Badminton Versalzene Suppe

Der Aufsteiger TuS Geretsried unterliegt im Zweitliga-Derby gegen Neubiberg und rutscht tags darauf mit einer Niederlage in Dillingen auf den letzten Tabellenplatz ab. Favorit Neuhausen festigt dagegen die Tabellenführung.

Von Sebastian Hepp, Neubiberg

Badmintonbegegnungen und Kochwettbewerbe haben so manches gemeinsam. Bei den einen wie den anderen geht es darum, für das Menü des Tages erst einmal das geeignete Personal zu stellen. Dann muss die Mischung aus Kreativität, Leidenschaft und Durchhaltevermögen in der mitunter überhitzten Atmosphäre am Herd beziehungsweise auf dem Court stimmen, und an der richtigen Würze, gelegentlichen Überraschungen in der Geschmacksnote und der passenden Auswahl an Zutaten wie dem Teamgeist und der Unterstützung durch die eigene Fangemeinde sollte es auch nicht fehlen.

So gesehen hat Aufsteiger TuS Geretsried beim Zweitliga-Gastspiel gegen den TSV Neubiberg-Ottobrunn nicht viel falsch gemacht. Dass er am Ende in Abwesenheit seines bei der Junioren-WM in Kanada weilenden Großtalents Ann-Kathrin Spöri mit 1:6 unterging, war auch der größeren Erfahrung der Neubiberger geschuldet. Aber dann wäre da auch noch die nicht unwichtige Sache mit dem richtigen Rezept. Dieses fanden die Geretsrieder bei ihren Partien in der Halle an der Zwergerstraße meist nicht, aber auch die Gastgeber taten sich damit vereinzelt schwer. Im ersten Herrendoppel hatten die Neubiberger Martin Baatz Olsen und Lucas Böhnisch gegen Noah Gnalian und den irischen Nationalspieler Mark Brady nur in den ersten beiden Sätzen (12:10, 11:8) Probleme, in Durchgang drei (11:4) fanden Gnalian und Brady kein Mittel mehr gegen die immer dominanter werdenden Neubiberger. Ähnlich lief es im Damendoppel, in dem die Geretsrieder Paarung Michelle Deschle/Sarka Meier gegen Nicole Schnurrer und Helena Storch ebenfalls nur in den Sätzen eins und zwei (7:11, 7:11) mithalten konnten. Durchgang drei (3:11) ging schnell an die taktisch und spielerisch nun klar überlegenen Neubibergerinnen. Als anschließend das Dameneinzel aufgetischt wurde, fand der 19-jährige Neubiberger Zugang Pia Becher gegen die über 30-jährige Sarka Meier nach anfänglichen Schwierigkeiten die richtige Dosierung bei ihren Schlägen, und sie variierte deutlich mehr, auch beim Aufschlag. "Als ich sie mal mit langen hohen, mal mit kurzen Crossbällen immer öfter zum Laufen zwang, hat sie sich schwer getan", freute sich Becher nach ihrem 11:8, 15:14, 11:8-Erfolg - ihrem ersten im Einzel in der laufenden Saison.

Schaut mit Schlusslicht Geretsried nach den beiden Pleiten von diesem Wochenende zu allen anderen Zweitligisten auf: Noah Gnalian.

(Foto: Harry Wolfsbauer)

Das Duell der beiden Kontrahentinnen war nicht nur wegen ihres großen Altersunterschieds interessant, sondern auch deswegen, weil hier zwei Zweitligadebütantinnen mit ganz unterschiedlichem Karriereverlauf aufeinandertrafen: Meier, die erst vergangene Saison mit ihrem Team den lange ersehnten Aufstieg von der Regionalliga geschafft hatte. Und Becher, die frühere Jugendnationalspielerin, die sich nach zwei Kreuzbandrissen und einer einjährigen Rehaphase erst langsam wieder an ihre alte Form heranarbeitet.

Ihr Mannschaftskollege Julian Edhofer, 19, hatte dagegen im Spitzeneinzel gegen den wesentlich erfahreneren Mark Brady eher mit sich selbst zu kämpfen. Eigentlich war er mit dem Gefühl ins Spitzeneinzel gegangen, den irischen Nationalspieler schlagen zu können. Immerhin bilden Neubiberg und Geretsried mittwochs in Grünwald eine gemeinsame Trainingsgruppe, und da lernt man die Stärken und Schwächen der anderen ganz gut einzuschätzen. Doch gegen Brady ging Edhofer am vergangenen Samstag sichtlich ohne jedes Konzept zu Werke. Mit der Folge, dass ihm der solider und konstanter spielende Ire bei seinem klaren 11:6, 11:5, 11:8-Erfolg die Suppe gründlich versalzen hat. Es war der einzige Sieg für Geretsried an diesem Tag.

TSV Neuhausen gewinnt Spitzenspiel

München - Auf dem Weg zum Wiederaufstieg in die erste Liga hat der TSV Neuhausen-Nymphenburg wieder einen großen Schritt getan. Am Samstag bezwangen die Münchner den SV Fischbach mit 7:0. Der israelische Spitzenspieler Misha Zilbermann kam gegen Fischbachs Felix Hammes im Einzel erneut zu einem Sieg ohne Satzverlust, Kaja Stankovic besiegte Maria Boevska in vier Sätzen. Auch die Herren- und Damendoppel sowie das Mixed gingen an Neuhausen. Am Sonntag musste der Tabellenführer dann aber kämpfen für seinen 5:2-Erfolg im Spitzenspiel gegen den Zweiten Saarbrücken-Bischmisheim 2. Zilberman verlor im Doppel erstmals und rang im Einzel Simon Yang erst im fünften Satz nieder. Neuhausen hat nun schon acht Punkte Vorsprung auf Platz zwei. seba

Nach dem abschließenden 1:3 im Mixed

von Samuel Gnalian und Michelle Deschle gegen Neubibergs Nicole Schnurrer/Lucas Böhnisch kochte Gnalian vor Wut - und knallte zunächst seinen Schläger, später auch seinen Schuh auf den Boden. "Unser Maximalziel war eine 3:4-Niederlage", sagte Geretsrieds Trainer Johann Niesner enttäuscht. Und auch die Sonntagspartie gegen Schlusslicht Dillingen schmeckte ihm nicht: Sie endete überraschend klar 5:2 für Dillingen, was bedeutet, dass Geretsried nun Letzter ist.