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Badminton:Der verlorene Sohn ist zurück

Auf dem Sprung: Fabian Holzer hat die Profi-Karriere beendet, jetzt spielt er für seinen Heimatverein Neuhausen.

(Foto: Claus Schunk)

Fabian Holzer beendet seine Profi-Karriere und belebt nun das Neuhausener Team. Am 2:5 gegen Mülheim kann auch er nichts ändern.

Von Matthias Schmid

Es war vieles neu und aufregend für Fabian Holzer bei seiner Rückkehr in den Park Club Nymphenburg. Die Halle mit der wunderbaren hölzernen Dachkonstruktion war es aber nicht, hier spielte er schon Badminton als er noch ein Kind war. So gut, dass er als 16-Jähriger auszog, um später irgendwann mal die Badminton-Welt zu erobern.

Zunächst landete er im Sportinternat in Frankfurt, später lebte er am Olympiastützpunkt in Saarbrücken. Holzer hat es zum Nationalspieler im Doppel und Mixed gebracht, er bereiste den Globus und gewann zahlreiche deutsche Meisterschaften, zuletzt im Sommer mit dem TV Refrath in der Bundesliga. Aber zur Eroberung der Welt hat es nicht gereicht: Internationale Erfolge oder die Teilnahme an Olympischen Spielen blieben ihm verwehrt.

Dem Doppel Wadenka/Heumann fehlen nur zwei Punkte zum Sieg

Der Kontrast war trotzdem krass, als er sich erstmals das Trikot des TSV Neuhausen-Nymphenburg überstreifte. Statt um die Meisterschaft in der Bundesliga spielt Holzer, 25, in dieser Saison gegen den Abstieg. Im Sommer ist er nach München zurückgekehrt, nachdem er seine Profikarriere beendet hat und sich nun voll und ganz seinem Architekturstudium widmet. "Es ist schön wieder hier zu sein", schwärmt Holzer. Er kennt sich ja noch bestens aus in der bayerischen Landeshauptstadt, seine Familie, seine Freunde sind ja nie wegzogen. Aber gleichzeitig ist doch vieles ziemlich ungewohnt für ihn. Der Abstiegskampf zum Beispiel. "Aber auch das kann sehr motivierend sein", findet Holzer.

Das 2:5 am ersten Spieltag gegen 1. BV Mülheim war deshalb auch zu erwarten, Neuhausen ist Außenseiter in der Bundesliga und war im Sommer nur deshalb in der Liga geblieben, weil eine Mannschaft sich zurückgezogen hat. Am Ende war es gegen Mülheim aber doch knapper als alle geglaubt hatten. Sogar ein Punkt wäre drin gewesen. Das ist in der neuen Saison weiter möglich, obwohl der Verband die Unentschieden abgeschafft hat, indem er das zweite Herren-Doppel zusätzlich ins Programm hob - es gibt nun sieben Partien an einem Spieltag. Einen Punkt bekommt man aber gutgeschrieben, wenn man drei Matches für sich entscheiden kann.

Tobias Wadenka und Manuel Heumann fehlten im zweiten Herren-Doppel im fünften Satz lediglich zwei Punkte zum Sieg, zum möglichen Punktgewinn, nachdem Natalya Voytsekh und Yankov Krasimir ihre Einzel gewonnen hatten. "Das ist natürlich unglücklich", bekennt Philipp Blonck, "weil uns in der Endabrechnung jeder Punkt helfen kann." Neuhausens Teammanager war trotzdem zufrieden mit der Leistung seiner Spieler. "Wir haben gezeigt, dass wir auch mit starken Mannschaften mithalten können und gut dabei sind."

Der neunte Platz in der Zehner-Liga ist das Minimalziel Neuhausens in dieser Spielzeit. Während der Letzte direkt absteigt, spielt der Vorletzte in einem Dreiervergleich mit den beiden Staffel-Meistern der zweiten Liga die übrigen zwei Startplätze in der Bundesliga aus. "Ich bin zuversichtlich, dass wir die Liga halten können", sagt Blonck. Die Mannschaft muss noch ohne die Österreicherin Elisabeth Baldauf auskommen, die die Folgen eines schmerzhaften Knochenmarködems im Mittelfuß auskuriert. "Noch ist sie nicht wieder voll belastbar", fügt Blonck hinzu. Er hofft, dass sie im November wieder mitwirken kann. Die Olympiateilnehmerin von Rio ist eine starke Mixed-Spielerin.

Gegen Mülheim musste deshalb Fabian Holzer mit Kaja Stankovic vorlieb nehmen, die eigentlich eine reine Einzelspielerin ist. Er verlor sowohl dieses Match als auch das Herren-Doppel an der Seite des Polen Przemyskaw Szydlowski. "Wir hatten starke Gegner", sagt Fabian Holzer. Der 25-Jährige wird sich daran gewöhnen müssen, dass er mit Neuhausen mehr Spiele verliert als gewinnt.

© SZ vom 04.10.2017
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