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1860: Strobls Transfer geplatzt:Einspruch aus Ibiza

Er wechselt, er wechselt nicht: Der gescheiterte Transfer von Tobias Strobl nach Unterhaching ist eine Posse. In der Kritik: der im Urlaub weilende Sportliche Leiter der SpVgg, Francisco Copado.

Die Situation war etwas grotesk: Tobias Strobl, der in diesen Tagen so begehrte Defensivspieler vom TSV 1860 München, hockte Sonntagnachmittag auf der Fensterbank des viel zu kleinen Dopingkontrollraums im Grünwalder Stadion, und vor ihm, auf zusammengerückten Stühlen, die vier strengen Dopingkontrollbeauftragten, die den Raum viel zu klein geraten ließen.

Francisco Copado soll den Transfer von Tobias Strobl von Ibiza aus abgesagt haben.

(Foto: Alessandra Schellnegger)

Es war wenige Minuten nach dem 1:0-Sieg von Sechzigs U23 gegen die Amateure von Eintracht Frankfurt. Strobl hatte gute Laune, schließlich sollte es seine letzte Partie in der Regionalliga gewesen sein, schon am Tag darauf würde er für ein Jahr in die dritte Liga wechseln, zur SpVgg Unterhaching. "Klar freue ich mich", verriet er durch die halbgeöffnete Tür (die von den strengen Dopingkontrolleuren auch schnell wieder verschlossen wurde), "wenn alles klappt, dann unterzeichne ich morgen früh den Vertrag, um halb neun."

Besser noch einmal nachgefragt bei Trainer Bernhard Winkler, der zehn Meter weiter entfernt gerade die Pressekonferenz abhielt, sicher ist sicher. "Soweit ich weiß, bleibt Strobl hier. Was wohl daran liegt, dass wir Strobl nicht verschenken wollen. Es kann also gut sein, dass wir ihn für ein Jahr verleihen, und er dann am Montag trotzdem noch bei uns ist."

Nun gut, die Logik der Aussage erschloss sich dem Zuhörer in diesem Moment nicht sofort, und auch nicht einen Tag später. Allerdings waren alle Beteiligten am Montag insgesamt ein wenig schlauer. "Das Geschäft ist nicht zustande gekommen, ich freue mich jetzt, dass er bleibt", sagte Winkler. Und von wem hatte er es wohl erfahren, von Miki Stevic vielleicht, Sechzigs Sportdirektor? "Der Tobi hat es mir eben persönlich erzählt. Ich bin ja bei den ganzen Verhandlungen nicht dabei. Ich weiß nicht, was die da ausbaldowern."

Den Erkenntnisprozess, der bei den Löwen um sich griff, den hatte die SpVgg Unterhaching schon hinter sich.

Pressesprecher Ruben Stark bestätigte, dass der Wechsel in letzter Sekunde "geplatzt" sei. Wie eine Seifenblase. Viel Freude schien ihm diese Pressenotiz nicht zu machen. Man favorisiere nun doch einen erfahrenen Spieler, begründete er knapp. "So hat sich die Sportliche Leitung geäußert."

Unterhachings Trainer Klaus Augenthaler, dem ganz offenbar die Entscheidungshoheit in personellen Dingen obliegt, sagte: "Eigentlich war es am Samstagabend klar." Die Begründung immerhin deckte sich mit der des Pressesprechers: "Wir suchen nach wie vor einen erfahrenen Spieler, kein Talent."

Dies musste Geschäftsführer Erich Meidert entgangen sein, denn der hatte den Wechsel Strobls zur Spielvereinigung am Freitag bereits als quasi vollzogen gemeldet ("Das dürfen Sie schon schreiben."). Befragt zur internen Kommunikation verschlug es Meidert nun jedoch die Sprache: "Dazu sage ich genau null komma zero."