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Baseball:Am Ende ist Musik drin

Drei auf einen Schlag: US-Zugang Austin Diemer gelang am Samstagabend der erste Saison-Homerun der Disciples, der drei Punkte einbrachte.

(Foto: Claus Schunk)

Nach schleppendem Start feiern Haars Baseballer zwei Siege zum Heimspiel-Auftakt. US-Zugang Austin Diemer gelingt dabei der erste Homerun der Saison.

Von Christoph Leischwitz

Am Ende des vierten Durchgangs trotteten die Spieler der München-Haar Disciples gerade mal wieder mit hängen Köpfen zurück zu ihrer Bank, als Mick Jagger über die Lautsprecher passend dazu "I can't get no satisfaction" brüllte. Für die Anhänger der Haarer Baseballer war der Heimauftakt zur neuen Bundesliga-Saison lange recht unbefriedigend gewesen. Nach sieben von neun Innings stand es immer noch 0:0, weil beide Teams es nicht schafften, mehrere Spieler hintereinander zum Laufen auf die Bases zu bringen. Den größten Applaus in dieser Zeit erhielt ein Zuschauer, der einen der zahlreichen geschlagenen Bälle, die nicht im Spielfeld landeten, ohne Handschuh aus der Luft fing. Es war schon am Ostermontag beim Favoriten Heidenheim Heideköpfe ein holpriger Start gewesen (3:10), gegen den vermeintlichen Außenseiter Saarlouis Hornets ging es holprig weiter. Zumindest stimmte diesmal das Ergebnis: Das denkbar knappe Spiel eins endete 2:0, die zweite Partie am frühen Samstagabend beendete die Mannschaft von Trainer Philipp Howard nach Rückstand noch mit 13:4 Runs.

"Die Siege nehmen wir gerne mit", sagte Sportdirektor Christopher Howard am Samstagabend. Doch beide Partien zeigten, dass die Disciples noch viel Arbeit vor sich haben, wenn sie die Playoffs sicher erreichen wollen. In Spiel eins habe man es nicht geschafft, sich an den unorthodox, oft sehr langsam werfenden gegnerischen Pitcher zu gewöhnen - was aber nach einer gewissen Gewöhnungsphase eigentlich kein Problem sein sollte. Spannend wurde es erstmals im sechsten Durchgang, als die Disciples auf allen drei Bases einen Läufer postiert hatten, dann aber trotzdem keine Punkte erliefen. Wenig später hatte im Gegenzug Haars Werfer Jan Tomek eine kritische Phase zu überstehen, als ihm in höchster Not das dritte Aus und damit der Wechsel des Angriffsrechts gelang. Die Disciples gewannen dann das Spiel auch gar nicht dadurch, dass sie den Ball trafen. Sondern dadurch, dass die gegnerischen Werfer die Bälle nicht mehr in die gedachte Schlagzone brachten. Zunächst aus Erschöpfung, nach einem Werferwechsel wohl auch aus Nervosität. Vier Fehlwürfe (ball) sind gleichbedeutend mit dem Freigang zur ersten Base. Gleich fünf Spieler in Serie erhielten Freigänge (Denis Wallace dadurch, dass er von einem Ball getroffen wurde). Das reichte am Ende zum 2:0, auch wenn sich die Statistik hernach kurios las: Die Spieler aus Saarlouis hatten den Ball öfter ins Feld gebracht (sieben Mal) als die Disciples (vier Mal).

Im zweiten Spiel gelang dann das, was in Spiel eins lange misslang: "Wir haben den gegnerischen Pitcher aus der Ruhe gebracht", sagte Christopher Howard. Zum ersten Mal wurde das deutlich, als sich Jake Levin beim Stadionsprecher darüber beschwerte, dass die zwischen den Würfen eingespielte Musik zu spät heruntergeregelt worden sei. "Er hat dann auch noch einen Satz gesagt, den wir als Ansporn genommen haben, besser zu spielen", erzählte Howard. Danach profitierte der Haarer Angriff von mehreren Abwehrfehlern und drehte das Spiel innerhalb eines Durchgangs von 2:4 auf 5:4. Später gelang dem US-Zugang Austin Diemer auch noch der erste Disciples-Homerun der Saison.

US-Import Darren Fischer könnte nach dem zweiten schlechten Spiel seinen Stammplatz verlieren

Mit den eigenen Werfern sei man heute zufrieden gewesen, sagte Sportdirektor Howard - mit einer Ausnahme: Der neu geholte US-Amerikaner Darren Fischer wurde bereits nach vier Durchgängen ausgewechselt. Nach seinem schlechten Spiel in Heidenheim habe der 25-Jährige im Training gut an seinen Defiziten gearbeitet, diese aber im Spiel erneut gezeigt, so Howard. Für Fischer spielten im Anschluss noch drei weitere Werfer, darunter der erst 16-jährige Titus von Kapff, der zu seinem ersten Bundesliga-Einsatz kam. Fischer läuft nun Gefahr, früh in der Saison seinen Stammplatz zu verlieren, zumal am kommenden Wochenende der ehemalige Nationalspieler Kevin Trisl zur Verfügung steht. Und zudem zwei besonders wichtige Heimspiele gegen Mainz anstehen, einen vermutlich direkten Konkurrenten um einen Playoff-Platz.

© SZ vom 09.04.2018
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