bedeckt München 17°
vgwortpixel

American Football:Beim Barte des Quarterbacks

Die Fursty Razorbacks entscheiden auch das Finale um die Regionalliga-Meisterschaft deutlich für sich: Mit 58:0 bezwingen sie die Nürnberg Rams. Nun steht der nächste Versuch an, in die zweite Liga zurückzukehren.

Ian Michael Shultis fällt auf. Der Quarterback des American-Football-Teams der Fursty Razorbacks hat seine langen Haare zu einem Zopf zusammengebunden. Öffnet er ihn, erinnert der US-Amerikaner ein wenig an Buffalo Bill oder General Custer, vor allem wegen seines Schnurrbarts. Die rechte Wade zieren zwei tätowierte Köpfe. Seine Schuhe haben einen goldenen Überzug. Seine Beine sind eher schlank, Shultis sieht auch mit Helm nicht sehr martialisch aus. Trotz muskulöser Oberarme entspricht er kaum dem Klischee eines Footballers. Trotzdem ist der Spielmacher der Razorbacks die entscheidende Person auf dem Feld. Seine Pässe verwerten seine Mitspieler zu vielen Touchdowns, am Samstag im Playoff-Finale der Regionalliga Süd gegen die Nürnberg Rams sogar zu einem 58:0-Kantersieg. In Kürze stehen für die Brucker zwei Aufstiegsspiele zur zweiten Bundesliga an - sofern sie das Aufstiegsfinale erreichen.

American Football Fursty Razorbacks Fürstenfeldbruck vs. Nürnberg Rams

Quarterback Ian Michael Shultis.

(Foto: Matthias Döring)

Doch erst einmal genießen die 44 Spieler der Razorbacks vor 500 Zuschauern im Stadion auf der Lände nach fast drei Stunden Spielzeit ihre Regionalliga-Meisterschaft. Die neun Cheerleader-Mädchen geben noch einmal alles, ihr männliches Mitglied Daniel Berger erfreut das Publikum mit einer Serie von Flickflacks. Fackeln tauchen auf dem Rasen auf, die rosa Rauch verbreiten, und es gibt Wasserduschen für die Coaches. Der Pokal wird Andreas Berger überreicht, viele Fotos werden gemacht, nur mit Mühe passen alle 44 darauf. Es ist der vierte Meistertitel in den vergangenen fünf Jahren. Liebend gerne möchten die Brucker der Regionalliga endlich adé sagen. Die Gegner auf dem Weg in zweite Liga werden voraussichtlich Frankfurt und ein Kontrahent aus Baden-Württemberg sein. "Wir wollen aufsteigen", gibt sich Razorback-Headcoach Florian Müller optimistisch. Er ist nach einer längeren Pause in der vierten Saison wieder für Brucker Formation hauptverantwortlich.

"Wir haben in den vergangenen drei Regionalligajahren nur zwei Spiele verloren", unterstreicht Müller seine Überzeugung, dass die zweite Bundesliga doch die passende wäre. "Die haben wir drin." 2013 sind sie nach einer Zweitligasaison wieder abgestiegen. Das soll sich nicht wiederholen. Ein Pfund ist bei den Razorbacks sicherlich die Defense-Abteilung, die gegen Nürnberg rein gar nichts zuließ und den Gegner häufig schon kurz hinter der Mittellinie abfing. "Unsere Defense dominiert das ganze Spiel", schwärmt Stadionsprecher Sam Dengg schon kurz vor der Halbzeit. Da steht es bereits 24:0. Ungewöhnlich: Zwei Punkte hat auch die Verteidigung beigesteuert, als sie den Gegner in der Endzone zu Boden getackelt hat. "Ein Highlight", meint Dengg. Die Männer in der Brucker Defense, die von Lukas Schmidt trainiert wird, sehen natürlich bulliger aus als die Angriffsspieler. Dirigiert wird die Defense vor allem von Clayton Becker, dem zweiten US-Amerikaner unter den 44 Razorbacks. Becker sieht eher aus wie ein Leichtgewicht, aber ist ein Muskelpaket.

Zwei US-Amerikaner in Reihen der Razorbacks, das ist vergleichsweise wenig. Zudem stehen die beiden nicht gleichzeitig auf dem Feld, was das Reglement erlauben würde. "Wir haben gute deutsche Spieler", erklärt Dengg. Einer davon ist Georg Rieger oder "Schorschi", wie ihn die Mitspieler rufen. Der hat mal wieder einen exzellenten Tag erwischt. Dreimal trägt der Angreifer das exakte Zuspiel von Quarterback Shultis zum Touchdown ins Ziel. "Die Jungs blockieren die Gegenspieler auch super", bedankt sich Rieger. Der 28-jährige Olchinger spielt seit 14 Jahren bei den Razorbacks Football und hat auch schon als Verteidiger fungiert. Rieger ist jetzt im dritten Jahr sogenannter Running Back. Er und alle anderen im Team wissen, was sie an ihrem Taktgeber Shultis haben. "Er ist sehr abgeklärt und bringt die notwendige Ruhe mit", lobt ihn Müller. Der 28-jährige US-Import, der einst in der Collegemannschaft der Universität Massachusetts spielte, hat eine vierjährige Spielpause hinter sich, die man ihm nicht anmerkt. Laut Müller spielt Shultis, der 2014 schon mal bei den Razorbacks gewesen ist, nahezu umsonst für den Verein. "Wir haben ihm den Flug bezahlt und er wohnt bei einem Mitspieler in Emmering", erzählt Müller. Das sei eher Urlaub für ihn. Ian Michael Shultis, der mit zehn Jahren mit dem Sport begonnen hat, nimmt seine Quarterback-Aufgabe in Fürstenfeldbrucks dennoch sehr ernst und ist durchaus angetan vom Niveau seiner Mitspieler. "Mit unserer guten Defense ist es ein leichtes Spiel", sagt er auf Englisch und gibt sich zuversichtlich: "Für den Aufstieg bin ich sehr optimistisch."