Nach zwei Jahren Leerstand Augustiner-Brauerei kauft den historischen Spieglwirt

Altes Haus wird wieder jung: Die Augustiner-Brauerei saniert den Spieglwirt. Rudolf Böck (ganz links) stößt schon mal drauf an.

(Foto: Catherina Hess)

Der Spieglwirt war die vergangenen Jahre ein Paradebeispiel für das Wirtshaussterben in der Großstadt. Nun will die Augustiner-Brauerei das verlassene Anwesen sanieren und "den Moosacher Bürgern ihr ältestes Gasthaus am Platz zurückgeben".

Von Franz Kotteder

Jetzt bekommt der Schreiner Rudolf Böck auf seine alten Tage tatsächlich noch einen Auftrag von der Augustiner-Brauerei: Er soll den Stammtisch machen für den neuen, alten Spieglwirt in Moosach. "Auf seine alten Tage", das darf man in diesem Fall sagen, denn Rudolf Böck ist stolze 100 Jahre alt und hat Wohnung und Werkstatt gleich ums Eck. Deshalb hat ihn der Moosacher SPD-Stadtrat und Fraktionsvorsitzende im Rathaus, Alexander Reissl, am Mittwoch gleich mitgebracht zum Ortstermin der Brauerei im Spieglwirt, zusammen mit seinem Sohn Rudolf Böck junior, 64.

Der Spieglwirt an der Ecke Feldmochinger-/Pelkovenstraße war die vergangenen Jahre ein Paradebeispiel für das Wirtshaussterben in der Großstadt. Vor eineinhalb Jahren gab der letzte Wirt auf, seither steht das historische, denkmalgeschützte Anwesen aus dem Jahr 1849 leer. Ursprünglich war es ein sogenannter "Viertelhof", also ein Bauernhof, den sich mehrere Landwirte teilten. Sehr rentabel war das wohl von Anfang an nicht, denn schon 1876 wurde ein Wirtshaus aus dem Bauernhof, seit 1898 als Spieglwirt bekannt, weil der Münchner Metzger Franz Xaver Spiegl ihn übernommen hatte.

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Nun hat die Augustiner-Brauerei das verlassene Anwesen erworben und will es umfassend sanieren. Ein Wirtshaus mit Biergarten soll wieder daraus werden. "Wir werden die Wirtschaft in guter Münchner Sitte weiterführen", sagt Geschäftsführer Martin Leibhard, "wir wollen den Moosacher Bürgern ihr ältestes Gasthaus am Platz zurückgeben." Außerdem, so Leibhard, sei Augustiner im Moosacher Dorfkern seit ein paar Jahren gar nicht mehr vertreten gewesen, "diese Lücke müssen wir natürlich schließen".

Die Pläne für die Renovierung des historischen Wirtshauses sind bereits fertig, sie müssen jetzt noch mit dem Denkmalschutz abgestimmt werden. Aber bei Augustiner ist man zuversichtlich, mit den Arbeiten zügig beginnen zu können. Einen Zeitplan für die Wiedereröffnung gibt es noch nicht, die Sanierung kann bis zu zwei Jahre dauern. Und für spontane Einfälle ist immer noch Zeit. Wie für die mit dem neuen Stammtisch.

Rudolf Böck senior kann sich jedenfalls schon mal an die Arbeit machen. Schon sein Vater ist Schreiner gewesen, hat die frühere Vertäfelung des Wirtshauses zum Teil gemacht. Und er hat oft erzählt, wie der Prinzregent Luitpold einmal auf der Jagd im Spieglwirt einkehrte und dicke Zigarren rauchte. Böck selbst ist auch mit 100 noch topfit, liest täglich die SZ, hat natürlich viel zu erzählen und fährt noch immer gerne in den Hirschgarten auf eine Mass Bier, wie er sagt. Künftig kann er danach ja noch auf eine Halbe an seinem selbst geschreinerten Stammtisch im Spieglwirt einkehren.