Badminton Heißer Tanz

Frohnatur mit Leggins: Im ersten Spiel hatte Geretsrieds neue Nummer eins Mark Brady mit seiner Nervosität zu kämpfen, das zweite gewann er.

(Foto: Harry Wolfsbauer)

Zweitliga-Aufsteiger Geretsried und Neubiberg verlieren. Nur Neuhausen gewinnt souverän und ist durch zwei Siege unangefochtener Spitzenreiter.

Von Sebastian Hepp, Geretsried

Der irische Nationalspieler Mark Brady hat eigentlich die Statur eines Balletttänzers. Groß gewachsen und von eher grazilem Körperbau, gelingt es ihm, dem Ball auch bis in die entferntesten Ecken des Courts hinterherzujagen, ohne dabei eine gewisse Eleganz vermissen zu lassen. Die beinlangen schwarzen Leggings, die er zusätzlich zu seinen Shorts trägt, verstärken diesen Eindruck noch. Vermutlich hätte der Dubliner beim Zweitligadebüt seines neuen Vereins TuS Geretsried seinen Gegner Matthias Deininger im Spitzeneinzel gerne "ausgetanzt", doch auf der anderen Seite des Netzes stand ihm ein nicht minder ausgefuchster Stammspieler des vielfachen deutschen Meisters 1. BC Saarbrücken-Bischmisheim gegenüber.

Und Deininger konterte die filigranen, kurz cross gesetzten Bälle des 23-jährigen Iren meist seinerseits mit gut platzierten Crossbällen. Dann wieder lieferten sich beide Spieler Duelle mit langen, hohen Bällen, bei denen mal der eine, mal der andere den Luftraum beherrschte. Dass Brady die ersten beiden Sätze mit 8:11 und 7:11 verlor, war nicht zuletzt seiner Nervosität geschuldet, wie er hinterher bekannte. Als der Ire Durchgang drei mit 11:4 für sich entscheiden konnte, glaubten die für eine Zweitligapremiere nicht eben zahlreichen Zuschauer in der Geretsrieder Schulturnhalle die Wende zu erleben. Und Brady blieb dran, bis zum 13:12 in Satz Nummer vier hatte er leicht die Nase vorn. Doch dann drosch er einen vermeintlich kinderleichten Smash ins Netz und machte danach zwei weitere vermeidbare Fehler in Folge: Das 13:15 besiegelte seine Viersatzniederlage und zugleich die 4:0-Führung für Bischmisheim.

Der in Dublin lebende, fröhliche Brady führte seine Nervosität, die er auch schon im Doppel an der Seite von Sebastian Keller gezeigt hatte, teils auf die längere Unterbrechung seiner Turniereinsätze wegen einer Hüftverletzung zurück (deretwegen er auch die Leggings trägt). Teils müsse er sich aber auch noch an den Zählmodus in der deutschen zweiten Liga gewöhnen, in der die Sätze jeweils nur bis elf und nicht, wie er es kenne, bis 21 gingen. Brady ist jedoch zuversichtlich, dass er in seinem neuen Team, in dem er sich "sehr willkommen" und "freundschaftlich aufgenommen" fühlt, schon bald seine Klasse wird zeigen können.

Bei Sarka Meier, die für Geretsried im Einzel gegen die Bischmisheimerin Ann-Katrin Hippchen antrat (5:11, 8:11, 6:11), war es vor allem "der Respekt vor der Gegnerin", der sie hemmte. "Es ist schon etwas Neues für mich, gegen eine so gute Spielerin wie Hippchen antreten zu dürfen", übte sie sich fast schon in Demut. Mit etwas mehr Coolness und Fortune bei den entscheidenden Punkten hätten die Brüder Noah und Samuel Gnalian gegen die Bischmisheimer Paarung Deininger/Petry durchaus gewinnen können. Am Ende scheiterten sie aber knapp mit 8:11 im fünften Durchgang. Und auch das Damendoppel Michelle Deschle/Sarka Meier sowie das Mixed Deschle/Samuel Gnalian waren bei ihren Viersatzniederlagen nicht ohne Siegchance. Allein Noah Gnalian kam im zweiten Herreneinzel gegen Matthias Petry zu einem 11:9, 11:7, 11:8-Erfolg.

"Unsere Spieler müssen sich an das deutlich höhere Tempo in der zweiten Liga erst noch gewöhnen", konstatierte Geretsrieds Teammanager Sascha Gnalian nach der 1:6-Niederlage seines Teams. Geretsrieds neuer Trainer Johann Niesner war mit dem Resultat angesichts der Klasse des Gegners und des Fehlens von Jugendnationalspielerin Ann-Kathrin Spöri, die derzeit bei den Jugendeuropameisterschaften in Estland spielt, "sehr zufrieden". Andererseits seien auch bei Bischmisheim nicht alle Stammspieler an Bord gewesen, weshalb die Chance, gegen das Team zumindest einen Punkt mitzunehmen, "an keinem Spielwochenende mehr größer sein wird als an diesem".

Ein gewisser Trost mag für Niesner sein, dass Neubiberg am Sonntag ebenfalls klar (2:5) gegen Bischmisheim verlor und Geretsried beim 2:5 gegen Fischbach (da gewann Brady sein Einzel in vier Sätzen) bereits eine Aufwärtstendenz erkennen ließ. Der Tabellenletzte Geretsried und der Vorletzte Neubiberg (nach einem 2:5 gegen Fischbach) stehen nach dem ersten Spielwochenende noch ohne Punkte da. Unangefochtener Spitzenreiter durch zwei 7:0-Siege gegen Jena und Dortelweil ist ihr Lokalrivale, der Erstligaabsteiger Neuhausen-Nymphenburg.