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American Football:Reif für die zweite Liga

American Football

Titelmission: Im Finale werden sich die Fursty Razorbacks (Mitte Maximilian Fenzl) auf die Nürnberg Rams stürzen. Fernziel ist der Aufstieg.

(Foto: Günther Reger)

Die Fursty Razorbacks wollen an diesem Samstag ihren Titel in der Regionalliga verteidigen. Danach stünden die Aufstiegsspiele an.

Viele Punkte sind im American Football keine Seltenheit. Wird der Ball in der Endzone gefangen, gibt es immerhin auf einen Schlag sechs Zähler. In der nordamerikanischen Profi-Liga NFL ist es den Washington Redskins 1966 sogar gelungen, 72 Punkte in einem Spiel zu erzielen - bis heute einsamer Rekord.

Darüber können die Footballer der Fursty Razorbacks seit vergangenem Wochenende aber nur müde lächeln. Im Halbfinalduell der Regionalliga Süd haben sie die zweite Mannschaft der Munich Cowboys vom Platz gefegt, schlussendlich stand auf der Anzeigetafel ein 86:6. "Das war dann doch überraschend, so ein Ergebnis kommt im American Football quasi nie vor", sagt Florian Müller. Er ist Headcoach der Fürstenfeldbrucker und hatte am vergangenen Samstag eigentlich mit einem knappen Spiel gerechnet. "Es lief aber vieles für uns zusammen, und die Cowboys waren extrem ersatzgeschwächt, was so im Vorfeld auch nicht abzusehen war."

Entsprechend selbstbewusst gehen die Razorbacks jetzt ins entscheidende Duell um die Meisterschaft in der Regionalliga Süd gegen die Nürnberg Rams. Das Ergebnis aus dem Halbfinale sollten seine Spieler dabei schnellstmöglich aus dem Kopf bekommen, sagt Müller. "Am Wochenende kommt es vor allem darauf an, die letzten drei Spiele, die wir alle relativ locker gewonnen haben, zu vergessen. Wir haben auch letztes Wochenende noch unnötige Fehler gemacht, die wir abstellen müssen."

Allerdings sprechen die jüngsten Ergebnisse eine deutliche Sprache: Die Razorbacks sind im deutschen Football wieder eine Marke. In den vergangenen vier Jahren holten die Fürstenfeldbrucker dreimal den Regionalligameistertitel - allerdings garantiert der nicht den direkten Aufstieg in die zweite Liga. In den anschließenden Aufstiegs-Playoffs kämpft man noch mit zwei anderen Mannschaften aus Süddeutschland um den finalen Platz in Deutschlands zweithöchster Spielklasse. In der vergangenen Saison scheiterten die Razorbacks dort an Biberach und Darmstadt. "Daraus haben wir auch etwas gelernt, wir sind schlauer und abgebrühter geworden", sagt der Cheftrainer. "Gegen Biberach haben wir im letzten Jahr das Heimspiel verloren, momentan stehen sie in der zweiten Liga auf dem vierten Platz - es kommt also auch immer auf die Gegner an."

2017 gelang den Fürstenfeldbruckern schon einmal der Aufstieg in die zweite Liga, allerdings folgte der direkte Wiederabstieg in die Regionalliga. "Da war aber auch viel Pech mit dabei. Hätten wir ein Spiel mehr gewonnen, wären wir dringeblieben", sagt Florian Müller.

Er selbst ist schon seit 1989 im Verein, nach neun Jahren als Spieler wechselte er auf die Trainerbank. 2003 mussten sich die Razorbacks dann vom Spielbetrieb abmelden, weil nicht genug Spieler zur Verfügung standen - seitdem setzt man in Fürstenfeldbruck auf die eigene Jugend. "Wir versuchen bewusst, keine Spieler von anderen Vereinen abzuwerben, die dann direkt abspringen, wenn es mal nicht so läuft." Sein Kader bestehe zu 60 Prozent aus Eigengewächsen, "die dem Verein auch die Treue halten, wenn es mal nicht so läuft". Seine Startformation bestehe sogar zu 90 Prozent aus ehemaligen Brucker Jugendspielern.

Deshalb macht sich der Headcoach auch keine Sorgen, wenn es in diesem Jahr nicht mit dem Aufstieg klappen sollte. Er selbst steht seit 2016 wieder an der Seitenlinie und hält seine Mannschaft inzwischen für mehr als zweitligatauglich: "Unser deutscher Kader ist inzwischen deutlich besser als noch beim Aufstieg vor zwei Jahren, da bin ich mir zu 100 Prozent sicher." Das Ziel sollte deshalb mittelfristig sein, sich auch mit geringem Etat in der zweiten Liga zu etablieren.

Am Samstag steht aber erst einmal das Meisterschaftsfinale gegen die Nürnberg Rams auf dem Programm, die die Razorbacks keinesfalls auf die leichte Schulter nehmen sollten: In der regulären Saison ging das Heimspiel in Fürstenfeldbruck zwar mit 29:15 an die Razorbacks, in Nürnberg erkämpften sich die Rams aber ein 20:20-Unentschieden. "Allerdings haben uns da auch einige wichtige Spieler gefehlt, das wird am Wochenende nicht so sein", erklärt der Chefcoach. "Ich sehe uns, auch in Anbetracht des bisherigen Saisonverlaufs, als Favoriten." Die Titelverteidigung wurde vor der Saison auch als eindeutiges Ziel ausgegeben - gefeiert würde die Meisterschaft aber trotzdem. "Das ist nichts, was man als selbstverständlich nehmen sollte", sagt Trainer Florian Müller. Denn nicht jedes Spiel ende schließlich mit 86:6.

© SZ vom 30.08.2019

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