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Spitzensport:Dabeisein ist nicht alles

Wassersportfestival in München, 2016

Problem Trainingsstätte: Das Münchner Olympiabad wird umgebaut, den Schwimmern fehlen Ausweichmöglichkeiten.

(Foto: Alessandra Schellnegger)

Tut die Stadt genug für den Erfolg ihrer Olympioniken? Nein, meinen diese - ein frostiger Abend für die Sportchefin

Von Ralf Tögel

Erst am Ende der Veranstaltung huschte Beatrix Zurek ein Lächeln über die Lippen, als ihr Alexander von Stülpnagel einen Strauß Blumen überreichte. Der Vorsitzende der Deutschen Olympischen Gesellschaft (DOG), Stadtgruppe München, hatte zum zweiten Spitzensport Summit in den Olympiapark geladen, bei dem die Leiterin des Referats für Bildung und Sport die teils hitzigen Beiträge der Gesprächspartner mit versteinerter Miene zur Kenntnis nahm. Phasenweise war die Diskussion aufgeladen, von Unwahrheiten war die Rede. Vor allem die Vertreter des Spitzensports legten ihre Positionen mit großem Nachdruck dar. Zurek und Hans-Ulrich Hesse, Vorsitzender des Sportbeirats, fanden sich vor etwa 140 Anwesenden, die in der Mehrzahl dem Lager des Spitzensports zuzuordnen waren, schnell in einer defensiven Position. Olaf Bünde, Cheftrainer der Schwimmer am Münchner Olympiastützpunkt, und vor allem Klaus Pohlen, Leiter des Olympiastützpunkts Bayern mit Sitz im Olympiapark, warfen der Stadt mangelnde Unterstützung vor. Die Aktiven wurden von Rollstuhlbasketballspielerin Laura Fürst vertreten, die in Rio Silber gewonnen hatte.

Eingestimmt wurde das Gespräch von Jens Geist, dem leitenden Trainingswissenschaftler am Olympiastützpunkt, der den Münchner Athleten bei den Olympischen Spielen der vergangenen zwölf Jahre eine eher bescheidene Bilanz attestierte. Immerhin brachten sechs Athletinnen aus Rio Silbermedaillen mit nach München, allerdings waren das mit Sara Däbritz, Melanie Leupolz, Leonie Maier, Simone Laudehr und Melanie Behringer fünf Fußballerinnen des FC Bayern. Gerade der Fußball aber ist keine der klassischen olympischen Disziplinen und in München in jeder Beziehung stark vertreten. Immerhin holte die Hockeyspielerin Hannah Krüger vom Münchner SC mit dem deutschen Team Bronze. München jedoch bleibe im Vergleich zu den Großstädten Berlin, Hamburg und Köln zurück, schloss Geist.

Nach Ansicht von Pohlen muss die Stadt entgegensteuern: "Der Leistungssport kann kommunale Aufgabe sein", das stehe auch im neuen Münchner Leistungssportkonzept, die Unterstützung aber lasse stark zu wünschen übrig. Zu wenig Geld, zu wenig Trainingsstätten, zu wenig Bereitschaft der Kommune. Besonders die kürzlich im Stadtrat getroffene Absage an ein neues Hockey-Leistungszentrum sei dafür Beleg. Schwimm-Trainer Bünde, der immerhin drei Münchner Athleten nach Rio gebracht hatte, beklagte vor allem die mangelhaften Trainingsmöglichkeiten: "Wenn Alexandra Wenk, die einen deutschen Uralt-Rekord verbessert hat, in Rio feststellt, dass sie in der Vorbereitung 10 000 Kilometer weniger geschwommen ist als die Konkurrenz aus den USA, sagt das alles." Letztendlich seien im Spitzensport Titel und Medaillen die einzig relevante Währung.

Dem entgegnete Sportbeiratschef Hesse, dass er Jugendkonzepte vermisse, zumal man den Leistungssport "nicht nach dem Gießkannenprinzip" unterstützen könne. Mehr als 40 Verbände hätten Bedarf angemeldet, die Möglichkeiten seien "sehr beschränkt". Letztendlich gehe es "immer um Geld". Die originäre Aufgabe der Stadt sei nun einmal die Förderung des Breitensports, sagte Zurek, beim Spitzensport fühle sie sich von Land und Bund im Stich gelassen. Auch Rollstuhlbasketballerin Laura Fürst würde sich mehr Interesse von der Stadt wünschen. So seien Kolleginnen in Hamburg von hochrangigen Stadtvertretern und vielen Fans empfangen worden. Am Münchner Flughafen seien die Olympiateilnehmer weitgehend unter sich geblieben. Was auch am sinkenden Stellenwert des Spitzensports in der öffentlichen Wahrnehmung liege, so Hesse: "Wir müssen den olympischen Gedanken wieder in den Vordergrund rücken." In diesem Punkt herrschte Konsens, denn "Spitzensport ist die Motivation für Breitensport." Bei diesen Worten lächelte Beatrix Zurek wieder.

© SZ vom 01.12.2016
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