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Alpenvolleys-Manager:"Die Tendenz ist, dass ich mich zurückziehe"

Hannes Kronthaler übt Kritik am Kooperationspartner Unterhaching und stellt die Zukunft des Projekts infrage.

Hannes Kronthaler ist ein bisschen unglücklich vor dem ersten Bundesliga-Heimspiel der Alpenvolleys an diesem Sonntag (17 Uhr) in Innsbruck gegen Rottenburg. Denn gleichzeitig spielen die Innsbrucker Haie nebenan in der Eishalle Erstliga-Eishockey gegen den Tabellenführer Red Bull Salzburg. Dieses Spiel wird mehr Fans anlocken als der Saisonauftakt der Volleyballer in der viel größeren Olympiahalle, das ist jetzt schon absehbar. Als "Testlauf" bezeichnet der General Manager aus Tirol den Auftakt denn auch für das zweite, weitaus strahlkräftigere Heimspiel gegen den deutschen Meister Berlin (23. Oktober). Berlin ist der Maßstab für die Kooperation aus Innsbruck und Unterhaching, die 2017 per Wildcard in die Bundesliga aufstieg. Nach zwei Halbfinal-Teilnahmen möchte Kronthaler diesmal ins Endspiel einziehen - im womöglich letzten Anlauf des auf drei Jahre angelegten Projekts. Nun freut sich der 54-Jährige erst mal auf die Saison - und ärgert sich über den Kooperationspartner TSV Unterhaching.

SZ: Herr Kronthaler, viele Spieler fehlten im Sommer wegen Nationalmannschaftseinsätzen. Die Australier Max Staples und Jordan Richards stoßen erst nach den Auftaktspielen gegen Rottenburg und Herrsching zum Team. Das klingt nicht nach einer gewinnbringenden Vorbereitung.

Hannes Kronthaler: Dass unsere beiden Australier so spät kommen, is' a Kas. Aber die sind noch beim World Cup in Japan. Das Problem haben die anderen Klubs aber auch. Unsere Grundsechs ist ungefähr gleichstark wie letztes Jahr, von der Breite her sind wir stärker. Ich kann das Jahr also ganz motiviert und mit voller Kraft starten - auch weil wir fünf Fernsehspiele bei Sport1 in der Hin- und Rückrunde haben, drei daheim und zwei auswärts.

Allerdings gehen Sie auch mit sieben Neulingen in die Saison.

Ich hoffe, dass sich Staples und Richards schnell integrieren. Unser Außenangreifer Jérôme Clère ist super, vom Finnen, dem Tommi Siirilä, bin ich noch ein bisschen enttäuscht, er muss einiges lernen. Saso Stalekar, der Slowene, ist ein tolles Talent. Der Paulo da Silva, unser neuer Diagonaler, ist körperlich noch nicht in Top-Verfassung, hat aber einen schönen Hammer. Und Jerome Cross ist ein junger Kanadier, der noch nie Profivolleyball gespielt hat. Nach drei harten Trainings schnauft der schon. Aber für das haben wir ihn ja geholt.

Volleyball

Tiroler Triumvirat: General Manager Hannes Kronthaler (rechts) mit Cheftrainer Stefan Chrtiansky (Mitte) und seinem Vater, dem Alpenvolleys-Präsidenten Othmar Kronthaler.

(Foto: privat / oh)

Nach dem Weggang von Jonas Sagstetter nach Eltmann ist nun kein Deutscher mehr im Kader. Geplant war aber, dass im dritten Jahr die Hälfte des Kaders aus Österreichern und Deutschen besteht.

Mit unserem Libero Florian Ringseis und meinem Sohn Niklas auf Außen haben wir zwei Österreicher. Und die Deutschen? Wir waren mit vieren in Kontakt, die interessant waren, Tom Strohbach, Linus Weber, noch zwei andere, die zu teuer waren oder zu schlecht, denen was anderes nicht gepasst hat oder die sich auch noch eine Stammplatzgarantie in den Vertrag schreiben lassen wollten. Was soll man da machen?

Strohbach ist noch verletzt, hat jetzt aber in Herrsching unterschrieben, wo er sein Studium in München mit Spitzensport verknüpfen kann. Nervt Sie das?

Für mich hat er sich gegen den Sport entschieden, aber mei, das ist jetzt eh schon Geschichte. Das Risiko wäre wegen seiner Verletzung ohnehin groß gewesen. Wir hatten ihm einen tollen Herd errichtet, auf dem er hervorragend hätte kochen können.

Kann man mit diesem Kader und erfahrenen Profis wie den Brasilianern Danilo Gelinski, Pedro Frances und Douglas da Silva deutscher Meister werden? Das war ja Ziel des Dreijahresplans.

Wir wollen ins Meisterschaftsfinale. Und im Pokal jetzt endlich einmal die erste Runde überstehen. Dass es supergeil wäre, mal im Cupfinale zu stehen, vor 10 000 Zuschauern in Mannheim, mit Liveübertragung im Fernsehen, ist eh klar.

Ihr Dreijahresprojekt zwischen Innsbruck und Unterhaching läuft noch diese Saison. Danach ist alles offen. Haben Sie eigentlich schon eine Idee, wie es weitergeht?

Ich sehe das ganz nüchtern: Dieses Jahr gasen wir noch einmal voll an, und im April werde ich euch erzählen, wie die Situation ist und was ich tue. Ich störe die Mannschaft jetzt sicher nicht mit verfrühten Aussagen, außerdem haben wir ja noch ein halbes Jahr Zeit.

Volleyball

Zweitwagen: Notfalls erledigt Hannes Kronthaler auch die Reinigungsarbeiten persönlich.

(Foto: privat / oh)

Aber gibt es schon eine Tendenz zum Weitermachen oder Aufhören?

Die Tendenz ist: Wenn es so bleibt, wie es jetzt ist, werde ich mich zurückziehen.

Warum?

Wir haben ganz ein klares Ziel hinter dem Projekt gehabt: Belebung des Standortes Unterhaching und ein tolles Wirtschaftskonzept von zwei Volleyball-Regionen, die ihr Budget so steigern, dass sie nachhaltig die Nummer eins in Deutschland werden oder mit Berlin gleichziehen. Aber selbst für Letzteres fehlt noch ein bisschen was, es geht um Sponsoreneinnahmen, Zuschauerinteresse, Infrastruktur und so weiter. Und da sehe ich, dass sich zu wenig tut.

Können Sie das konkretisieren?

Der Druck der Volleyballer in Unterhaching fehlt, auf allen Ebenen. Ich sage ihnen schon seit tausend Jahren, dass sie über Bayernwerk (Energiekonzern und Namensgeber der Unterhachinger Arena, wo die Hälfte der Heimspiele der Alpenvolleys ausgetragen wird, Anm. d. Red.) oder die bayerische Politik 300 000 oder 400 000 Euro kriegen müssen. Sie sagen, das geht nicht, weil sie für die Alpenvolleys II in der zweiten Liga schon Geld bekommen. Ja irgendwann muss ich mich für eins entscheiden. Da fehlt der Kopf oder der Wille oder die Vision.

Sie sind andererseits der Kopf des ganzen Projekts und tragen daher auch die finanzielle Verantwortung.

Ja, auch wenn das vielleicht manche nicht mögen, dass ich in dieser Geschichte die Nummer eins bin. Ich habe dafür sogar Verständnis. Aber ich bin kein Gönner oder Mäzen, sondern Unternehmer, mit klarem Businessziel. Und mir fehlen die 300 000 Euro ja auch in Innsbruck, jedes Jahr habe ich jetzt zugeschossen deshalb. Auch weil wir keinen einzigen Sponsor in Bayern bekommen haben.

Keinen einzigen?

Nein. Und wenn wir in Bayern keinen einzigen Sponsor finden, trotz TV-Spielen und allem Drum und Dran, wenn der Kooperationspartner zu wenig Leute kennt, die das interessiert - tja, warum soll ich das dann aufrechterhalten? Im Übrigen kann ich die Unterhachinger Halle ja auch nicht langfristig nutzen, weil in ein paar Jahren der Bestandsschutz ausläuft. Diese Halle hat ohnehin eher Turnhallenflair, das ist nicht das, was wir in Innsbruck mit der Olympiahalle oder was Berlin mit der Max-Schmeling-Halle zu bieten haben. Und in München bauen sie kurzfristig auch keine große Volleyballhalle hin. Ohne die Vernetzung in Bayern hat dieses tolle Konzept jedenfalls keine Zukunft. Und dann muss man halt die Konsequenzen ziehen. Ich habe das Geld doch auch nicht auf dem Baum wachsen.

Sie könnten ja bei Herrsching einsteigen, oder bei Aufsteiger Eltmann, beides sind bayerische Vereine.

Ja, aber Eltmann liegt schon ganz schön weit oben. Und mit Herrsching haben wir ein gutes Verhältnis, die hatten uns damals ja auch den Tipp mit der Wildcard gegeben. Aber unsere Philosophien sind doch sehr unterschiedlich.

Jedenfalls möchte die Volleyball-Bundesliga, so hört man immer wieder, die Alpenvolleys unbedingt halten.

Das ist das einzige, was ich noch nicht bis zum Ende durchgedacht habe: Wenn jetzt alle sagen, "Hannes, bleib".

Dann bleiben Sie?

Jeder hat eingekauft wie ein Wahnsinniger. Berlin wird vorangehen, dann Friedrichshafen, die Alpenvolleys, Frankfurt, Lüneburg, Düren: Die sind alle nahezu auf einem Niveau. Es gibt in dieser Saison mehr als 60 TV-Spiele bei den Männern und Frauen in der Bundesliga, das Champions-League-Finale ist in Berlin. Und ich stelle mir eben die Frage: Wenn ich es jetzt nicht schaffe im Sponsoring und der Vermarktung mit so einer starken Liga - ja, wann denn dann?

Glauben Sie, dass man Sie nun noch mit offenen Armen empfängt in Unterhaching?

Ja, warum denn nicht? Es geht ja vor allem um die Volleyballzukunft in Unterhaching! Ich möchte diese Saison aber nicht überschattet haben von dieser Diskussion. Wie gesagt: Wir gasen an, dass wir ins Finale kommen. Und danach evaluieren wir. Wenn es bleibt wie jetzt, wird die Kooperation mit Unterhaching eher nicht weitergehen. Und mit dem Ende der Alpenvolleys würde meine Managertätigkeit enden. Dann bin auch ich Geschichte.

Zur Person

150 Länderspiele für Österreich, vielfacher österreichischer Volleyball-Meister mit Innsbruck als Spieler und Manager, als Jugendlicher Kunstturner, kurze Zeit Faustballspieler, später EM-Fünfter im Beachvolleyball mit seinem späteren Schwager Nik Berger: Hannes Kronthaler ist ein Ausnahmesportler. Und mehr. Der 54-Jährige führt ein Bauunternehmen mit 400 Mitarbeitern, sein Vater Othmar ist Klub-Präsident der Alpenvolleys. Die Familie besitzt unter anderem Skilifte, das Luxushotel "Das Kronthalers" am Achensee hat sie verkauft. Kronthaler macht gern Urlaub mit dem Segelboot in der Türkei und in Griechenland und fährt einen 400 PS starken Maserati, Kennzeichen: I-HKRON 1. Notfalls legt er auch in der Halle selbst Hand an, spannt Netze, prüft die Kasse und hilft beim Abbau.