Badminton Krönender Abschied

Gemeinsam stark: Im Hin- und Rückspiel gegen Leipzig holen Ann-Kathrin Spöri (links) und Michelle Deschle das Frauendoppel nach Geretsried.

(Foto: Hartmut Pöstges)

Geretsrieds Badmintonteam steigt in die zweite Liga auf - aber ohne seine Nummer eins, den Malaysier Allan Tai.

Von Sebastian Hepp, Geretsried

Vergangene Saison waren sie beim Versuch, den Sprung in die zweite Badminton-Bundesliga zu schaffen, äußerst knapp gescheitert. Doch am vergangenen Wochenende, bei den beiden Relegationsspielen gegen die HSG DHfK Leipzig, wurden die Anstrengungen des TuS Geretsried belohnt. Der Meister der Regionalliga-Staffel Südost Süd setzte sich beim Meister der Staffel Südost Ost nach etwas holprigem Start zunächst mit 5:3 durch, tags darauf beim Rückspiel ließen die Geretsrieder vor heimischem Publikum einen nie gefährdeten 6:2-Sieg folgen.

Wie schon im Hinspiel steuerten erneut Jugendnationalspielerin Ann-Kathrin Spöri, 17, und der Malaysier Allan Tai ihre Punkte im Einzel bei, auch Spöri und Michelle Deschle im Damendoppel konnten ihre Partien wieder für sich entscheiden. Hinzu kamen diesmal auch noch die Siege der beiden Herrendoppel Noah und Samuel Gnalian sowie Tai Allan und Sebastian Keller, die ihre Auftaktpartien am Samstag in Leipzig noch jeweils in drei Sätzen verloren hatten. Im Mixed dagegen konnten Sarka Meier und Mannschaftsführer Sebastian Keller ihren Erfolg vom Samstag nicht wiederholen, auch das dritte Herreneinzel ging diesmal verloren. Pit Hoffmann, mit seinen zwei Siegen erfolgreichster Akteur der Leipziger, konnte den Erfolg der Gastgeber nicht mehr verhindern.

Allan Tai kehrt in seine Heimat zurück, Ann-Kathrin Spöri bleibt ihrem Heimatklub weiter treu

"Nach den Auftaktsiegen unserer Doppel war ein bisschen der Nervenkitzel raus", erzählt Udo Lehmann, der Coach und langjährige Trainer des TuS Geretsried. Der tollen Stimmung in der Halle habe das aber keinen Abbruch getan. Der TuS Geretsried hat eine lange Badminton-Tradition, mit der zweiten Liga betritt er nun aber Neuland. Und das will er mit seinen bisherigen Stammkräften machen, die im Schnitt 20 Jahre jung sind - Sarka Meier und Sebastian Keller ragen mit 37 beziehungsweise 31 Jahren deutlich heraus. Zur Freude des Teams bleibt auch Ann-Kathrin Spöri der Mannschaft als Leistungsträgerin und Identifikationsfigur erhalten. "Sie darf auch in Zukunft ihre Priorität auf Einzelturniere und auf ihre Karriereziele legen, wir sind froh, wenn sie uns zumindest bei einigen unserer Zweitligabegegnungen unterstützen wird", sagt Lehmann. Vorrang für Spöri habe in nächster Zeit die Jugendolympiade in Buenos Aires, für die sie sich aller Voraussicht nach bereits qualifiziert hat. Natürlich ist Lehmann bewusst, dass Spöri "Angebote von Erstligavereinen vorliegen", wie er hinzufügt.

In die Aufstiegseuphorie mischt sich bei ihm allerdings ein Wermutstropfen: Wie inzwischen feststeht, wird Allan Tai, die Nummer eins bei den Männern, den Klub verlassen. Der 39-Jährige will die Gelegenheit nutzen, in seiner Heimat Malaysia als Berufstrainer zu arbeiten. Ein entsprechendes Angebot habe er inzwischen angenommen. "Er hat ein Jahr lang für uns gespielt und war ein Glücksgriff für uns", sagt der Coach. Man sei sich jedoch klar darüber gewesen, dass Tai dem Verein nur vorübergehend zur Verfügung stehen werde.

Selbst wenn der Malaysier dem Team erhalten geblieben wäre, wäre es der Geretsrieder Badmintonabteilung wohl nicht erspart geblieben, sich für die zweite Liga mit einem weiteren Doppelspieler zu verstärken, oder aber den Trainingsaufwand der vorhandenen Paare deutlich zu erhöhen. Denn die Herrendoppel sind, das wurde besonders im ersten der beiden Aufstiegsspiele gegen Leipzig offenkundig, "bislang der Schwachpunkt im Kader", wie auch Teammanager Sascha Gnalian, 25, konstatiert, der ältere Bruder von Noah und Samuel Gnalian. Während Spöri im Bundesstützpunkt in Mülheim trainiert, können die meisten ihrer Geretsrieder Mitspieler ihre Einheiten nur einmal in der Woche am Stützpunkt in Grünwald absolvieren. "Man müsste für sie noch eine weitere Halle finden oder ihnen zumindest noch zusätzliche starke Trainingspartner zur Verfügung stellen", erklärt Gnalian.

Nicht die einzige neue Herausforderung: Auch über zusätzliche Sponsorenmittel müssen sie sich dringend Gedanken machen. "Die Reisekosten in der zweiten Liga werden steigen." Und das Geld nur in Marketingmaßnahmen wie zum Beispiel Banner zu stecken, "wird nicht mehr ausreichen", befürchtet er.