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American Football:Abstiegskampf zum Jubiläum

Zwangspause: Cowboys-Quarterback Brady Bolles muss wegen eines Fingerbruchs aussetzen.

(Foto: Claus Schunk)

Die Munich Cowboys kämpfen im Saisonendspurt mit personellen Problemen und klubinternen Konflikten.

Wenn Brady Bolles irgendwann einmal Frust geschoben haben sollte, dann hat er ihn lange gut versteckt. Der Quarterback der Munich Cowboys warf sich an die statistische Spitze der German Football League (GFL), er rannte mit dem Ball in der Hand deutlich mehr als irgendein etatmäßiger Laufspieler. Trotzdem rutschte das Team in der Tabelle immer weiter ab. Ende Juli war auch Bolles ratlos.

Im drittletzten Spielzug der Partie gegen Dauer-Spitzenreiter Schwäbisch Hall Unicorns wurde er noch einmal von zwei Gegenspielern gejagt und zu Boden geschmissen. Als er aufstand, hob er die Arme in die Luft. Was kann ich denn noch tun, sollte das heißen. Dann nahm er seinen Helm ab, was ein Football-Besessener wie Bolles sonst auf dem Spielfeld nie tun würde, er kniete nieder und sah auf seine Hand. Offensichtlich hatte er sich beim Sturz verletzt. Bolles gab nicht auf. Er hatte schon in der ersten Halbzeit gehumpelt und trotzdem weitergespielt. Jetzt legte er sich im allerletzten Spielzug noch einmal mit vier Gegenspielern an, die ihn ein letztes Mal unter sich begruben. Er verpasste den Touchdown um Zentimeter. Es wäre der Touchdown zum 21:48 gewesen - rein sportlich war Bolles also einem bedeutungslosen Unterfangen hinterhergejagt, rein gesundheitlich einem höchst gefährlichen. Ein paar Tage später wurde ein gebrochener Zeigefinger an der Wurfhand diagnostiziert. Damit fehlt der wichtigste Spieler im Abstiegskampf, von dem noch vor wenigen Wochen niemand gedacht hätte, dass er in München noch einmal Thema werden würde. Denn den Cowboys wurde von allen Seiten Playoff-Potential bescheinigt in ihrer Jubiläumssaison, vor allem nach den ersten Spielen, als sich zeigte, dass in Bolles der wohl beste Quarterback der vergangenen Jahre verpflichtet wurde. Doch gleichzeitig scheint das Grand Old Team of the South, so ein alter Spitzname, pünktlich zum 40. Geburtstag in einer Art Midlife-Crisis zu stecken: Team und Verein kämpfen mit Stimmungsschwankungen und Unsicherheiten. Nichts will so recht zusammenpassen. Das GFL-Team macht oft in hoffnungslosen Situationen alles richtig und hängt sich voll rein. Dafür hat es aber gleich mehrmals in den jeweils letzten Spielsekunden verloren und einmal recht unnötig Unentschieden gespielt. Am Sonntagnachmittag folgte eine erwartete Niederlage. Der dritte Quarterback Jari Koperski und ein Rumpfkader verloren bei den Marburg Mercenaries 0:52.

Wichtig sind nun die beiden verbleibenden Spiele gegen Ingolstadt am 24. August (auswärts) und am 31. August (im Dantestadion). "Wir würden gerne beide gewinnen, ich habe keine Lust, noch eine Woche länger zu zittern", sagt Präsident Werner Maier. Denn die Dukes könnten im September selbst dann noch an den Cowboys vorbeiziehen, wenn man davor die Siege teilt.

Eigentlich hatten sie einen ganz guten Plan gehabt, der auf dem Verletzungspech der vergangenen Jahre aufbaute. Zusätzlich zu Bolles verpflichteten die Cowboys auch den ehemaligen deutschen National-Quarterback Manuel Engelmann. Doch der war seit Bolles' Verletzung an Wochenenden beruflich verhindert. Angriffs- wie auch Verteidigungslinie sind ständig von Personalmangel betroffen, auch wenn die Cowboys nun noch zwei erfahrene italienische Spieler holten. Die Offensive Line, die eigentlich den Quarterback beschützen soll, war durchlässig, die Verletzungsgefahr für Bolles permanent hoch.

Etwas seltsam mutete es da schon an, dass von der zweiten Mannschaft kaum Unterstützung kam. Die spielt nun erstmals in der Regionalliga; das war das Ziel gewesen, um Spieler an die Bundesliga besser heranführen zu können. Nun war das Team oft quanitativ besser bestückt als der Bundesligist. Es hatte Streit gegeben. Die zweite Mannschaft sah sich, grob zusammengefasst, als weitgehend unabhängig von der ersten an. Am Dienstag hat es ein erstes, klärendes Gespräch gegeben, bestätigt Präsident Maier. Das war wohl auch deshalb erfolgreich, weil die zweite Mannschaft zwangsabsteigen müsste, wenn die erste runtergeht. Es besteht also noch Hoffnung nach der Talfahrt: Für die entscheidenden Spiele gegen Ingolstadt stehen wieder mehr Spieler zur Verfügung, im zweiten vielleicht auch wieder Bolles. Die Formkurve der Dukes zeigt nach oben. Aber zumindest in Normalbesetzung, sagt Präsident Maier, müsse man davor keine Angst haben.