Badminton Ein Schritt vor, ein Schritt zurück

Starke TuS-Frauen: Michelle Deschle (l.) und Ann-Kathrin Spöri gewinnen ihre beiden Damendoppel.

(Foto: Harry Wolfsbauer)

Der Zweitliga-Aufsteiger Geretsried gewinnt das Kellerduell, unterliegt aber tags darauf im Derby.

Von Sebastian Hepp, Geretsried

Eine sehr gemischte Bilanz zog das Badmintonteam des TuS Geretsried an seinem Heimspielwochenende. Die Bewährungsprobe am Samstag gegen den TV Dillingen, ihren direkten Konkurrenten um den vorletzten und möglicherweise rettenden Tabellenplatz, hatten die Geretsrieder, die heuer erstmals in der zweiten Liga vertreten sind, dank eines überzeugenden Auftritts insbesondere der Frauen mit 4:3 gewonnen. Entscheidend waren drei Fünfsatzsiege: von Ann-Kathrin Spöri und Michelle Deschle im Damendoppel, von Mark Brady gegen Florian Berchtenbreiter im ersten Herreneinzel und von Deschle und Samuel Gnalian im Mixed.

Tags darauf wurden im Derby gegen den Drittletzten TSV Neubiberg/Ottobrunn die Karten dann freilich neu gemischt. Und hier zeigte sich, dass nicht jeder im Geretsrieder Team so befreit aufspielte, wie es der Sieg vom Vortag vielleicht hätte erwarten lassen. So hatte der irische Nationalspieler Brady im Spitzeneinzel gegen den Neubiberger Julian Edhofer bei 10:8-Führung im fünften Satz den Sieg bereits vor Augen, doch dann unterliefen ihm drei unnötige Fehler hintereinander. Edhofer nutzte gleich seine erste Chance zum Satz- und Matchgewinn. Noch lange danach saß Brady mit versteinertem Gesicht alleine auf einem Stuhl am Spielfeldrand, mehr als Blicke des Bedauerns wurde ihm in dieser Phase von seinen Mannschaftskollegen nicht zuteil.

Niederlagen machen einsam, und die von Brady war für sein Team besonders ärgerlich, hatte er über längere Strecken diese Partie doch dominiert. Aber dann passierte das, was dem Iren schon öfter zum Verhängnis wurde: Er spielt mitunter zu ausrechenbar für seine Gegner, taktische Varianten sind nicht seine Domäne. Das hatte auch Edhofer bemerkt, der nach den beiden verlorenen Sätzen erkannte, dass nicht lange Bälle bis an die Grundlinie, sondern defensivere, kontrolliertere Schläge gegen Brady zum Erfolg führen würden. "Ich habe bei meinen zwei Matchbällen im fünften Satz zu viel riskiert, anstatt die Bälle erst mal reinzuspielen", übte der noch sichtlich geschockte Brady Selbstkritik.

Ganz anders war die Ausgangsposition der Neubibergerin Pia Becher im Dameneinzel gegen die deutsche U-19-Meisterin Ann-Kathrin Spöri. Die 19-jährige Becher, die mit Spöri eine Zeit lang am Stützpunkt in Mülheim trainiert, aber durch mehrere Kreuzbandrisse den Anschluss an die Spitze verloren hatte, wusste von vorneherein, dass sie gegen die Geretsriederin kaum eine Chance haben würde. So war es dann auch, beim 4:11, 1:11 und 4:11 aus Bechers Sicht agierte Spöri einfach schneller, sicherer und variantenreicher. "Ich bin überhaupt nicht ins Match reingekommen", resümierte Becher anschließend und wirkte in diesem Moment nicht weniger einsam als Brady. Die Fünfsatzniederlage von Noah Gnalian gegen den groß gewachsenen Neubiberger Kevin Feibicke besiegelte aber schließlich das 2:5-Gesamtergebnis. "Neubiberg war der verdiente Gewinner", sagte Geretsrieds Trainer Johann Niesner. "Bei einem Sieg von Mark Brady hätten wir jedoch ein 3:4 schaffen und damit wenigstens einen Punkt holen können."

Neubiberg hat sich trotz seiner 3:4-Niederlage vom Samstag gegen Marktheidenfeld mit dem Erfolg gegen Geretsried auf den sechsten Tabellenplatz katapultiert und mit inzwischen zwölf Punkten nun einen großen Schritt in Richtung Klassenerhalt gemacht. Geretsried ist als Vorletzter nun auch vom souveränen Tabellenführer Neuhausen-Nymphenburg abhängig: Nur wenn die Münchner den Wiederaufstieg in die erste Liga schaffen, würde auch der vorletzte Platz zum Verbleib in der zweithöchsten Liga reichen.