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Badminton:Ein Abbruch und seine Folgen

Fast wie ein dritter Zugang: Auch die Genesung von Przemyslaw Szydlowski soll dem TSV Neuhausen zu neuer Doppelstärke verhelfen.

(Foto: Claus Schunk)

Neuhausen bleibt Erstligist und verstärkt sich prominent, Geretsried dürfte als Meister in Liga zwei zurückkehren.

Manchmal kommen einem in Krisenzeiten Umstände zu Hilfe, mit denen niemand gerechnet hat. "Wo aber Gefahr ist, wächst das Rettende auch", heißt es in der Hymne "Patmos" von Friedrich Hölderlin. Dem Badminton-Erstligisten TSV Neuhausen-Nymphenburg ist, wenn man es so pathetisch ausdrücken will, zuletzt gleich aus mehreren Richtungen Rettung zuteil geworden, zumindest in sportlicher Hinsicht. Schon vor der Corona-Krise hatte der abgeschlagene Tabellenletzte erfahren, dass er wegen des Rückzugs des TSV Freystadt aus der ersten Liga an der für April geplanten Playoff-Runde teilnehmen dürfe. Inzwischen hat der Deutsche Badminton-Verband die Saison wegen der Pandemie für vorzeitig beendet erklärt, auch die Relegation wird nicht mehr stattfinden. Sie ist ohnehin überflüssig geworden, seit nun auch der 1. BV Mülheim seinen Rückzug aus der ersten Liga verkündet und aus der Nordgruppe der zweiten Liga niemand Aufstiegsinteresse angemeldet hat. Neuhausen darf deshalb nun seinen Erstliga-Platz behalten, aus dem Süden steigen die zweitplatzierte SG Schorndorf und auch der Vierte, der SV GutsMuths Jena, ins Oberhaus auf.

Die Chancen für den TSV Neuhausen stehen nun gar nicht schlecht, dass ihm der Klassenerhalt kommende Saison nicht erst am Grünen Tisch wie bis dato gelingt, sondern im sportlichen Wettstreit. Wie Teammanager Philipp Blonck stolz bekannt gibt, hat sich der TSV mit zwei hochkarätigen Spielern für die bisherige Achillesferse im Kader, die beiden Herrendoppel, verstärkt. So sind der ehemalige deutsche Nationalspieler Oliver Roth und der frühere dänische Nationalspieler Rasmus Bonde, beide 33 und zuletzt für Freystadt aktiv, "bereits für den TSV Neuhausen gemeldet". Beide gehörten in ihrer besten Zeit zu den Top 20 der Welt im Doppel und sollen den TSV künftig in dieser Disziplin für die Beletage konkurrenzfähig machen.

Noch ein weiterer glücklicher Umstand spielt dem TSV hier in die Karten: Der Pole Przemyslaw Szydlowski, ebenfalls Doppelspezialist und wegen einer langwierigen Schulterverletzung für fast zwei Jahre auf Rehabilitation in seinem Heimatland, ist Blonck zufolge wieder gesund "und steht uns zum geplanten Saisonbeginn am 3. Oktober wieder zur Verfügung". Weil die Olympischen Spiele um ein Jahr verschoben wurden, kann der TSV wohl auch wieder auf seine Spitzenkräfte, den Israeli Misha Zilberman und die Ukrainerin Natalya Voytsekh, bauen.

Für den TSV Neubiberg-Ottobrunn hat sich durch den Saisonabbruch nichts geändert, er bleibt Zweitligist. Der TuS Geretsried dagegen lag nach 18 von 22 Regionalliga-Spieltagen mit 33 Punkten knapp vor dem TV Dillingen (31). "Wir sind Meister und damit offiziell Aufsteiger in die zweite Liga Süd", fasst Teammanager Sascha Gnalian zusammen. Der Wiederaufstieg war das Ziel des Teams. Allerdings müsse sich der Verein in den kommenden Tagen erst noch entscheiden, ob er den damit verbundenen finanziellen Mehraufwand auch tatsächlich leisten will.

© SZ vom 30.03.2020

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