Spielstätte an der Brienner Straße:Drama um das Volkstheater

Die Spielstätte an der Brienner Straße muss aufwendig saniert werden - womöglich zieht die Bühne ganz um.

Dominik Hutter

Die Mitarbeiter des Münchner Volkstheaters müssen möglicherweise in einigen Jahren die Umzugskisten packen. Im Rathaus gibt es inzwischen ernsthafte Überlegungen, die städtische Bühne an einem geeigneteren Standort unterzubringen - vielleicht auch in einem Neubau. "Mit der ewigen Flickschusterei am jetzigen Standort ist es bislang nicht gelungen, ordentliche Arbeitsbedingungen zu schaffen", begründet SPD-Stadtrat Michael Leonhardt einen gemeinsamen Antrag von SPD und Grünen, mit der Suche nach einer neuen Adresse zu beginnen.

Spielstätte an der Brienner Straße: Das Münchner Volkstheater an der Brienner Straße

Das Münchner Volkstheater an der Brienner Straße

(Foto: Robert Haas)

Parallel dazu soll untersucht werden, wieviel Geld investiert werden müsste, um die Bedingungen in dem liebgewonnenen Provisorium an der Brienner Straße zu verbessern. Denn dass die für den Bühnenbetrieb aufgemotzte Hinterhof-Turnhalle durchaus Charme hat, betonen die Theaterleute ebenso wie Aufsichtsratschef Hep Monatzeder. "Für uns ist das ein schöner Standort", sagt Intendant Christian Stückl.

Allerdings ein Standort, der den Stadtkämmerer noch erschauern lassen könnte. Denn Experten haben in einem Nebengebäude erheblichen Sanierungsbedarf ausgemacht. Gerade auch beim Brandschutz entsprechen die Räume nicht mehr den aktuellen Richtlinien. "Das Ergebnis des Gutachtens war ernüchternd", berichtet Bürgermeister Monatzeder (Grüne): "Es wird sehr teuer."

Dabei ist der eigentliche Theatersaal noch nicht einmal überprüft worden. Es gilt als sehr wahrscheinlich, dass auch dort Millioneninvestitionen fällig werden - in ein Gebäude, das der Stadt nicht einmal gehört. "Gut möglich, dass dann der Standort nicht zu halten ist", fürchtet Grünen-Fraktionschef Siegfried Benker.

SPD und Grüne wollen nun eine detaillierte Rechnung sehen, welche Kosten in den kommenden Jahren auf die Stadt zukommen, wenn sie die renommierte Bühne in vertrautem Umfeld belassen. Klar ist aber: Die Brienner Straße darf kein Fass ohne Boden werden - und unter den heutigen Bedingungen sollen die Theatermacher auch nicht weiterwursteln müssen. Gegen einen Verbleib an der Brienner Straße spricht allerdings auch, dass aufwendige Sanierungsarbeiten möglicherweise eine Unterbrechung des Spielbetriebs notwendig machen. "Davor gruselt es mir", sagt Stückl. Es sei für ein Theater immer problematisch, zu pausieren oder vorübergehend eine Ausweichadresse zu haben.

Immerhin hat man etwas Zeit gewonnen. Denn die vor einigen Monaten gekündigten Lagerräume im Rückgebäude stehen dem Theater nun doch noch zur Verfügung, der Hauseigentümer hat den Vertrag verlängert. Bis 2020, dann endet auch das Mietverhältnis im Hauptgebäude, das dem Deutschen Fußballbund (DFB) gehört. Die Kündigung der Lagerräume hatte den Theaterleuten große Logistikprobleme beschert, da viele Kulissen umständlich per Lastwagen herangekarrt werden mussten.

Der Antrag von SPD und Grünen ist ausdrücklich als politisches Bekenntnis zum Erhalt des Volkstheaters gemeint, dessen Schließung noch vor etwa zehn Jahren nicht als ausgeschlossen galt. "Wir wollen die Bühne dauerhaft sichern", verspricht Benker. Das Volkstheater benötige "endlich Sicherheit und vernünftige Arbeits- und Rahmenbedingungen". Bei Stückl ist die Solidaritätsnote denn auch als solche angekommen. "Kein Mensch denkt mehr über eine Schließung nach", freut sich der Intendant. "Das ist ein klares Ja zum Volkstheater."

© SZ vom 24.05.2012/sonn
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