Actionsport Tricks fürs  Leben

Handreichungen für jetzt und später: Das Trainerteam um Jan Saathoff versucht, „den Kindern zu helfen, dass sie einen Weg zum Ziel finden“.

(Foto: Corinna Guthknecht)

Beim Verein High Five können Kinder nicht nur Skateboard oder Snowboard fahren lernen. Sondern auch Respekt und Durchhaltevermögen.

Von Elena Bruckner

Zwei Kinder fahren auf Skateboards durch die Straßen Münchens dem Sonnenuntergang entgegen - diese malerische Szene ist seit Ende März an den Bushäuschen der Stadt zu sehen. Hinter der Plakataktion steckt der Verein High Five, der seit 2010 Kinder aus sozial schwachen Familien mit Skate- und Snowboardkursen fördert. Auch in den Osterferien.

In einer Turnhalle nahe dem Ostbahnhof erklären Adrien Hannart und Tarik Hodzic einer Gruppe von 15 Anfängern das kleine Einmaleins des Skatens. Am zweiten Tag des Ferienkurses sind die Acht- bis 13-Jährigen so weit, dass sie über kleinere Rampen fahren können. "Bei den meisten klappt das schon echt gut", findet Hodzic.

Mit Schwung die Rampe hoch und wieder runter rollen, die richtige Fußstellung einnehmen, den Oberkörper locker lassen und dabei auch noch in die richtige Richtung schauen - mit ein bisschen Hilfestellung der Trainer haben die Kinder den Dreh schnell heraus. Auch die Fachbegriffe müssen sitzen: Was ist der Unterschied zwischen einer Quarterpipe und einer Bank? Und was ist das für eine Metallstange an der oberen Kante der Rampe?

Am Ende der Woche sollen sich die Kinder sicher in einem Skatepark zurechtfinden und kleinere Tricks zeigen können. Das Erlernen einer neuen Sportart ist aber nicht das einzige Ziel: "Es geht darum, Spaß beim Lernen zu haben, Teil einer Gruppe zu sein, Regeln zu respektieren und sich Ziele zu setzen", sagt Adrien Hannart, der als Programmkoordinator zusammen mit Jan Saathoff den Kurs organisiert und leitet. "Es gibt viele Kinder, die gleich sagen 'Ich kann das nicht', wenn etwas nicht klappt. Denen versuchen wir zu helfen, dass sie einen Weg zum Ziel finden und Durchhaltevermögen lernen - da gibt es jedes Mal ein paar Kandidaten", sagt Hannart. Was die Kinder in den Kursen lernen, sollen sie später auch in der Schule oder im Berufsleben anwenden können.

Kurzfristig zahlt sich die Werbekampagne nicht aus. Aber es geht ja um Langzeiteffekte

Jugendliche ab 15 Jahren, die schon einige Zeit im Kursprogramm dabei sind, haben die Möglichkeit, die Trainerteams als Junior-Assistenten zu unterstützen. "So lernen sie, Verantwortung zu übernehmen und zuverlässig zu den Kursen zu kommen", sagt Hannart. Auch für die jüngeren Teilnehmer seien die Junior-Assistenten wichtige Identifikationsfiguren. Umgekehrt profitieren auch die älteren Jugendlichen von ihrer Vorbildrolle. "Mit jedem Kind lernt man etwas Neues", sagt Tarik Hodzic, 19, der bei High Five seinen Bundesfreiwilligendienst absolviert.

Außerhalb der Ferien ist der Verein mit dem Skateparkmobil und wöchentlichen Kursen auf verschiedenen Münchner Skateranlagen unterwegs und bietet Schnupperkurse für Schulklassen an. "Wir haben keine eigene Infrastruktur, kein eigenes Haus, mit dem wir sichtbar sind", sagt Ingrid Gasser, seit 2015 Vorstandsmitglied bei High Five. Mit der Plakatkampagne wolle man versuchen, in der Öffentlichkeit für mehr Eltern und Kinder sichtbar zu sein.

Anders als übliche Vereinssportarten ist Skateboarden "sehr inklusiv und individuell", wie Kursleiter Hannart sagt. "Es gibt keine festen Regeln, man kann schnell fahren, Tricks auf Rampen oder Flat Tricks - Tricks auf dem Boden - lernen. Du kannst super kreativ sein, man braucht nur am Anfang viel Frustrationstoleranz." Und trotzdem habe der Sport eine soziale Komponente: Man könne einfach mit Freunden rausgehen und Spaß haben. "Wenn wir die Kinder später zufällig im Skatepark treffen, habe ich das Gefühl, dass ich meinen Job gut gemacht habe", sagt Hannart.

Die Werbekampagne war für den Verein dank eines Kontakts zur Betreiberfirma der Plakatwände kostenlos. "Unser Programm hat ihnen gefallen, da wollten sie das Projekt mit ihren Mitteln unterstützen", erzählt Ingrid Gasser. Der Verein habe schon einige positive Rückmeldungen von Familien erhalten, die durch die Plakate auf das Angebot aufmerksam geworden sind. An den Anmeldezahlen lasse sich der Erfolg noch nicht ablesen: "Für die Ferienkurse kam die Kampagne sicher zu kurzfristig, aber das war auch nicht das Ziel. Es hat sich zeitlich eher zufällig so ergeben." Was für die Kinder gilt, gilt auch für den Verein: Den positiven Effekt können sie sich auch später noch zunutze machen.