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Baseball:Ersatz für den Unersetzlichen

8 6 2017 HONKBAL NEPTUNUS MAINZ REGENSBURG European Champions Cup baseball Curacao Neptunus Mainz; Baseball

Ein Europapokalsieger für Haar: Aus Rotterdam kommt der Tscheche Jan Tomek, 25, als neuer Pitcher zu den Disciples.

(Foto: Henk Seppen/Imago)

Nach dem Wechsel von Pitcher Ryan Bollinger zu den New York Yankees sucht Bundesligist Haar Disciples neue Stützpfeiler. Die ersten Verstärkungen für die Saison 2018 machen Mut.

Von Christoph Leischwitz

Es war der ganz große Wurf vor einem Jahr. Ryan Bollinger war sogar so gut, dass schnell klar wurde: Der Pitcher der München-Haar Disciples würde nicht lange zu halten sein. 178 Strikeouts warf der US-Amerikaner in der Bundesliga, er führte die Mannschaft damit bis ins Halbfinale um die deutsche Meisterschaft, wo sie knapp den Bonn Capitals unterlag. Kurz vor Silvester hat der Linkshänder, der zurzeit noch in Australien spielt, einen Vertrag bei den New York Yankees unterschrieben. Dort wird er versuchen, über den Umweg der so genannten Farmteams in die MLB zu gelangen, die Major League, die beste Baseball-Liga der Welt. Zu Beginn der Saison wird er voraussichtlich in Trenton/New Jersey unterkommen, dritte Liga.

Für die Disciples war indes klar: Sportlich ist der Hüne mit dem roten Bart nicht zu ersetzen. Weil sich seine endgültige Verpflichtung über Monate hinzog und den Disciples letztlich erst kurz vor Weihnachten mitgeteilt wurde, ist das Management des Teams auch noch nicht besonders weit auf der Suche nach einem Nachfolger. "Wir sind aber in guten Gesprächen", sagt Christopher Howard. Darüber hinaus gibt es mehrere Spieler, die zu ersetzen ebenfalls schwierig werden dürfte. Denn kurz nach der besten Saison der Vereinsgeschichte drohte das Team auseinanderzufallen. Der langjährige Spieler und Manager Michael Stephan verließ den Verein ebenso wie Kevin Trisl, ein weiterer Werfer. Der ehemalige Nationalspieler beendet aus beruflichen Gründen seine Karriere. Ebenso werden Catcher José Palacios (Regensburg) und der starke Schlagmann Josh Petersen künftig fehlen, dessen Ziel unbekannt ist.

Nun aber beginnen die Disciples mit dem Wiederaufbau, und die ersten neuen Namen lesen sich gar nicht so schlecht: Anstelle von Kevin Trisl wird künftig der Tscheche Jan Tomek auf dem Werferhügel stehen, der als EU-Ausländer im Gegensatz zu US-amerikanischen Pitchern beliebig einsetzbar ist. In der vergangenen Saison spielte Tomek in der hoch einzuschätzenden niederländischen Liga für Curaçao Neptunus Rotterdam eine gute Saison, er trug außerdem maßgeblich zum Sieg im Europapokal bei. In der Bundesliga ist der 25-Jährige kein Unbekannter. In der Saison 2016 spielte er für die Regensburg Legionäre - in 16 Spielen gab er ein passables Bild ab. Die meisten Gegenpunkte ließ er ausgerechnet gegen die Disciples zu, insgesamt 16 in zwei Partien. In den darauffolgenden Playoffs kam Tomek für die Legionäre kaum noch zum Einsatz.

Auch für Petersen, der in der Abwehr an der dritten Base spielte, ist ein Nachfolger gefunden: Austin Diemer wechselt nach drei Jahren Dauereinsatz in den unteren amerikanischen Ligen nach Deutschland. Damit dürften die Kaderplanungen allerdings noch nicht abgeschlossen sein. Ein Favorit auf die Meisterschaft dürften die Disciples mit dem aktuellen Kader nicht mehr sein, das Erreichen der Playoffs allerdings erscheint wieder möglich. Besonders wichtig dafür war, dass die neue Klubführung um Manager Christopher Howard einen Kern an wichtigen Spielern zusammenhalten konnte. So bleiben in den Nationalspielern Lukas Steinlein und Christoph Ziegler sowie Richard Klijn drei erfahrene Pitcher weiterhin Disciples. "Das war uns sehr wichtig, dass wir sie halten können", sagt Christopher Howard, dessen Bruder Philipp auch diese Saison als Cheftrainer fungiert. Zusammen mit den beiden britischen Spielern William Thorp und Nate Thomas, die nach ihrer Saison in Australien im März zurückkehren, spricht er von "langfristigen Eckpfeilern". Denen allerdings bis zum Saisonstart am Osterwochenende noch ein paar weitere Stützen hinzugefügt werden sollen.

© SZ vom 17.01.2018
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