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Sponsoren gesucht:Vom Knast ins Luxushotel

Promis mit Biss - und umgekehrt: Die Straßenzeitung Biss will aus einem Frauenknast eine Edel-Absteige machen. Unterstützt wird sie von Uschi Glas und den Sportfreunden Stiller.

Bernd Kastner

Von ganz unten sind sie gekommen, doch längst sind sie Teil der Münchner Society. Man schmückt sich gegenseitig mit den Namen: Die Prominenten mit Biss, wie Münchens Straßenzeitung heißt - und Biss mit Prominenten. So wundert es nicht, wenn Hildegard Denninger, die Biss-Macherin, auf einer langen Liste Namen wie Uschi Glas und Uli Hoeneß präsentiert, OB Ude und Charlotte Knobloch. Und wenn sie Altabt Odilo Lechner für den Segen des Allmächtigen engagiert und die Sportfreunde Stiller für ein Lied auf der Gitarre.

Sie alle wollen nur eines: Dass aus einem Knast ein Luxus-Hotel wird, dass im Frauengefängnis Am Neudeck das "Hotel Biss" entsteht. Ein gewaltiges Projekt für Biss, aber wer Hildegard Denninger erlebt, zweifelt nicht daran, dass es klappen kann.

Knast-Charakter erhalten

Es ist der Startschuss für einen Spendenmarathon. Drei Millionen Euro muss Biss einsammeln, eine davon bis Ende des Jahres, um das 13-Millionen-Projekt zu stemmen. So viel würden Kauf und Umbau der JVA wohl kosten, die ersten Umbaupläne für den denkmalgeschützten Bau sind von der Stadt München schon genehmigt. Von 2010 an sollen in 66 Zimmern Gäste übernachten und die vier Sterne des Hotels genießen in Form eines klosterähnlichen Innenhofs und eines Wellnessbereichs auf dem Dach.

Menschen in sozialen Schwierigkeiten, die sich nicht aufgeben wollen, sollen die Gäste bedienen, sollen so wieder auf die Beine und in den ersten Arbeitsmarkt kommen. 40 Arbeitsplätze will Denningers Team für dieses Klientel schaffen. Zudem sollen in dem 100 Jahre alten Haus 14 altengerechte Wohnungen entstehen. Den Knast-Charakter will man erhalten, nur die Gitter werden wohl verschwinden, des Komforts und der Fluchtwege wegen.

Allein, das Projekt könnte nicht nur an mangelnder Freigiebigkeit der Münchner scheitern. Gefährlicher könnte der Freistaat werden, denn dem gehört der Knast und er verkauft - sofern ihn keine Behörde gebrauchen kann - zum Höchstgebot. Biss hat, um mithalten zu können, einen Finanzantrag bei der Bayerischen Landesstiftung gestellt. Sobald der Betrieb läuft, soll sich das Hotel selbst tragen. "Wir wissen, dass wir's können!", ruft Denninger, präsentiert die Internetseite www.hotelbiss.de, und dann singen die Sportfreunde ihr Lied. "Willkommen in einer neuen Zeit. Ein kleiner Schritt für uns, ein großer Schritt für die Menschlichkeit."

© SZ vom 27.4.2007
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