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Badminton:Warten auf den Tag X

Neuhauser in Wartestellung: Tobias Wadenka und Annabella Jäger müssen sich mindestens zwei Monate gedulden bis zum nächsten Mixed – geschweige denn vor Zuschauern.

(Foto: Anke Luetticke/oh)

Für die Bundesligisten Neuhausen, Neubiberg und Geretsried kommt die Zwangspause zur Unzeit. Bis 1. Dezember will der Verband ein Konzept für den Re-Start entwickeln.

Von Sebastian Hepp

Der Deutsche Badminton Ligaverband (DBLV) war ziemlich schnell. Er hat gar nicht mehr auf den vergangenen Montag gewartet, an dem die Politik dem Freizeit- und Amateursport durch strengere Kontaktbeschränkungen zum zweiten Mal in diesem Jahr den Stecker gezogen hat. Schon in der vergangenen Woche gab er nach Anhörung aller Bundesligavereine bekannt, dass der Spielbetrieb der ersten und zweiten Liga "angesichts der dramatischen Entwicklung der Corona-Pandemie" bis zum 31. Dezember ausgesetzt wird. Seine Entscheidung begründet der DBLV nicht zuletzt damit, dass fairer Wettbewerb und Chancengleichheit "nicht mehr gegeben" seien.

Das kann Philipp Blonck, Manager des Erstligisten TSV Neuhausen-Nymphenburg, mit Blick auf die Reiseerschwernisse seiner ausländischen Spieler nur bestätigen. "Besonders am zweiten Spieltag gegen Wipperfeld haben wir das zu spüren bekommen", berichtet er. Von den Legionären des TSV sei nur der Bulgare Ivan Rusev mit von der Partie gewesen. Die Slowenin Kaja Stankovic sei am Flughafen in Ljubljana bereits abreisefertig gewesen, dann sei "ihr Flug kurzfristig storniert worden", erzählt Blonck. Der Israeli Misha Zilberman (er bekam keine passende Flugverbindung nach Deutschland) und die ukrainische Nationalspielerin Natalya Voytsekh (ihr wurde das nötige Visum nicht erteilt) mussten ebenfalls in ihrer Heimat bleiben. Die Folge war, dass der TSV mit etlichen Ersatzspielern gegen Wipperfeld antrat. Die eingesetzten Nachwuchskräfte hatten gegen ihre etablierten Erstligagegner dann auch keine Chance.

Am schwierigsten sei die "psychische Komponente", sagt Neuhausens Tobias Wadenka

"Traurig und schade" findet es Neuhausens Leistungsträger Tobias Wadenka, dass er und sein Team derzeit gar nicht mehr Badminton spielen können. Angesichts der momentanen Lage sei der Schritt "aber verständlich". Für Wadenka, der beim Deutschen wie beim Bayerischen Badminton- Verband als Trainer unter Vertrag steht, gilt es jetzt, "unsere ganze Motivation zusammenzukratzen und zu versuchen, fit zu bleiben".

Am schwierigsten sei die "psychische Komponente", findet Wadenka: "Die Belastung, dass es jetzt schon den zweiten Lockdown gibt und dass man nicht weiß, wann die Pandemie vorbei sein wird, ist schon sehr groß." Der 29-Jährige hofft darauf, dass es für Leistungssportler bald wieder eine Ausnahmegenehmigung für das Training in der Halle geben wird.

Die gerade eingeläutete Zwangspause für die Badmintonspieler bezeichnet auch Hubert Hauber, Manager des Zweitligisten TSV Neubiberg/Ottobrunn, als eine sehr schwierige Phase. "Die Spieler verlieren deutlich an Schnellkraft, die Schlagtechnik kann man kaum zu Hause üben, und die Fähigkeit, sich auf dem Court schnell vor-, rück- und seitwärts zu bewegen und sich zu orientieren, geht unweigerlich verloren", sagt Hauber. Nur Jogging und Fitnesstraining könne dies nicht kompensieren. Dass in Zeiten des Lockdowns auch im Sport die Kontaktmöglichkeiten eingeschränkt werden, ist für Hauber absolut nachvollziehbar. Wenn er der momentanen Situation überhaupt etwas abgewinnen kann, dann das: Drei seiner derzeit verletzten oder durch Krankheit zurückgeworfenen Stammspieler (Felix Hoffmann, Julian Edhofer und Kevin Feibicke) können die Spielpause nun immerhin nutzen, um sich vollends zu regenerieren.

Auch in Geretsried wurden alle Sporthallen gesperrt, wie Sascha Gnalian, Manager von Neubibergs Zweitligakonkurrent TuS Geretsried, berichtet. "Unsere Trainer bieten online ein Fitness- und Ausdauertraining für die Mitglieder an", sagt Gnalian. Es werde hierbei nicht nach Altersklassen oder Spielstärken differenziert, vielmehr wolle man "die ganze Breite abdecken". Gnalian hofft darauf, dass die bundeseinheitliche Regelung des Lockdowns regionale Unterschiede bezüglich der Dauer und der Härte der Maßnahmen diesmal verhindern wird. Dass sein Team erst Anfang September wieder in der Geretsrieder Halle trainieren durfte, habe Nachteile gegenüber den Zweitligavereinen anderer Bundesländer mit sich gebracht.

Falls die Saison tatsächlich wie vom DBLV geplant Anfang nächsten Jahres fortgesetzt werden kann, sieht Gnalian seine Mannschaft als Drittletzter in einer schwierigen Situation. "Wir haben gleich drei Ausländer, die aus Risikogebieten kommen", sagt er. Dazu kommt, dass Spitzenspieler Noah Gnalian sich gleich in der ersten Partie einen Achillessehnenriss zugezogen hat und lange ausfällt.

Der DBLV-Vorstand und der Spielausschuss wollen nun bis zum 1. Dezember Konzepte für die Fortsetzung des Spielbetriebs frühestens ab Januar 2021 erstellen und nach einer erneuten Anhörung der Vereine entscheiden, wie es weitergehen soll. "Unsere wichtigste Zielsetzung ist die Ermittlung von Meistern und Absteigern in allen Bundesligen, insbesondere des deutschen Mannschaftsmeisters 2021", heißt es in einer Pressemitteilung des Verbandes. Bis dahin bleibt Tobias Wadenka und den anderen nichts anderes übrig, als zu Hause auf Tag X zu warten - und sich auch mental fitzuhalten.

© SZ vom 05.11.2020
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