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Baseball:Ein gutes Jahr für Erfolg

Nationalspieler Lukas Steinlein wird Haar im Gegensatz zu 2016 wieder voll zur Verfügung stehen.

(Foto: Claus Schunk)

Der neue Trainer Don Freeman soll den Haar Disciples Ruhe geben, Erfahrung und Selbstvertrauen. Trotz eines verstärkten Kaders sind die Töne leiser geworden.

Von Christoph Leischwitz, Haar

Wenn man die knappen Spiele immer und immer wieder knapp verliert, dann ist das vermutlich kein Zufall. Irgendwann im Laufe der vergangenen Saison reifte dieser Gedanke im Kopf von Michael Stephan, als er damit beschäftigt war, mehrere Aufgaben gleichzeitig zu bewältigen. Damals war Stephan nämlich noch Spielertrainer des Baseball-Bundesligisten Haar Disciples. Und gerade in spannenden, engen Partien musste er sich auf seinen Job an der erste Base konzentrieren, gleichzeitig aber auch spielentscheidende Überlegungen anstellen, welcher Werfer nun auf dem Hügel in der Mitte des Feldes am besten bestehen könnte. "Da ist es natürlich schon gut, einen Trainer auf der Bank sitzen zu haben, der sich ganz in Ruhe entscheiden kann", sagte Stephan.

Die Antwort auf diese Überlegungen kam am 20. Februar nach München. Der erste Eindruck von der Pressekonferenz in Haar am vergangenen Dienstag: Der neue Cheftrainer strahlt auf jeden Fall schon einmal viel Ruhe aus. Eine Ruhe vom Typ Carlo Ancelotti. Don Freeman führt die Disciples in die nächste Saison, die an diesem Freitag mit einem Auswärtsspiel der Haarer in Mainz eröffnet wird. Am Samstag (13 Uhr) folgt dann ein Heimspiel gegen die Heideköpfe. Freeman kennt nicht nur die deutsche Bundesliga gut, er war auch schon Co-Trainer der Nationalmannschaft. Und in der Heimat, den USA, hat er die U19 des Landes zwei Mal zum Gewinn der inoffiziellen Weltmeisterschaft geführt. Bei der Auswahl seiner neuen Arbeitsstelle, erzählt der Mann mit den grauen Haaren und den lachenden Augen, soll ihm seine Frau geholfen haben: Als er eine Liste mit möglichen Städten vorlas und er München sagte, sei sie sofort dazwischen gegangen: "Yeah. Da gehen wir hin!"

In Haar freuen sie sich über die Verpflichtung jenes Trainers, von dem sogar der erfahrene Sportdirektor Christopher Howard sagt: "Von ihm lerne ich jeden Tag etwas Neues." Der 67-jährige Freeman sei "ein sehr positiver Mensch", sagt Howard. Er soll der Mannschaft Erfahrung vermitteln und Selbstvertrauen einflößen. Er tut das auch schon, indem er sagt: "Es ist ein gutes Jahr für Haar, um erfolgreich zu sein." Denn gerade herrsche ein Umbruch in der Liga, in vielen Teams hätten Leistungsträger ihre Karrieren beendet.

Während sich Stephan hinter den Kulissen mehr und mehr auf Marketing und PR konzentriert, sind Freeman und Howard, der von den Regensburg Legionären kam, das neue Duo, das nun erfolgreich an den kleinen Unterschieden arbeiten soll.

Die vergangene Saison war aus zwei Gründen gefloppt: Erstens wegen der knappen Niederlagen wie jener am letzten Spieltag: Da hatten die Disciples erst nach 15 Innings gegen die Mainz Athletics verloren und damit die Playoffs verpasst - damals war Freeman dort Co-Trainer. Zweitens hatte die Mannschaft 2016 einen denkbar schlechten Start gehabt. "Wir haben uns nach der Saison zusammengesetzt und sind zu dem Schluss gekommen: Es lag am Pitching", erklärt Howard. D.J. Jauss war auch schon während der Saison beurlaubt worden. Jetzt steht bei den Werfern einerseits Nationalspieler Lukas Steinlein, im Gegensatz zum vorigen Jahr, gleich von Beginn an zur Verfügung. Und andererseits hat man in dem US-Amerikaner Ryan Bollinger, 26, einen Linkshänder gefunden, dessen Werferqualitäten so gut sind, dass da gar keine Zweifel mehr aufkommen können: "Er soll Spiele dominieren", sagt Stephan, und auf diesem Weg auch Druck von der Abwehr nehmen.

Vor knapp zwei Wochen schloss sich Haar noch ein talentierter Allzweckspieler an: Nateshon Thomas ist im Feld auf vielen Positionen einsetzbar, vor allem aber soll er als Schlagmann auf Position eins stehen. Dank seiner Sprintfähigkeiten hatte der Brite, der zuletzt für Bad Homburg spielte, zudem zahlreiche Bases gestohlen.

Namhafte Weggänge gibt es nicht, die Disciples scheinen besser aufgestellt als davor. Doch die Töne sind etwas leiser geworden, nachdem die große Euphorie zuletzt in einer mäßigen Saison mündete. "Wir wollen das Halbfinale anpeilen", sagt Disciples-Präsident Todd Covell. Zum Thema Meisterschaft könne man ihn ja gerne nächstes Jahr noch einmal befragen.

© SZ vom 29.03.2017
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