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Armwrestling:Wenn Putin zur Siegerehrung vorbeikommt

Zuletzt war Armwrestling immerhin Bestandteil der IWAS (International Wheelchair and Amputee Sports)-World Games 2015 in Sotschi. Und fristete keineswegs ein Mauerblümchendasein: "Putin kam zur Siegehrung", sagt Spannagel, der auch enge Bande zur Berufsgenossenschaftlichen Unfallklinik in Murnau pflegt. "Wir versuchen mit den Gladiators dort die Lust auf Armwrestling bei Rollstuhlfahrern zu wecken. Menschen, die durch einen Unfall aus dem normalen Leben gerissen werden, brauchen neue Ziele, gerade wenn sie sportlich sind."

Das Training hat es jedenfalls ins sich, erst recht, wenn man einen großen Wettkampf vor sich hat und - wie Spannagel vor der WM in Malaysia - erst noch die gewünschte Gewichtsklasse erreichen will. Sechs Wochen vorher war er angereist, absolvierte täglich drei Einheiten und verlor über sechs Kilo, um am Tag des Turniers mit 89,98 Kilogramm im Limit zu sein.

Das war ihm auch deshalb so wichtig, weil er ein analytischer Wettkämpfer ist, der die Gegner genau kennt. Armwrestling habe nämlich "mit Armdrücken im Bierzelt nichts zu tun". Taktik spiele eine Rolle, auch Psychologie. Nicht alle Duelle gehen so schnell vorbei wie das WM-Finale gegen den Italiener Gasparini, manches Kräftemessen dauert mehrere Minuten.

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Kraftsport auf der Wiesn

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Weil sich der 1,90-Meter-Hüne auf den Punkt konzentrieren kann, stieß er nach dem Beginn seiner Karriere 2003 recht schnell in die Weltspitze. 2006 bei der Europameisterschaft in Ungarn holte er erstmals Bronze, seither war er bei jedem Großereignis, zu dem er antrat, auf dem Treppchen. Aus Malaysia brachte er gar zwei Medaillen mit, denn mit dem linken Arm wurde er Dritter.

Warum der Verdacht auf Doping besonders schnell aufkommt

Die Erfolge haben ihn in seiner früheren Heimat Russland populär gemacht. Als 18-Jähriger kam er 1998 mit seiner Familie nach Deutschland. "In Wladiwostok haben ich Schwimmen und Eishockey gemacht, aber eher hobbymäßig." Kraftsport war nicht sein Ding. Heute ist er muskelbepackt, die Oberarme haben einen geradezu beängstigenden Umfang. Da kommt einem unwillkürlich das Thema Doping in den Sinn.

Spannagel kennt natürlich die gängigen Klischees, die für alle Schwerathleten gelten: "Mittlerweile gibt es sogar bei deutschen Meisterschaften schon Kontrollen, bei der WM waren es insgesamt 130, so viele wie noch nie", sagt er und weist jeden Verdacht, auch er könne zu unerlaubten Substanzen greifen, weit von sich.

In Russland steht Spannagel auch abseits des Sports in der Öffentlichkeit. Er fungiert als offizieller Vertreter einer Familie, die mit einem schlimmen Schicksal zu kämpfen hat: Einer der beiden Söhne war 2013 im Alter von zwölf Jahren im Griechenland-Urlaub von einem niederländischen Animateur niedergestochen worden, weil der Junge den Hotelangestellten eines Diebstahls überführt hatte. "Ich leite diesen Fall komplett", sagt Spannagel und meint damit alle rechtlichen Fragen, die Bestellung von Anwälten und die Reha für den schwerverletzten Buben.

Darüber hinaus verdient der 36-Jährige im Elektronikbereich sein Geld, er arbeitet in der Produktion von Leiterplatten. Auch hier geht es, wie in Spannagels Sport, um Präzision und um Timing.