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Baseball:Fischer lächelt

Variabel am Schlag: Der zweite Baseman Richard Klijn sorgte in beiden Partien gegen Mannheim für je einen Haarer Punkt.

(Foto: Claus Schunk)

Bundesligist Haar kämpft sich gegen Mannheim zu einem Remis - dank eines Werfers, der seine letzte Chance eigentlich schon verspielt hatte.

Von Christoph Leischwitz, Haar

In diesem Fall war das Wetter wohl ein entscheidender Faktor für den Spielausgang. Derek Romberg von den Mannheim Tornados hatte gegen die Haar Disciples schon einen Punkt erzielt, doch im fünften Inning musste er sich auswechseln lassen. Haar war gerade am Schlag, als Romberg ein Zeichen gab, dass es ihm nicht gut gehe. Auf dem Weg zur Auswechselbank konnte dann jeder Zuschauer im Sportpark Eglfing unschwer erkennen, dass ihm die viele Sonne über das Wochenende nicht gut bekommen war. Geschwächt schleppte er sich vom Feld, Mannheim war gezwungen, seine Schlagreihenfolge zu ändern - und erspielte keine Punkte mehr. So endete die Partie am Sonntag mit 4:3 Runs denkbar knapp für die Disciples.

Darren Fischer hingegen schien die Hitze überhaupt nichts auszumachen, im Gegenteil. Haars Pitcher stand zum ersten Mal in dieser Saison für die gesamte Spieldauer auf dem Werferhügel, ohne ausgewechselt zu werden. Nach dem knappen Sieg stand der 25-jährige US-Amerikaner immer noch auf dem Feld, nun aber mit einem Bier in der Hand. "Es war an der Zeit. Ich habe mir davor selbst viel zu viel Druck gemacht", sagte er. Seine Leistungen auf dem Platz hatten nicht annähernd an jene im Training herangereicht.

Fischer hatte den Saisonstart gegen Heidenheim verpatzt, seitdem wurde er jedes Mal früh ausgewechselt, weil ihm die Gegner die Bälle um die Ohren schlugen. Eigentlich hätte er gegen Mannheim gar nicht mehr spielen sollen. Unter der Woche hatten die Disciples den US-Pitcher Michael Click verpflichtet, der zuletzt beim italienischen Spitzenteam in Padua spielte. Click sollte eigentlich schon zum Einsatz kommen. Doch Padua verweigerte die Freigabe. Fischer bekam noch einmal eine Chance, obwohl er seine letzte Chance eigentlich schon verspielt hatte. Gegen Mannheim startete er erneut denkbar schlecht, die Gäste gingen im ersten Durchgang gleich 2:0 in Führung, im zweiten Inning erzielten sie einen weiteren Run.

Vielleicht war es die Offensive der Disciples, die Druck von Fischers Schultern nahm, denn Christoph Ziegler und Nate Thomas sorgten mit ihren Schlägen ins Feld für vier Haarer Punkte. Jedenfalls fiel der Druck von Fischer genau in jenem Moment ab, in dem er eigentlich den größten Druck verspüren musste. "Ich dachte mir nur: Relax. Hab Spaß. Das ist doch die Hauptsache. Und ich habe angefangen, ein bisschen zu lächeln."

Der lächelnde Fischer dominierte plötzlich das Spiel. Er warf acht Strikeouts und kam nur noch selten in Gefahr, Punkte abzugeben. Nach getaner Arbeit lief Catcher Thorp auf ihn zu und umarmte ihn. Ein paar Minuten später trug Trainer Philipp Howard einen Kasten Bier aufs Feld und stieß als Erstes mit Fischer an. "Er hat gestern zu mir gesagt, dass die Nervosität weg ist", sagte der Trainer. Warum ausgerechnet gestern? Keine Ahnung, so der Headcoach. Jedenfalls habe er, abgesehen vom Anfang, seine Sache diesmal gut gemacht.

Fischer war nun entspannt genug, die knappe Partie nach Hause zu bringen. Er dachte auch "definitiv nicht" an das erste Spiel vom Samstagnachmittag - da hatten die Disciples in einem höchst spannenden Spielverlauf mit mehrmaligem Wechsel der Führung 5:10 verloren, im neunten und letzten Durchgang hatten die Werfer Nate Thomas und Lukas Steinlein beim Stand von 5:4 sechs Gegenpunkte hinnehmen müssen. "Der Unterschied war, dass wir im zweiten Spiel die Energie und die Moral hochgehalten haben. Gestern sind wir ein bisschen eingebrochen", sagte Trainer Howard. Mit dem Sieg im zweiten Spiel konnte Haar den vierten Platz gegenüber den Mannheimern behaupten, es zeichnet sich aber schon jetzt ein enges Rennen um die Playoff-Plätze ab. Am kommenden Wochenende spielen die Disciples erneut zu Hause. Aufsteiger Ulm Falcons hat schon einige überraschende Achtungserfolge verbucht. So könnten auch diesmal knappe Partien bevorstehen.

Welcher US-Amerikaner am Samstag pitchen wird, ist indes noch nicht geklärt. Sollte Click die Freigabe erhalten, dürfte er trotz Fischers Leistungssteigerung gesetzt sein. "Wir brauchen Arme", sagt Fischer, er findet es gut, dass Verstärkung kommt. Dem Vernehmen nach könnten es sich die Disciples auf Dauer jedoch nicht leisten, beide Pitcher zu bezahlen. Doch im Moment ist Fischer so entspannt, er sieht den Konkurrenzkampf noch nicht kommen.

© SZ vom 23.04.2018
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