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1860 München:Das große Spiel gegen  "SV  Corona Covid 19"

Sportdirektor Günther Gorenzel-Simonitsch (1860 München) / Fussball / Toto-Pokal / 11.10.2019 / TSV 1860 München - SpVgg; gorenzel

Klare Worte auf einer Video-Pressekonferenz: 1860-Geschäftsführer Günther Gorenzel.

(Foto: Lackovic/imago)

1860-Geschäftsführer Günther Gorenzel fordert ein ordentliches Drittliga-Saisonende mit Absteigern.

Die gute Nachricht vorab: Der Fußball-Drittligist TSV 1860 München hat von der Deutschen Fußball Liga die vorläufige Lizenz für die zweite Liga erteilt bekommen, das bestätigte Geschäftsführer Günther Gorenzel auf einer Pressekonferenz am Mittwoch. Erteilt wird sie selbstverständlich unter Auflagen, so ist ja beispielsweise das Grünwalder Stadion in seiner gegenwärtigen Form nicht zweitligatauglich. "Wir wissen, was auf uns zukommt und wo wir nachbessern müssen", verspricht Gorenzel. Beruhigend zu wissen, dass noch Lizenzen verteilt werden für einen Spielbetrieb, der in der Gegenwart gar nicht stattfinden darf.

Und selbstverständlich hilft diese gute Nachricht 1860 nicht weiter, sollte die gegenwärtig nach dem 27. Spieltag pausierte Drittliga-Saison nicht zu Ende gespielt werden. In der Tabelle steht 1860 wie vor dem Ausbruch der Corona-Pandemie eingefroren auf Platz sechs, bei zwei Punkten Rückstand auf die Aufstiegsplätze. Nah genug für Sascha Mölders, um am Montagabend auf Instagram zu orakeln: "Zebras und Löwen steigen auf". Mölders Wort hat insofern Gewicht, als er viele Jahre ein Zebra war, also ein Duisburger, bevor er zum Löwen wurde. Zweifelsfrei enthielt seine Meldung Spuren jener Euphorie, die nun zwei Tage später auch Gorenzel zeigte.

"Sehr froh und erleichtert" sei er über das Ergebnis der Video-Krisenkonferenz der Drittklässler, die mit knapper Mehrheit am Montagabend für eine Fortsetzung des Spielbetriebs votiert hatten, erklärte Gorenzel. 1860 hatte sich gemeinsam mit den vier übrigen Vertretern aus Bayern (Unterhaching, Ingolstadt, Würzburg, FC Bayern II) sowie Rostock, Viktoria Köln, Braunschweig, Uerdingen und dem Chemnitzer FC für eine Beendigung der Saison "auf dem grünen Rasen, nicht am grünen Tisch" stark gemacht. Er sei nun sehr zuversichtlich, dass bald auch alle weiteren Instanzen das Fußballspiel in Pandemie-Zeiten legalisierten - zunächst muss sich die DFB-Spitze offiziell der Mehrheit der Klubs anschließen, das letzte Wort haben Bund und Länder, die sich in der kommenden Woche wieder mit der Frage befassen.

Für die Pressekonferenz hatte sich Gorenzel ein Bonmot ausgedacht. Er sprach unentwegt vom Kampf gegen den "SV Corona Covid 19", den es zu gewinnen gelte. In diesem Kampf gehe es nicht nur um die Rettung der dritten Liga. Sondern um "den Erhalt des gesamten deutschen Profifußballs". Diesem müsse es erlaubt werden, "seinen Beruf auszuüben". Und zwar auf Basis einer strikten Einhaltung des "strengsten Hygienekonzepts auf dem Arbeitsmarkt außerhalb von medizinischen Berufen", das die DFL für die zwei oberen Ligen erdachte, und dem sich die dritte Liga nun anschließe. Dieses Konzept sieht bekanntlich Hygieneregeln für die Profis sowie engmaschige Corona-Tests vor.

Auf die Nachfrage, was im Falle von positiven Covid-19-Tests bei Profis im Nachgang der Partien zu geschehen sei (manche Virologen fordern für diesen Fall eine Quarantäne beider Mannschaften), erklärte Gorenzel: Über Quarantäne-Maßnahmen müssten die lokalen Behörden entscheiden. Es sei aber höchst unwahrscheinlich, dass es auf dem Platz zu Ansteckungen komme. Schließlich würden die Spieler wenige Stunden vor dem Anpfiff getestet. Und nach der Meinung führender Virologen trage ein neuer Covid-19-Wirt erst zwei bis vier Tage nach seiner Ansteckung genug Virenlast im Körper, um die Erkrankung weiterzureichen.

Klar positioniert hat sich Gorenzel auch in der kniffligen Frage, ob es trotz der widrigen Umstände - so sind etwa die behördlichen Auflagen für Trainings in Kleingruppen in jedem Bundesland anders - in dieser Saison Absteiger geben sollte? Auf jeden Fall! Die "Integrität des sportlichen Wettbewerbs" sei wichtig. Auf- und Absteiger sollten ganz ausgespielt werden, um keine Wettbewerbsverzerrung zu haben. "Denn sonst würde es für viele Vereine um nichts mehr gehen und die würden in den Spielen nicht mehr alles in die Waagschale werfen." So argumentiert auch Tabellenführer Duisburg, der sich nur aus diesem Grund gegen einen Wiederanpfiff ausgesprochen hat. Wenn es sportlich um nichts mehr ginge, sagt Gorenzel, könnten Klubs sogar auf die Idee kommen, mit ihren U19-Mannschaften anzutreten, weil es "aus dem Fördertopf für die U23-Spieler es gewisse Auszahlungen gibt." In Zeiten von Geisterspielen könnten diese für viele Klubs ein Anreiz sein.

© SZ vom 30.04.2020

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