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Amateurfußball:Wegen Massenschlägereien: Fußballverein muss Mannschaft abmelden

Drohen, beleidigen, prügeln: Der Fall des FSV Newros ist ein besonderer in einer Reihe ähnlicher Konflikte.

(Foto: Stephan Rumpf)

Zu den Spielen des Münchner Vereins FSV Newros rückte bereits mehrmals die Polizei an. "Wir können so nicht weitermachen", sagt der Vorsitzende.

Fünf Jahre ist es her, da gelang den Fußballern des FSV Newros München ein echtes Kunststück. 16 Tore hatten sie in der Kreisklasse erzielt, drei Siege, zwei Unentschieden. Doch die Saison beendeten sie nicht mit elf Punkten, sondern mit: minus einem.

Der Verband hatte ihnen zweimal sechs Zähler abgezogen, erst wegen des Einsatzes nicht spielberechtigter Spieler, dann, weil einige Newros-Fußballer am Ende einer hitzigen Partie eine Prügelei angezettelt hatten. Spätestens hier hörte die Geschichte auf, lustig zu sein. Mit sechs Streifenwagen und einem Einsatzbus hatte die Polizei anrücken müssen. Ein Gegenspieler war von hinten mit einer Kühltasche geschlagen worden, ein anderer am Boden liegend mit Tritten traktiert. "Krieg in der Kreisklasse", titelte die tz.

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Er hatte den Schiedsrichter im sozialen Netzwerk beleidigt. Kreative Versuche, sich aus der Sache rauszureden, schlugen fehl.

Der FSV Newros, seit 2006 im Spielbetrieb des Bayerischen Fußball-Verbands (BFV), hat weitergemacht. Trotz der Schlagzeilen, trotz des Abstiegs. Die Akteure von damals seien längst nicht mehr im Verein, erzählt Osman Sahin, der heutige Vorsitzende. Auch er selbst stieß erst später dazu. In der laufenden Saison trat das Team in der B-Klasse 5 an.

Doch vor einigen Tagen verschwand es aus dem Spielplan, angefangen mit einer Mittwochspartie gegen den TSV Maccabi. Zunächst hatte der BFV-Kreisvorsitzende Bernhard Slawinski alle Newros-Partien ausgesetzt, um dem Sportgericht "Zeit zu verschaffen", wie er sagte. Inzwischen hat Newros seine Mannschaft selbst abgemeldet und sogar die eigene Vereinsauflösung angekündigt. "Wir können so nicht weitermachen", sagt Sahin.

Faustschläge und Handgreiflichkeiten im Rücken des Schiedsrichters

Tage zuvor war wieder ein Spiel abgebrochen worden. Wieder kam die Polizei, nahm drei Anzeigen wegen Körperverletzung auf, zwei davon gegen Newros-Spieler. Uwe Delkof berichtete von "kleineren Tätlichkeiten", von rassistischen Beleidigungen gegen dunkelhäutige Spieler, von einem dicken Auge. Er ist Trainer und Vorsitzender des Gastgebers, des SC Arcadia Messestadt, und er bemühte sich, den Vorfall nicht aufzubauschen. Die Emotionen seien eben hochgekocht, einige, etwa der Kapitän des FSV, hätten noch versucht, ihre Mitspieler zu beruhigen. Die Polizei habe man eher "prophylaktisch" verständigt, weil es noch Drohungen gegeben habe.

Ein Zeuge berichtet allerdings von extrem aggressivem Auftreten der Gäste, von Handgreiflichkeiten im Rücken des Schiedsrichters und von Faustschlägen. Der BFV griff hart durch: Per einstweiliger Verfügung schloss er gleich sieben Newros-Spieler vorerst von Verbandsspielen aus. Ein Grund: Es habe solche Vorfälle immer wieder gegeben.

Osman Sahin ist ein freundlicher Mann. Er will nichts beschönigen, aber es tut ihm doch weh, dass sein Verein nun wieder in der Zeitung auftaucht. Es ist ein Verein für Kurden. Newroz ist das kurdische Neujahrsfest, immer zum Frühlingsbeginn am 21. März; es gilt ebenso als Symbol für den Widerstand wie für die Hoffnung auf Freiheit und Frieden. "Ein paar Jungen waren ein bisschen aggressiv", sagt Sahin, "sie haben sich geärgert und Fehler gemacht." Das passiere. Ihm gehe es um die Integration, er habe "alles versucht", um jungen Leuten zu helfen und ihnen etwas Spaß im Sport zu ermöglichen. Er habe nur nicht alles geschafft.

"Wir hatten nie einen richtigen Vorstand", sagt er, "es ist schwer alleine, ohne Trainer, ohne Betreuer und ohne Disziplin". Eigentlich sei seine Zeit bei Newros schön gewesen, findet der 44-Jährige. Vielleicht könne man irgendwie weitermachen, unter einem neuen Namen. Aber nur, wenn es genügend Leute gebe, die helfen.