Badminton Der Schock danach

Zugesagt: Samual Gnalian bleibt dem TuS-Geretsried auch in der Regionalliga erhalten.

(Foto: Claus Schunk)

Zweitligist TuS Geretsried muss nun doch in die Regionalliga absteigen und plant zunächst einen Umbruch und danach den Wiederaufstieg.

Von Sebastian Hepp, Geretsried

Eigentlich war der Klassenerhalt ausgemachte Sache: Der TuS Geretsried hatte in der zweiten Badminton-Bundesliga Süd den vorletzten Tabellenplatz vor dem TV Dillingen behauptet, der Wiederaufstieg des TSV Neuhausen-Nymphenburg ins Oberhaus war ebenfalls eingetütet und somit die zweite Voraussetzung für den Klassen erhalt erfüllt. Eigentlich. Doch dann versetzten eine denkbar unglückliche Konstellation im Abstiegskarussell sowie das Regelwerk des Deutschen Badminton Verbandes (DBV) dem TuS den Knockout: Die erste Garnitur steigt nun doch in die Regionalliga ab, wie das Team um Manager Sascha Gnalian erst kürzlich vom Verband erfuhr.

Auslöser für die "niederschmetternde Nachricht" (Gnalian) war, dass der SV Fun-Ball Dortelweil als Zehnter und damit Letzter der ersten Bundesliga in die zweite Liga Süd abgestiegen ist. In dieser ist aber Dortelweils zweite Mannschaft vertreten, die als Siebter den Klassenerhalt eigentlich gesichert hatte. In der zweiten Liga ist aber nur ein Team pro Verein zugelassen, nämlich die erste Garnitur. So muss neben Schlusslicht Dillingen auch Dortelweil in die Regionalliga absteigen. Im Gegensatz zu Dillingen steigt Dortelweil nicht in die Regionalliga Südost (Staffel Süd) ab, sondern in die Regionalliga Mitte. Für Geretsried ist damit noch ein Abstiegsplatz in der Regionalliga Südost "frei geworden", wie Gnalian bitter anmerkt. Laut DBV-Regelwerk fällt der freie Platz eines Erstligaaufsteigers (in diesem Fall Neuhausen) an jene Regionalliga-Gruppe, aus der der Erstliga-Absteiger (in diesem Fall Dortelweil) kommt - in diesem Fall dem BC Remagen, dem Zweitem der Regionalliga Mitte. Der habe laut Sascha Gnalian auch schon zugesagt. Warum hier nicht dem Tabellenvorletzten der zweiten Liga Süd, also Geretsried, ver Vorrang gegeben wird, kann Gnalian nicht nachvollziehen. "Ich werde beim Verband anregen, diese Bestimmung einmal zu überprüfen", sagt er.

Nun gilt es erst einmal Schock zu verarbeiten, doch Gnalian und TuS-Abteilungsleiter Uwe Eckhoff haben sich bereits auf ein Konzept für die Zukunft verständigt: "Wir werden in der nächsten Saison eine junge Mannschaft präsentieren und nach der nötigen Zeit, die ein Aufbau braucht, wieder in die zweite Liga aufsteigen", sagt Gnalian optimistisch. Drei bis vier Jahre seien ein realistischer Zeitrahmen. Für den Neuaufbau mit vorwiegend jungen Spielern stehe in erster Linie Eigengewächs Philip Bußler, der zu den besten deutschen Spielern seines Jahrgangs (2001) gehört und bei einem deutschen Ranglistenturnier in Geretsried kürzlich das Halbfinale erreichte. Bußler trainiert am Leistungsstützpunkt Nürnberg, wo er auch zur Schule geht. "Wir brauchen Philipp in erster Linie als zusätzlichen Einzelspieler für die Regionalliga, in der es statt zwei drei Herreneinzel gibt", sagt Gnalian.

Planen kann er auch bereits wieder mit seinen Brüdern Noah und Samuel Gnalian sowie mit Michelle Deschle, alle um die 20 Jahre alt. Sie hätten bereits zugesagt, das Unternehmen Wiederaufstieg in Angriff zu nehmen. Künftig nicht mehr dem Team angehören werde dagegen der irische Spitzenspieler Mark Brady. Ihn für die Regionalliga extra einfliegen zu lassen, dafür sei der Aufwand zu groß.

Für die zum Erstligisten TV Refrath wechselnde deutsche Nachwuchshoffnung Ann-Kathrin Spöri, die zu den Punktgewinnen der Geretsrieder in ihrer ersten Zweitligasaison wesentlich beigetragen hatte, wird sich laut Gnalian keine gleichwertige Ersatzspielerin finden lassen. Ihre Rolle sollen wohl Sarka Meier oder Mona Künzer, Stammspielerin der zweiten Garnitur, einnehmen. Mit beiden, wie auch mit Sebastian Keller, werde man in Bälde Gespräche führen. Trainer Johann Niesner, der sich aus der Enttäuschung über den unerwarteten Abstieg seines Teams "nach einer über weite Strecken guten Saison" ebenfalls keinen Hehl machte, wird dem TuS nicht mehr als Coach, dafür aber als "Berater auf Honorarbasis" erhalten bleiben. Auch er ist überzeugt, dass der TuS bald in Liga zwei zurückkehren wird.