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Baseball:Luxus in Teilzeit

Die München-Haar Disciples wollen auch in der neuen Saison ins Halbfinale - mindestens. Dieser Optimismus hat ausgerechnet mit dem Weggang des überragenden Pitchers Ryan Bollinger zu tun.

Von Christoph Leischwitz, Haar

Zum Wetter, sagt Philipp Howard, sagt er gar nichts. "Das ist etwas, das ich nicht beeinflussen kann", weiß der Trainer der München-Haar Disciples. Wenn es am Sonntag trocken genug ist, Baseball zu spielen, sei man bereit. Es ist aber auch möglich, dass die Saison für den Bundesligisten nicht mit dem Heimspiel gegen die Heidenheim (14 Uhr) beginnt, sondern erst am Ostermontag mit dem Auswärtsspiel in Heidenheim. So oder so sind die Heideköpfe ein Spitzenteam, doch Sportdirektor Christopher Howard, Philipps Bruder, sagt: "Wir haben sie in der vergangenen Saison zweimal geschlagen." Überhaupt hören sich die Verantwortlichen der Disciples recht selbstbewusst an. Weil sie aus ihrer Sicht all das, was sie beeinflussen konnten, in die richtigen Bahnen gelenkt haben.

"Aufgrund der Ergebnisse des letzten Jahres können wir uns nicht hinstellen und einfach schauen, was passiert", findet Vorstand Johannes Penzkofer, man wolle "erneut das Halbfinale erreichen", eventuell auch "darüber hinaus." Die Ansage ist mutig. Zum einen war der Einzug ins Halbfinale gegen Bonn der größten Erfolg der Vereinsgeschichte. Zum anderen haben sich andere Teams in der Südstaffel personell verbessert, etwa der bayerische Kontrahent Regensburg. Und wie Harr selbst seine namhaften Weggänge verkraftet, muss sich erst zeigen.

Der neue Kader ist kleiner, dafür jünger und athletischer

Da wäre zum einen Michael Stephan, dessen Vertrag als General Manager nicht verlängert wurde und der deshalb nach fast einem Jahrzehnt auch als Spieler bei den Disciples aufhörte. Man habe sich organisatorisch neu aufstellen wollen, sagt Penzkofer, der auf Stephans anstrengende Doppelfunktion verweist. "Wir haben Mitch einen Weg aufgezeigt. Den wollte er nicht gehen." Da wäre auch der Weggang von Ryan Bollinger, dem besten Pitcher der Bundesliga-Geschichte. Er hat einen Vertrag beim Unternehmen der New York Yankees unterschrieben, wo er derzeit in der, vereinfacht gesagt, dritten Mannschaft namens Trenton Thunder spielt. Weil aus dem Kreis der Disciples-Werfer auch noch Nationalspieler Kevin Trisl seine Karriere beendet hat, schien das Team zwei entscheidende Leistungsträger verloren zu haben.

"Na, dann lasse ich die Katze mal aus dem Sack", sagt Penzkofer. "Ryan wird am Ende seiner Saison zurückkehren, wir werden ihn als Kaderspieler melden." Natürlich müsse er erst seine Saison bei den Thunder zu Ende spielen, diese dauert mindestens bis zum 3. September. Die Disciples müssten ihre Playoffs also ohne den 27-jährigen Linkshänder erreichen. Doch auch Trisl ist nicht ganz weg: Seine beruflichen Verpflichtungen hätten sich als nicht gar so strapaziös erwiesen wie gedacht. "Wenn es möglich ist, wird er spielen", sagt Christopher Howard.

Selbst ohne die beiden Luxus-Aushilfsspieler sieht man sich auf dem Werferhügel gut aufgestellt. In Spiel eins ist der Tscheche Jan Tomek als Starter eingeplant, "einer der Top-Pitcher in Europa", sagt der Sportdirektor. Tomek hatte zuletzt in der starken niederländischen Liga gute Statistiken. Für Spiel zwei, in dem in der Bundesliga meist US-Amerikaner werfen, verspricht man sich viel von Darren Fischer. Der 25-Jährige stand zwei Jahre lang bei den Tampa Bay Rays unter Vertrag. Auf der wichtigen Schlagmann-Position vier wird der zweite neue US-Amerikaner Austin Diemer stehen. "Der kann hauen", versichert Howard.

Insgesamt sei der kleine 14-Mann-Kader jünger und athletischer als früher, daher auch schneller und in der Offensive aggressiver. "Es ist jetzt so, wie wir spielen wollen, wir haben die Neuen gezielt danach ausgesucht", sagt Christopher Howard. Am Ende wird man damit wohl irgendwo zwischen Platz eins und sechs landen. Denn wie gut die anderen Teams sein werden, das ist für die Disciples ungefähr so schwer vorhersagbar wie das Wetter.

© SZ vom 31.03.2018
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