Badminton Eisern ohne Reserve

Trotz eines bedrohlich schlechten Starts lässt Zweitligist Neubiberg seinem jungen Team Zeit. Zum Lohn gibt es den ersten Saisonsieg.

Von Sebastian Hepp, Neubiberg

Nach fünf Spieltagen nur zwei Punkte auf dem Konto, 27 verlorene bei nur acht gewonnenen Matches - man kann sich nicht erinnern, dass der TSV Neubiberg-Ottobrunn jemals so schlecht in eine Saison der zweiten Badminton-Bundesliga gestartet wäre. Reihte sich das 0:7 vom vergangenen Samstag gegen den unangefochtenen Tabellenführer TSV Neuhausen-Nymphenburg noch nahtlos in die Negativbilanz aller bisherigen Gegner des erstligatauglichen Lokalrivalen ein, so schmerzte speziell die 0:7-Klatsche gegen die SG Schorndorf aus der Vorwoche doch sehr, wie Teammanager Hubert Hauber einräumt. "Schorndorf war in den vergangenen Jahren meist einer unserer Konkurrenten um einen Platz im gesicherten Mittelfeld, mit einer solchen Klatsche haben wir nicht gerechnet", konstatiert er.

Schon die ersten Begegnungen gegen den 1. BC Bischmisheim und den SV Fischbach (jeweils 2:5) seien "etwas unglücklich" gelaufen, "wir haben mögliche Punkte liegenlassen", urteilt Hauber. Erst am vergangenen Sonntag im Heimspiel gegen Dillingen gelang Neubiberg nun ein knapper 4:3-Erfolg, der erste Saisonsieg.

Muss man beim Zweitligisten also von einer handfesten Krise sprechen, gar von Abstiegsängsten? "Nein", entgegnet Teammanager Hauber, "das wäre nur dann der Fall, wenn alle Niederlagen für uns überraschend gekommen wären." Aber das sei nicht der Fall. "Wir wollen unseren jungen Spielerinnen und Spielern eine Chance geben und sind bewusst das Risiko eingegangen, dass sie den Klassenerhalt in dieser Saison nicht schaffen werden", erläutert Hauber. Zwar habe er gehofft, dass sich die 18-jährigen Julian Edhofer, Kevin Feibicke und Pia Becher schneller an das Niveau der zweiten Liga gewöhnen würden, "doch wir haben eingesehen, dass sie offenbar noch ein wenig Zeit brauchen, um mit dem deutlich höheren Tempo im Vergleich zur Regionalliga zurechtzukommen".

„Nerven behalten“: Kevin Feibicke sicherte den ersten Saisonsieg.

(Foto: Robert Haas)

Anstatt nun reflexhaft ehemalige bewährte Zweitligakräfte wie Gregory Schneider, Benjamin Placzek oder Julia und Michael Hauber aus dem Regionalligateam in die erste Garnitur zurückzubeordern, will die Badmintonabteilung des TSV sich in Geduld üben und weiterhin auf ihre Jugend bauen. "Uns geht es nicht primär darum, uns in der zweiten Bundesliga zu halten, sondern vielmehr darum, mit einem guten Schüler- und Nachwuchskonzept vernünftige Spieler auszubilden." Die etwa 40 Kinder und Jugendlichen des TSV werden von insgesamt sechs Trainern betreut (unter ihnen die erfolgreiche Neubiberger Seniorenspielerin Tanja Eberl). "Aus dieser breiten Basis dann zwei 15- bis 17-Jährige mit dem Potenzial für die zweite Bundesliga auszuwählen, das ist unsere Philosophie", konkretisiert Hauber. Beispielhaft dafür erwähnt er den 15-jährigen Julian Blaumoser, der in der Zweitligapartie gegen Fischbach bereits im Doppel eingesetzt wurde.

An Julian Edhofer und Kevin Feibicke war bei ihren Einzelsiegen gegen Dillingen bereits eine deutliche Aufwärtstendenz zu beobachten gewesen. "Julian hat an Stabilität gewonnen und seine Konzentrationsschwäche in kritischen Situationen ablegen können", lobt Hauber. Und auch Feibicke habe beim Zwischenstand von 3:3 "die Nerven behalten" und mit einem Fünfsatzerfolg den Gesamtsieg sichergestellt.

Die Talente sollen also Zeit bekommen - zumindest vorerst: "Wenn alle Stricke reißen, stehen Gregory Schneider oder Benjamin Placzek in der Rückrunde bereit, um der ersten Garnitur zu helfen", stellt Hauber fest. Er registriert, dass sich fast alle Zweitligisten in dieser Saison mit Akteuren verstärkt haben, denen sein junger Kader kaum Paroli bieten könne. So verpflichtete Schorndorf etwa die deutsche Jugendnationalspielerin Miranda Wilson. Und Mannschaften wie Bischmisheim und Dortelweil könnten bei Bedarf Kräfte aus ihren Erstligakadern einsetzen.

Zweitligist Geretsried ist zweimal ohne Chance

Viel hatte der TuS Geretsried nicht erwarten dürfen für das zurückliegende Wochenende in der zweiten Badminton-Bundesliga. Ohne seine beste Frau Ann-Kathrin Spöri war der Aufsteiger am Samstag zu Gast beim Tabellendritten Schorndorf, tags darauf empfing er den Aufstiegstopfavoriten Neuhausen - die beiden 0:7-Niederlagen kamen da nicht unbedingt überraschend. Nur drei von 24 Sätzen eroberten die Geretsrieder am Sonntag vor eigenem Publikum. Die ganze Unterlegenheit spiegelte sich im Männer-Spitzeneinzel, in dem Mark Brady Misha Zilberman 9:11, 4:11 und 2:11 unterlag. Am Tag zuvor hatte Brady immerhin noch die einzige Fünfsatzpartie in Schorndorf bestritten (die er 9:11 im Entscheidungsdurchgang gegen David Kramer verlor). Die kommenden Gegner dürften etwas angreifbarer werden. Wie oft Spöri künftig zum Einsatz kommt, ist laut Abteilungsleiter Uwe Eckhoff dagegen "nicht absehbar". Zurzeit tritt die 17-Jährige in Buenos Aires bei den Olympischen Jugendspielen an, wo sie in ihrer Vorrundengruppe nach einem Auftaktsieg gegen die Schwedin Ashwathi Pillai der Indonesierin Maharani Batani unterlag. Andreas Liebmann

In Routinier Felix Hoffmann, 37, steht auch Neubiberg immerhin noch ein wichtiger Spieler zur Verfügung, der den Nachwuchskräften mit Rat und Tat (auch in seiner Eigenschaft als Trainer) helfen kann. Hoffmann wurde kürzlich bei der Europameisterschaft Zweiter der Seniorenklasse O 35 im Mixed, ist derzeit jedoch verletzt. "Wir gehören zusammen mit Geretsried und Dillingen sicher zu den Abstiegskandidaten", so viel ist Hauber klar. "Aber die Saison ist noch lang, erst im Januar wird man mehr sagen können."