Badminton Reifeprüfung

Jugendnationalspielerin Ann-Kathrin Spöri macht demnächst Abitur und verzichtet auf internationale Turniere.

(Foto: Badminton-Verband/oh)

Ann-Kathrin Spöri hat in diesem Jahr an den Olympischen Jugendspielen und an der WM teilgenommen. Für den TuS Geretsried ist die 17-Jährige in der 2. Bundesliga bereits ein entscheidender Faktor.

Von Sebastian Hepp, Geretsried

Man konnte den kleinen Unterschied nicht etwa an der größeren Schlaghärte, an besser platzierten Bällen oder der filigraneren Technik festmachen. Darin standen sich Ann-Kathrin Spöri und Brid Stepper, die sich zum Ergötzen des Publikums fünf Sätze lang auf hohem Niveau duellierten, in nichts nach. Am Ende waren es der größere Spielwitz und die Fähigkeit, die Gegnerin mit überraschenden Schlägen aus dem Konzept zu bringen, die die Geretsriederin Spöri mit einem verdienten 9:11, 12:10, 12:10, 9:11 und 11:5-Erfolg vom Platz gehen ließen. Der Mann am Mikrofon hatte das Kräftemessen zwischen Geretsrieds Aushängeschild Spöri (17), aktuelle deutsche Meisterin der Altersklasse U19 und in diesem Jahr auch Teilnehmerin an den Olympischen Jugendspielen sowie der Jugend-Weltmeisterschaft, und Stepper, der deutschen Meisterin U 22 und Spitzenspielerin des TV Marktheidenfeld, als das "eigentliche Schmankerl" dieser Begegnung in der zweiten Badminton-Bundesliga angekündigt.

Spöri agiert auf dem Court mittlerweile deutlich cleverer als früher

Und Spöris Sieg wurde in der Tat mitentscheidend für den 4:3-Heimerfolg der Geretsrieder, die zum Abschluss der Hinrunde damit immerhin den vorletzten Platz vor dem punktgleichen TV Dillingen erobern konnten. Spielt sie oder spielt sie nicht? Nur daran die Siegchancen des Aufsteigers aus dem Landkreis Bad Tölz-Wolfratshausen festzumachen, würde dem inzwischen zweitligatauglichen Niveau des Teams freilich nicht gerecht. Denn neben Spöri setzen mittlerweile auch einige Teamkollegen mitunter Glanzlichter. So schalteten Geretsrieds irischer Spitzenspieler Mark Brady und Samuel Gnalian im ersten Herrendoppel dank einer konzentrierten Leistung die Marktheidenfelder Paarung Tim Specht/Christopher Ames relativ klar mit 7:11, 11:4, 11:1 und 11:5 aus. Samuel Gnalian und Michelle Deschle konnten kurz darauf auch das fast schon verloren geglaubte Mixed gegen Matthias Pröstler/Samuel Schumacher, frenetisch angefeuert von den heimischen Fans, noch knapp zu ihren Gunsten wenden (9:11, 9:11, 12:10, 11:9, 11:6). Insbesondere Gnalian zollte Geretsrieds Trainer Johann Niesner für seine herausragende Leistung an diesem Tag ein großes Lob. Selbiges verdiente sich auch sein älterer Bruder Noah Gnalian, der im abschließenden zweiten Herreneinzel beim Gesamtstand von 3:3 die Nerven behielt, mit seinem Sieg gegen Christopher Ames (11:7, 11:9, 13:11) avancierte er gar zum Matchwinner. "Wir sind in der zweiten Liga angekommen und können bis auf Neuhausen wohl jedes Team schlagen", gab sich Geretsrieds Teammanager Sascha Gnalian selbstbewusst. Und: "Wir haben viele enge Partien unglücklich verloren, jetzt sind wir endlich einmal belohnt worden", ergänzte Noah Gnalian.

Und doch wissen sie im Team des TuS, dass Siege in der Rückrunde und damit der anvisierte Klassenerhalt am Ende entscheidend von der Anzahl der Einsätze von "Aushängeschild" Ann-Kathrin Spöri abhängen werden. Die Jugendnationalspielerin hat bei ihren Reisen zu den Jugendspielen in Buenos Aires und zur WM in Kanada nach eigenen Worten "sehr viel mitgenommen". Besonders ihre spielerische Bandbreite und insbesondere "die Cleverness auf dem Court" könne sie als neues Plus verbuchen. Was die internationalen Turniereinsätze betrifft, werde sie "in nächster Zeit eine Pause machen", berichtet Spöri. Der Grund? "Das Abitur steht bald an und ich muss drei Monate verpassten Stoff nachholen", erklärt die 17-Jährige.

Dass Spöri gleichwohl angekündigt hat, sämtliche Rückrundenspiele für Geretsried zu bestreiten, dürften ihre Mannschaftskollegen mit Freude vernommen haben. Denn schafft Geretsried den Klassenerhalt, dann wird Spöri, die dem Vernehmen nach inzwischen Angebote von Erstligavereinen hat, ihrem Team vielleicht noch eine weitere Saison erhalten bleiben. Bereits jetzt ist die Siebzehnjährige dabei, ihren Schwerpunkt mehr und mehr auf die Erwachsenenturniere zu richten. "Ich trainiere jetzt viel am Erwachsenenstützpunkt in Mülheim an der Ruhr", berichtet sie. Ihre nächsten Ziele hat Ann-Kathrin Spöri sich auch schon gesetzt: "Ich will bei den Erwachsenen bald zu den Top fünf in Deutschland gehören und auf nationaler Ebene irgendwann die Nummer eins werden", sagt sie.

Ihre Jugendträume konnte sie in diesem Jahr bereits verwirklichen: Die Teilnahme an Olympia und der WM sei "das Tollste gewesen, was ich im Badminton bisher erlebt habe", schwärmt sie.