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Baseball:Aufholjagd zum Auftakt

Der Werfer fing sich wieder: Zugang Tomas Ondra startete gegen Heidenheim denkbar schlecht, ließ dann aber sein Können aufblitzen.

(Foto: Claus Schunk)

Die München-Haar Disciples liefern sich in den ersten Heimspielen der neuen Saison ein unterhaltsames Duell mit Heidenheim - mit Siegteilung.

Seine Heimspiel-Premiere im neuen Klub hätte für Tomas Ondra nicht schlechter beginnen können. Der 23-jährige Tscheche stand erst ein paar Sekunden auf dem Werferhügel, da flog ihm auch schon einer seiner Bälle um die Ohren, so weit, dass der Gegenspieler bis zur dritten Base laufen konnte. Die Heidenheim Heideköpfe gingen wenig später in Führung, und auch wenn Ondra danach über sieben Durchgänge eine ordentliche Partie ablieferte, sah Baseball-Bundesligist München-Haar Disciples doch lange wie der sichere Verlierer aus. Bis die Heidenheimer einen Pitcher einwechselten, der einen noch deutlich schlechteren Tag als Ondra erwischte. Im neunten Inning verspielte Logan Grigsby eine 9:2-Führung, die Haarer glichen unter dem Jubel ihrer verblüfften Anhänger tatsächlich zum 9:9 aus.

Im dritten Zusatzinning schließlich sorgte Richard Klijn für den entscheidenden Punkt zum 10:9-Erfolg, und die Spieler auf der Bank stürmten das Feld, als hätte das Team bereits die Playoffs erreicht. "Ich glaube, Heidenheim spielt nicht allzu gerne gegen uns", sagte Christopher Howard nach dem Spiel. Der Sportdirektor sah natürlich nicht nur eine Heidenheimer Schwäche, sondern auch eine mentale Stärke als Grund für die spektakuläre Aufholjagd. Sicher ist, dass sich die Haarer zu einem Angstgegner für die auch heuer hoch eingeschätzten Heidenheimer entwickelt haben: Im vergangenen Jahr hatten die Disciples einmal einen Vier-Punkte-Rückstand aufgeholt und noch gewonnen.

Nach den beiden Auswärts-Auftaktsiegen zuvor bei den Saarlouis Hornets blieb die Weste am späten Samstagnachmittag dann aber nicht weiß: Die Disciples verloren die zweite Partie 3:7, obwohl der zweite neue Werfer, Louis Cohen, ein gutes Debüt zeigte. Nach mehreren Fehlern im Infield konnten die Disciples diesmal aber den Rückstand nicht mehr drehen. Dabei war Trainer Paco Garcia auch hohes Risiko gegangen. Nach dem Routinier Cohen schickte er den 17-jährigen Daniel Wolf auf den Werferhügel, bei Rückstand und gegen eines der besten deutschen Teams. "Das war eine Feuertaufe, ja", sagte auch Howard. Aber das sei eben die Idee gewesen, als man vor drei Jahren die hauseigene Nachwuchs-Akademie gründete. Schon in Spiel eins war der ebenfalls 17-jährige Titus von Kapff eingewechselt worden. Eigentlich hatte er sich nur einen einzigen wirklich schlechten Wurf geleistet, aber dieser wurde sofort bestraft: Der Heidenheimer Gary Owens schlug einen so genannten Grand-Slam-Homerun, der vier Punkte einbrachte. Insgesamt kamen im ersten Spiel vier Werfer zum Einsatz, Jan Endrejat und Lukas Steinlein sorgten aus Sicht der Defensive für den knappen Sieg. Gerade bei Steinlein habe man mal wieder gesehen, so Howard, "warum er Nationalspieler ist". Am Schlag hätten sich zudem so viele Spieler ausgezeichnet, dass man von einer geschlossenen Mannschaftsleistung sprechen durfte. Darunter befand sich völlig überraschend ein Spieler, mit dem die wenigsten gerechnet hatten: Christopher Howards Bruder Philipp. Noch im vergangenen Jahr war er Disciples-Cheftrainer gewesen, im Winter war er zurückgetreten, weil er nun als Co-Trainer für die Nationalmannschaft arbeitet. "Ich wusste das selbst nicht", sagte der Bruder, "unter der Woche hat er mit dem Coach gesprochen, dann haben die beiden das ausgemacht. Er will wissen, ob er es noch kann." Spielen, wohlgemerkt. Als Trainer wird Philipp Howard nicht tätig sein. Seine Selbstberufung zahlte sich am Samstag bereits aus: Weil er von einem Pitch am Arm getroffen wurde, wodurch man automatisch zur ersten Base vorrücken darf, hielt er die Aufholjagd zum 9:9 ebenfalls mit in Gang.

Die Siegteilung wertet Howard als repräsentativ für den gesamten Liga-Auftakt: Nach dem zweiten Spieltag sind allein die Mainz Athletics noch ungeschlagen. "Es rücken alle noch enger zusammen", glaubt er. Alles andere als knappe Spiele wären eine Überraschung, wenn die Disciples am Freitag und Samstag die nächsten beiden Partien bei den Mannheim Tornados ausspielen.