Badminton-Bundesliga Werbung in eigener Sache

Trotz der achten Niederlage im neunten Spiel glaubt Aufsteiger Neuhausen weiter an den Klassenerhalt

Von Matthias Schmid

Immer wieder griff Tobias Wadenka während seines Einzels am Sonntagnachmittag zum Handtuch, er warf es auf den Boden, um mit seinem Fuß die Schweißtropfen auf dem Feld wegzuwischen. Jugendliche, die wie lebende Litfaßsäulen aussehen und einen Wischmopp in der Hand halten, suchen die Zuschauer bei den Heimspielen des Badminton-Bundesligaaufsteigers TSV Nymphenburg-Neuhausen vergeblich. Man kennt sie ja, von den Heimspielen des FC Bayern im Basketball, früher in Haching beim Volleyball gab es sie auch. Im Nymphenburger Park-Club müssen das die Spieler selbst erledigen. Wadenka war das sogar ganz recht, so bekam er ein paar Sekunden Zeit, um durchzuschnaufen und sich ein wenig erholen zu können. Das Einzel gegen den Indonesier Andre Tedjono vom deutschen Meister SC Union 08 Lüdinghausen war kräftezehrend, schweißtreibend. Neuhausens Spitzenspieler holte alles aus sich heraus. Im dritten Satz musste er sich gegen den Weltklassespieler allerdings geschlagen geben, nach drei Sätzen (22:20, 12:21, 14:21), nach einer guten Leistung. "Ich bin zufrieden", sagte der 24-Jährige hinterher.

Es war wie so oft in dieser Saison, Wadenka und seine Mitspieler konnten ganz gut mithalten mit den internationalen Spitzenspielern der gegnerischen Mannschaften, aber am Ende machten diese die wichtigen Punkte. Neuhausen verlor das Heimspiel 0:6. Schon am Tag vorher hatten die Neuhauser gegen den 1.BC Düren das Nachsehen gehabt (1:5), sodass nach dem Ende der Vorrunde, nach neun Spielen, der vorletzte Platz in der Tabelle bleibt. Vor dem SV Dortelweil, gegen den auch das einzige Unentschieden der Saison gelang.

"Wir wollten heute auch ein Match gewinnen, das hat leider nicht geklappt", bekannte Neuhausens Teammanager Philipp Blonck. Sie hatten mit einem Sieg im zweiten Herreneinzel geliebäugelt. Lucas Bednorsch bekam es hier nicht mit der etatmäßigen Nummer zwei zu tun, sondern mit dem Doppelspezialisten Ruud Bosch aus den Niederlanden. Es war tatsächlich auch das knappste Spiel des Tages. Bednorsch gewann den ersten Satz 21:9, führte auch im zweiten, doch am Ende musste er seinem Kontrahenten zum Sieg gratulieren, nachdem er die weiteren Sätze 17:21 und 18:21 hatte abgeben müssen.

"Ich bin zufrieden": Neuhausens Spitzenspieler Tobias Wadenka gelang immerhin einen Satzgewinn.

(Foto: Johannes Simon)

Der bisherige Saisonverlauf hat gezeigt, dass außer gegen Dortelweil nicht mehr drin war, als ein Match zu gewinnen. "Wir sind froh über jedes Einzel oder jedes Doppel, das wir holen", hebt Wadenka hervor. Eigentlich sogar über jeden gewonnenen Satz. Es ist zwar kein Zweiklassenunterschied in den Spielen bisher auszumachen, aber der Kader des Aufsteigers fällt schon ab im Vergleich zu den Konkurrenten, allein schon, weil diese fast nur mit Profis antreten, in Neuhausen studieren sie alle, auch Wadenka. Der 24-Jährige trainiert immerhin am Bundesstützpunkt in Saarbrücken und träumt von Olympia, er kann so zumindest zweimal am Tag üben. Nachdem ihn zuletzt noch seine Patellasehne im rechten Knie geplagt hatte, konnte er am Wochenende zum ersten Mal seit Langem ohne Schmerzen spielen. Ansonsten hätte er gegen Tedjono, in der Weltrangliste unter den besten 40 gelistet, nicht einen Satz für sich entscheiden können. "Das hat Spaß gemacht und war auch für die Zuschauer schön anzusehen", sagte er. In der Tat war es ein mitreißendes Spiel, weil er seinem Gegner, der vor dem Wochenende noch ein internationales Turnier in Italien gewann, alles abverlangte. Wadenka konnte gar den schönsten Ballwechsel für sich entscheiden, es ging hin und her, mal in Hochgeschwindigkeit, mal mit Gefühl, einmal hechtete der gebürtige Nürnberger sogar nach einem Ball, er lag wie weiland Boris Becker quer in der Luft und brachte ihn so noch zurück ins Feld, am Ende gewann er den Punkt mit einem kurzen Drop.

"Das war beste Werbung für unsere Heimspiele", schwärmte Blonck. Er hofft, dass sie am Saisonende auf dem neunten Rang stehen. Das könnte dann sogar zum Klassenverbleib reichen. Dann nämlich, wenn eine Mannschaft noch zurückzieht oder ein Klub aus der zweiten Liga nicht aufsteigen möchte. "Eine andere Zielsetzung wäre für uns vermessen", gibt der Teammanager zu, "aber wir wollen halt gerne auch in der nächsten Saison in der ersten Liga spielen." Tobias Wadenka nickt.