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Badminton:Lieber ganz als gar nicht

Sie hat wieder Feuer gefangen: Tanja Eberl (vorne, hier im Doppel mit Michaela Hukriede) hat bei der Weltmeisterschaft im polnischen Kattowitz im Einzel Bronze gewonnen.

(Foto: Pascal Histel/oh)

Nach zwölf Jahren Pause und trotz Arthrose ist Tanja Eberl in den Badmintonsport zurückgekehrt - und gewinnt dort nun WM-Medaillen.

Es kommt nicht oft vor, dass eine Sportlerin im zweiten Anlauf ihrer Karriere - und dann auch noch nach zwölfjähriger Pause - größere Erfolge erzielt als in ihren jungen Jahren. Die 52-jährige Badmintonspielerin Tanja Eberl vom TSV Neubiberg/Ottobrunn ist also eine Ausnahme. Bei den jüngsten Weltmeisterschaften im polnischen Kattowitz hat sie im Einzel Bronze geholt, im Doppel erreichte sie mit Michaela Hukriede das Viertel-, im Mixed mit dem Zittauer Holger Wippich das Achtelfinale - das Ganze in der Altersklassen der Über-50-Jährigen. Auch da gibt es immer noch reichlich Konkurrenz. "Mit über 1500 Teilnehmern war das Turnier das größte jemals ausgerichtete Badmintonturnier weltweit", weiß sie.

Ihr Weg führte im Einzel über Siege gegen die Engländerin Olga Bryant, die Französin Pascale Valdenaire und die Norwegerin Berit Thyness, er endete im Halbfinale mit einer 0:2-Niederlage gegen die Engländerin Caroline Hale. Nun ist es keineswegs so, dass Tanja Eberl in früheren Jahren nichts erreicht hätte im Badminton: Die aus Böblingen stammende Spielerin war 15 Jahre lang in der zweiten Liga aktiv, erst für Sindelfingen, dann in ihrer Wahlheimat München für den TSV Neuhausen-Nymphenburg. Bis sie im Alter von 32 Jahren "schwere Knieprobleme" bekam. Eine Arthrose, die eine Operation erforderte, bedeutete das vorläufige Aus, an weitere Einsätze auf diesem Niveau war in einer körperlich so fordernden Sportart nicht zu denken. "Hinzu kam, dass meine beiden Kinder Paul und Lina noch klein waren", erinnert sich Eberl, und weil ihre Devise sei, Dinge "entweder ganz oder gar nicht" zu machen, hörte sie auf mit dem Badminton.

Dem Sport blieb sie auf andere Weise treu, als Online-Redakteurin bei Sport 1, fit hielt sie sich mit Karatetraining. Dass Tanja Eberl vor neun Jahren wieder zum Badminton zurückkehrte, daran ist nach ihren Worten ihr Sohn Paul schuld, der an einem Schnuppertraining teilnehmen wollte. Der nächste größere Verein von ihrem Wohnort Egmating im Landkreis Ebersberg aus sei der TSV Neubiberg/Ottobrunn gewesen, also fuhren sie dorthin, und natürlich griff auch sie selbst zum Schläger, nach zwölf Jahren Pause. Dieses eine Mal habe gereicht, "um sofort wieder Feuer zu fangen". Was bedeutete: viel Trainingsaufwand, Disziplin und eine Umstellung ihrer Ernährung. Wegen der Arthrose ließ sie alle säurehaltigen Lebensmittel weg, ernährte sich nur noch "basisch", denn Säure "frisst den Knorpel auf und sorgt für viele Entzündungen im Körper", weiß Eberl heute. Ein Osteopath half die Knieprobleme in den Griff zu bekommen, und im Fitnessstudio des WSV Glonn kümmerte sich der Athletiktrainer Sylvester Neidhardt um Kraft- und Sprungtraining sowie um ihre mentale Schulung.

Einige Male hat sie schon mit ihrer Tochter Lina in der Bayernligamannschaft gespielt

Wenn Tanja Eberl etwas macht, dann richtig, deshalb sieht ihr Trainingspensum nun pro Woche drei bis vier Kraft-, Athletik- und Yoga-Einheiten vor, dazu wöchentlich vier Einheiten Badminton, oft gemeinsam mit der Zweitligamannschaft ihres Klubs unter Leitung des langjährigen Leistungsträgers Michael Hauber. Da zählen dann auch Youngsters wie Julian Edhofer, Kevin Feibicke oder Pia Becher zu ihren Trainingspartnern, natürlich auch Aktive aus der zweiten und dritten Mannschaft. "Dass ich soviel Unterstützung im Verein erfahre, ist ein Glücksfall", findet sie, wobei das auch "ein Geben und Nehmen" sei: So biete sie den Jüngeren an, sie speziell in puncto Technik zu verbessern. Auf diese Weise entdeckte sie auch das aus Indien stammende Talent Shaunak Kulkarni, den sie bis dessen zwölftem Lebensjahr unter ihre Fittiche nahm. In Neubibergs Bayernliga-Mannschaft kommt sie auch selbst zum Einsatz, einige Male hat sie dort nun schon gemeinsam mit ihrer Tochter Lina gespielt. Und ab und zu hilft sie auch in der Regionalliga aus.

Woher sie die Motivation nimmt für all das Training und die Reisen zu internationalen Turnieren? Und für das Ankämpfen gegen die Erkenntnis, dass man in ihrer Altersklasse doch "jedes weitere Jahr merkt", wie sie einräumt? "Mich spornt an, wie ich mich auch in diesem Alter noch verbessern und das Optimale aus mir herausholen kann", erklärt sie, "in puncto Technik, aber auch mental. Ich sehe das Ganze als ein großes Abenteuer." Sie mag auch die Kontakte, die sich ergeben, wenn man sich bei internationalen Turnieren für Doppel oder Mixed zusammentut. Es gibt sogar einen Sponsor, der zumindest gelegentlich schon für Flugreisen aufkam, den Großteil ihrer Reisekosten muss sie freilich selbst übernehmen. "Das geht alles schon ins Geld", sagt sie.

Vor etwa vier Jahren fing Tanja Eberl an mit den internationalen Seniorenturnieren, ihr bislang größter Erfolg war vor zwei Jahren der Gewinn der Silbermedaille im Einzel und Doppel bei den Weltmeisterschaften in Cochin, Indien . "Meine eigentliche Stärke ist das Einzel", sagt sie. "Ich laufe sehr gerne und sehr viel." Ihr "ganz großes Ziel" sind die World Masters Games, eine Art "Olympische Spiele für Alte", wie sie scherzhaft sagt. 2021 finden die nächsten statt, in Kansai, Japan. Bis dahin bleibt noch etwas Zeit.