieder zurückkehren, ist das Ausländerkontingent der Disciples ausgeschöpft. Man wolle sich noch nach ein, zwei deutschen Spielern umsehen, heißt es, zumal in Michael Hübner ein Talent den Verein überraschend aus beruflichen Gründen verlassen hat. Er hatte maßgeblich dazu beigetragen, dass die zweite Mannschaft der Disciples in die zweite Liga aufstieg.

Am 17. März reisen die Disciples für ein zehntägiges Trainingslager nach Rom, Bollinger wird dabei sein. Der Neue bringt noch einen weiteren Vorteil mit: Er ist Linkshänder, der einzige im Pitching-Kader der Disciples. "Und er wirft von einem Meter weiter oben", sagt Stephan lachend. Egal wie erfolgreich er spielen wird, seine Präsenz im Training bietet den Spielern am Schlag im wahrsten Sinne einen neuen Blickwinkel.

© SZ vom 01.02.2017
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