Baseball:Die Sand-Uhr läuft

Baseball: Nicht ohne meine Keule: Kris Grunauer, Centerfielder bei den Caribes, macht sich bereit für den First Pitch der Saison.

Nicht ohne meine Keule: Kris Grunauer, Centerfielder bei den Caribes, macht sich bereit für den First Pitch der Saison.

(Foto: Claus Schunk)

Vor dem Saisonstart in der zweiten Bundesliga ist das Selbstvertrauen bei den München Caribes groß. Der Kader sei im Kern stark genug, sogar der Aufstieg erscheint nicht utopisch. Nur eins könnte das Team aufhalten: ein fehlender Warnstreifen

Von Christoph Leischwitz

Die Zeit rieselt den München Caribes momentan nicht gerade durch die Finger, obwohl sie sich das durchaus wünschen würden. Anfang März gab es ein Ramadama, ein neuer Wurfhügel wurde errichtet und die Tribünen im Stadion am Oberwiesenfeld auf Vordermann gebracht. Eigentlich wollte der Baseball-Zweitligist am kommenden Sonntag mit zwei Heimspielen gegen Aufsteiger Fürth in die neue Saison starten, doch etwas Wichtiges fehlt dafür noch: der Sand, der das Spielfeld eingrenzen muss. Es habe Engpässe bei der Lieferung gegeben haben, heißt es. Im vergangenen Jahr hatten die Caribes mit einer Sondergenehmigung noch ohne warning track antreten dürfen, jenen Streifen also, der einem dem Ball nachblickenden Spieler quasi per pedes mitteilt, dass er demnächst im Zaun landet, wenn er weiterläuft. Schwere Verletzungen können so verhindert werden. Deshalb droht in den beiden höchsten Ligen der Lizenzentzug, wenn kein Warnstreifen um das Feld läuft. Sollte die Sicherheitsmaßnahme nicht bis zum Wochenende abgeschlossen sein, muss der Saisonauftakt verschoben werden. "Wir hoffen, dass die Lieferung noch rechtzeitig kommt", sagt der Caribes-Vorsitzende Nixie Zarate-Trassl. Die Sand-Uhr läuft, Helfer stehen auf Abruf bereit.

Die Planungsunsicherheit fällt kurioserweise in die Phase der wohl größten Planungssicherheit in der Vereinsgeschichte. Bislang war der Pachtvertrag mit der Technischen Universität immer nur um ein Jahr verlängert worden. Jetzt freut sich Zarate-Trassl, einen Vertrag auf zehn Jahre ausgehandelt zu haben, "mit der Hilfe der Stadt und von Politikern". Das schafft auch eine bessere Verhandlungsbasis mit Spielern.

Wie sehr den Caribes ihr Verein am Herzen liegt, haben sie schon mit dem Projekt warning track bewiesen. Mindestens 20 000 Euro werden dafür fällig, das meiste haben einzelne Mitglieder vorgeschossen - in der Hoffnung, die Ausgaben nachträglich von der Stadt bezuschusst zu bekommen. Dank des neuen Pachtvertrags seien die Chancen dafür immerhin gestiegen, erklärt Zarate-Trassl. Doch man habe nicht mehr warten können, irgendwann habe man einfach schon mal anfangen müssen zu bauen. Sponsoren hat der Verein bislang vergeblich gesucht. Baseball in München ist zwar eine Herzensangelegenheit, aber nicht besonders werbetauglich.

Im Rahmen ihrer Möglichkeiten wollen die Caribes weiter versuchen, die Mannschaft bekannter zu machen, sie würden sich mittlerweile sogar den Sprung in die erste Liga zutrauen. Den Kader halten sie zumindest schon einmal für stark genug, die Klasse zu halten, auch wenn im vergangenen Jahr einige Leistungsträger das Team verlassen hatten, überwiegend aus beruflichen Gründen. "Ich glaube an den harten Kern der Mannschaft" sagt Spielertrainer Steve Walker. Die Leistung sei ja auch nicht viel schlechter geworden, als etwa Pitcher Francisco Gonzalez während der Saison abreiste und nicht mehr ersetzt werden konnte. Jetzt gibt es sogar einen neuen Werfer: Francisco Riestra besitzt wie sein Vorgänger Gonzalez einen spanischen Pass. Als EU-Ausländer kann er in beiden Spielen eines Wochenendes zum Einsatz kommen. "Er wird uns sehr helfen", sagt Walker. Man könnte auch sagen: Der relativ kleine Kader wird von Riestras Leistung abhängig sein. Denn Walker steht aufgrund chronischer Armprobleme als Pitcher wohl nicht immer zur Verfügung, ebenso wie Rückkehrer Jakob Lipke.

Doch das Vertrauen in die eigenen Fähigkeiten ist groß. Im vergangenen Jahr waren die Caribes als Aufsteiger Dritter geworden, hinter den Ausbildungsteams der Bundesligisten Regensburg und Mainz. Auf die Aufstiegsrelegation hatten sie damals noch verzichtet, jetzt sagt die Präsidentin: "Wenn der Verband uns das nach dieser Saison anbietet, würden wir wohl eher Ja sagen." Abgesehen vom noch fehlenden Sand gibt es nur noch ein weiteres, logistisches Problem: Direkt neben dem Feld soll ein weiterer Eingang zur U-Bahn-Station ausgehoben werden, die Baustelle macht den Besuch der Spiele nicht gerade attraktiver. Andererseits sind sie bei den Caribes an Baustellen gewöhnt.

© SZ vom 07.04.2016
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