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American Football:Wandelbare Wildscheine

Bereit für den nächsten großen Wurf: Die Razorbacks wollen sich mit ihrem starken US-Zugang E. J. Hilliard (Mitte) in der zweiten Liga halten.

(Foto: Richard Langnickel)

Die Fursty Razorbacks haben sich erfolgreich zum Zweitligaklub transformiert - nach aufwendigen Investitionen in Mannschaft und Umfeld.

Von Christoph Leischwitz, Fürstenfeldbruck

Sie waren in Fürstenfeldbruck immer stolz auf ihr Laufspiel, in dem die schweren Jungs gefragt sind, weil diese Art von Spiel sehr viel Kraft voraussetzt. In den Anfängen des American Football war diese Variante öfter angewandt worden als heute, weshalb sich die Razorbacks auch gerne ein Team der alten Schule nannten. Doch heuer müssen die Wildschweine verstärkt daran arbeiten, nicht nur den Boden umzugraben, sondern auch, das Leder-Ei mit Würfen ans Ziel zu bringen. Und Schuld daran ist der Aufstieg in die zweite Bundesliga, wo man erstmals seit 14 Jahren wieder spielt. "Je höher du kommst, umso physisch stärker werden die Mannschaften", sagt der Sportliche Leiter Michael Dohrmann. Mit allzu viel Laufspiel, auf das man sich in der Regionalliga stets verlassen konnte, würde man heuer vermutlich viel zu oft stecken bleiben.

"Wir haben erst einmal in die Infrastruktur investiert", erklärt der Sportliche Leiter: 40 000 Euro

Die Transformation hat zumindest schon einmal erfolgreich begonnen: Das Zweitliga-Auftaktspiel am vergangenen Sonntag, ein Aufsteiger-Duell mit den Albershausen Crusaders, gewannen die Razorbacks 49:41. Sieben Tochdowns erzielten sie dabei, alle sieben durch die Luft. "Das Spiel war schon ziemlich Amerikaner-lastig", befand Dohrmann. Im Normalfall könne man in der zweiten Liga nicht ohne Schlüsselspieler aus Übersee bestehen. Und wie man dem hohen Ergebnis entnehmen kann, dominierten auf beiden Seiten US-Amerikaner, die meistens in der Offensive zum Einsatz kommen.

In E.J. Hilliard ist den Razorbacks dabei eine Verpflichtung geglückt, wie man sie nicht erwarten durfte. Der 23-Jährige aus Florida hat Erfahrung auf höchstem College-Niveau und zudem auch schon einmal beim Profiklub Atlanta Falcons vorgespielt. Dort wurde er zwar nicht verpflichtet, "aber die Einladung alleine sagt schon etwas über sein Können aus", findet Dohrmann. Man habe einen "mobilen Quarterback" gesucht, der es auch schafft, einen Spielzug am Leben zu halten, wenn die Beschützer vor ihm in Bedrängnis kommen. Im Zusammenspiel mit der zweiten Brucker Neuverpflichtung, dem Passempfänger Vailele Peko, gelangen alleine schon 28 Punkte (inklusive den verwandelten Extrapunkten von Philipp Ponader). Und in der Abwehr tut sich Zugang Logan Emendorfer mit zahlreichen Tackles hervor.

Alle anderen Spieler müssten noch in ihre Aufgaben hineinwachsen, sagt Dohrmann. Der Leiter ist einerseits stolz darauf, dass der Rest der Mannschaft "zu hundert Prozent" aus Eigengewächsen besteht, zumal er selbst die meiste Zeit in die Ausbildung des Nachwuchses steckt. Doch der Schritt von der Regional- zur zweiten Liga ist enorm. Weshalb man ihn bei den Razorbacks lange Zeit nicht gewagt hatte.

"Wir haben erst einmal in die Infrastruktur investiert", erklärt Dohrmann. Mit rund 40 000 Euro hatte sich die Football-Abteilung beispielsweise an der neuen Flutlichtanlage beteiligt - eine Investition, die man parallel zur zweiten Liga kaum stemmen könnte. Denn nicht nur der sportliche Unterschied ist enorm, auch der finanzielle. Die Schiedsrichter-Crew kostet pro Heimspiel deutlich mehr, rund 600 Euro, die Busfahrten zu den nun viel weiteren Auswärtsfahrten wie nach Gießen oder Kirchdorf werden sich insgesamt auf etwa 8000 Euro belaufen. Einen kleinen Teil der Mehrkosten kompensieren die Razorbacks über neue Sponsorengelder, doch die Zuschauereinnahmen sind für einen Amateurklub mit diesem Aufwand immens wichtig.

Insofern ist Dohrmann auch skeptisch, ob es so gut ist, dass am kommenden Sonntag gleich das zweite Heimspiel, diesmal gegen die Namensvetter aus Ravensburg, ansteht (16 Uhr, Stadion auf der Lände). "Am Ende der Saison ist es wärmer", sagt Dohrmann. Dann werde man auch erstmals Indizien haben, wie weit es Brucker in der zweiten Liga bringen werden. "Gegen den Mitabsteiger Albershausen - ehrlich gesagt, keine Ahnung, ob da die beiden Letzten gegeneinander gespielt haben oder der künftige Dritte gegen den Vierten." Mit der aktuellen, stark umgebauten Offensive sollte der Klassenerhalt aber machbar sein.

© SZ vom 28.04.2017
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