Badminton Trio mit zwei Schlägern

Die Gnalian-Brüder Sascha, Noah und Samuel stehen für den Badminton-Zweitligisten TuS Geretsried - mit klar verteilten Rollen.

Von Sebastian Hepp, Geretsried

Es gibt Sportler, die jede Gelegenheit nutzen, um im Fokus der medialen Aufmerksamkeit zu stehen, die ihre Auftritte mitunter regelrecht inszenieren. Die aus Indien stammenden Brüder Sascha, Noah und Samuel Gnalian vom Badminton-Zweitligisten TuS Geretsried gehören nicht dazu. Selbst in jenen bislang eher seltenen Momenten, in denen sie in der zweiten Liga einen Sieg ihres Teams feiern können, nehmen sie sich nach dem Jubel über den Erfolg und über die für den Klassenerhalt so wichtigen Zähler schnell wieder zurück. Das war insbesondere nach dem kürzlich errungenen 4:3-Heimsieg gegen den TV Marktheidenfeld, einen Konkurrenten aus der oberen Tabellenhälfte, gut zu beobachten. "Business as usual" war dann gleich wieder angesagt: Netze abbauen, Matten, Stühle, Bänke, die elektronische Anzeigetafel wieder aus der Halle entfernen und im Geräteraum all das unterbringen, was dort hineingehört.

Noah Gnalian ist Einzelspezialist.

(Foto: Thomas Herrmann/oh)

Noch während er mit den Aufräumarbeiten beschäftigt war, analysierte Sascha Gnalian, 25, der älteste der drei Brüder und der Manager und Organisator im Team, die Partie sachlich und bar jeder Euphorie. "Dass wir mal eines der beiden Herrendoppel gewonnen haben und nicht gleich wieder mit 0:2 zurücklagen, hat uns auch mental einen Schub gegeben", sagte Gnalian. Das Lob galt nicht zuletzt seinem jüngsten Bruder Samuel, 18, der an der Seite des irischen Nationalspielers Mark Brady dank einer überragenden Leistung das Marktheidenfelder Spitzenduo Tim Specht/Christopher Ames mit 7:11, 11:4, 11:1 und 11:5 bezwungen hatte. "Das erste Doppel war heute sehr kompakt, die Gegner hatten keine Chance", zollte denn auch Geretsrieds neuer Trainer Johann Niesner seinem Schützling Respekt. Im Mixed setzte Samuel Gnalian an der Seite von Michelle Deschle dann noch eins drauf: Trotz eines 0:2-Satzrückstandes gewannen die Geretsrieder gegen Matthias Pröstler und Janina Schumacher, getragen von den sie frenetisch anfeuernden heimischen Fans, noch mit 9:11, 9:11, 12:10, 11:9 und 11:6 Punkten.

Samuel ist Doppel- und Mixed-Spezialist.

(Foto: oh)

Anders als in so manchen Zweitligabegegnungen zuvor ließ sich der jüngste der Gnalian-Brüder diesmal nicht durch eigene Fehler aus dem Konzept bringen oder durch kleine Störfaktoren von außen ablenken. Er und seine Partnerin behielten die Konzentration. Dieser Sieg, und auch der vorausgegangene Fünfsatzerfolg der deutschen U19-Meisterin, Jugend-Olympia- und WM-Teilnehmerin Ann-Kathrin Spöri gegen die deutsche U-22-Meisterin Brid Stepper hatten vor dem letzen und entscheidenden Herreneinzel eine Aufholjagd zum 3:3-Ausgleich bedeutet. Und nun kam Noah Gnalian, 21, ins Spiel. Er, der das Einzel als seine Lieblingsdisziplin bezeichnet ("da meine Ausdauer meine Stärke ist"), zeigte sich gegen Christopher Ames nicht nur kämpferisch und spielerisch, sondern auch mental von seiner besten Seite und stellte mit seinem 3:0-Sieg den 4:3-Gesamterfolg für den Aufsteiger sicher.

Sascha Gnalian, 25, ist der älteste und Oranisator im Team.

(Foto: oh)

Die Rollen der drei Gnalian-Brüder, die aus Indien stammen, sind im Geretsrieder Team klar verteilt: Sascha kümmert sich um alle organisatorischen Belange des Aufsteigers, wozu auch der in der zweiten Liga größer gewordene Aufwand für Reisen zu den Auswärtsspielen gehört. Noah, wie sein älterer Bruder Maschinenbaustudent, ist gerade dabei, seine Stärke im Einzel durch Einsätze gegen zweitligaerprobte Gegner weiter auszubauen. Und Samuel, der sich seine ersten Meriten in der Bezirksoberliga und der Bayernliga verdiente, entwickelt sich mehr und mehr zu einem Doppel- und Mixedspezialisten. Das ändert freilich nichts am Teamgeist der Familie, die im Jahr 2009 zum TuS Geretsried kam. Die Eltern und die drei Brüder stehen stellvertretend für das Engagement vieler Familien, Trainer und anderer Funktionsträger im Verein, dessen Badmintonabteilung 1970 von Oskar Artner gegründet wurde. "Badminton ist eine Individualsportart, trotzdem sind wir breitensportorientiert", betont Abteilungsleiter Uwe Eckhoff. Wie der langjährige Mannschaftstrainer Udo Lehmann, der nun Jungtalente im Verein betreut, stehen beim TuS insgesamt zehn aktive Trainer zur Verfügung. Vorrangiges sportliches Ziel bleibt es gleichwohl, sich in der zweiten Liga zu halten. "Wir brauchen nur noch ein wenig Zeit, um uns an das Niveau und auch an die Geschwindigkeit zu gewöhnen. Viele der bisherigen Begegnungen haben wir unglücklich verloren", kommentierte der angehende Abiturient Samuel Gnalian den Verlauf der Hinrunde, die sein Team als Vorletzter abschloss.

Nach dem ersten Rückrundenspieltag steht Geretsried nun mit fünf Punkten hinter dem TV Dillingen (sechs) auf dem letzten Platz, allerdings mit einem Spiel weniger, weil das Rückspiel in Marktheidenfeld zuletzt wetterbedingt ausgefallen war. "Ich glaube, es reicht, am Ende Vorletzter zu sein, um nicht abzusteigen. Ich bin optimistisch, dass wir das schaffen", sagt Trainer Niesner - wohl wissend, dass ihm die Leistungsträgerin Ann-Kathrin Spöri, die zurzeit in den Abiturvorbereitungen steckt, für die gesamte Rückrunde zur Verfügung stehen dürfte. An diesem Samstag (15 Uhr) empfängt der TuS übrigens den Tabellennachbarn Dillingen, und tags darauf (12.30 Uhr) im Derby gleich noch den Drittletzten Neubiberg.