Paulaner verklagt KarlsbergKann man diese zwei Spezi verwechseln?

Lesezeit: 2 Min.

Retro-Design, ähnliche Farben, wellenförmige Anordnung: Um solche Themen geht es vor Gericht.
Retro-Design, ähnliche Farben, wellenförmige Anordnung: Um solche Themen geht es vor Gericht. Imago, Karlsberg; Collage: SZ

Paulaner verklagt die Karlsberg-Brauerei, weil die alles getan habe, um sich mit ihrer Brauerlimo „an den Marktführer anzulehnen“. Vor Gericht schäumt der Streit  über. Um den Geschmack geht es dabei ganz und gar nicht.

Von Andreas Salch

SZ bei Google bevorzugen

Mit Argusaugen wacht die Münchner Paulaner-Brauerei darüber, dass keiner ihrer Konkurrenten ein Mixgetränk verkauft, dass von der Bekanntheit des Paulaner Spezis profitieren oder gar mit ihm verwechselt werden könnte. Erst kürzlich geriet der emsländische Getränkehersteller Berentzen ins Visier der Münchner Brauer. Die Niedersachsen nämlich vertreiben ein Mixgetränk mit der ulkigen Bezeichnung „Mio Mio Cola+Orange Mische“.

Und das passt der Paulaner-Brauerei ganz und gar nicht. Genauer gesagt geht es ihr um das Etikett der Brause aus dem Norden. Farblich entspricht es dem Geschmack der 70er-Jahre - genau wie das Spezi-Etikett, glaubt die Paulaner-Brauerei. Da angeblich Verwechslungsgefahr für den Verbraucher bestehe, hat sie Berentzen in einem Zivilverfahren vor dem Landgericht München I verklagt - genauso wie nun die Karlsberg-Brauerei aus Homburg.

Rechtsstreit
:Kopie oder Retro-Tapete?

Die Paulaner-Brauerei hat den Getränkehersteller Berentzen verklagt. Das Etikett der Mio-Mio-Brause komme ihrer Spezi auffällig nahe. Der Konkurrent verweist auf das alte Studi-Zimmer seines Marketing-Chefs.

SZ PlusVon Ann-Marlen Hoolt

Die Saarländer brauen wie Paulaner bei Weitem nicht nur Bier, sondern auch eine koffeinhaltige Cola-Orangen-Limonade mit der Bezeichnung „Brauerlimo“. Das Getränk, so erfährt man auf der Homepage von Karlsberg, sei „das ‚Ahh‘ und ‚Ohh‘ der Cola-Orangen-Limonaden!“  Dass Karlsberg seine „Brauerlimo“ in so hohen Tönen anpreist, nimmt die Konkurrenz in München hin. Paulaner ist vielmehr, ebenso wie im Fall Berentzen, das Etikett der „Brauerlimo“ ein Dorn im Auge.

Das Design des Etiketts der „Brauerlimo“, das sich am Stil der 70er orientiert, könne dazu führen, dass Verbraucher das Mixgetränk mit Paulaner Spezi verwechseln, das ebenfalls ein Etikett im Retro-Design habe, so der Vorwurf. Die Münchner haben Karlsberg deshalb jetzt vor der auf Marken- und Wettbewerbsrecht spezialisierten 33. Zivilkammer am Landgericht München I verklagt. Die Saarländer sollen ihr Etikett für ihre „Brauerlimo“ nicht länger verwenden dürfen, fordert Paulaner.

Zu einer Annäherung zwischen den beiden Rivalen kam es in der Verhandlung am Dienstag nicht. Zu tief sind die Gräben. Zwischen dem Spezi-Etikett und dem der „Brauerlimo“ bestehe eine „hochgradige Ähnlichkeit“, zitierte der Vorsitzende, Richter Vincent Mayr, am Beginn des Prozesses aus der Klageschrift der Vertreter der Paulaner-Brauerei. Aber nicht nur das. Sogar die „Farbverteilung“ auf dem Etikett der „Brauerlimo“ ähnle angeblich der des Spezis von Paulaner. Nicht zuletzt stimme auch die „geometrische Anordnung“ der Farben auf dem Etikett der „Brauerlimo“ mit der des Spezis überein, da sie „wellenförmig“ sei. Fazit der Anwälte von Paulaner: Es liege eine „vermeidbare Herkunftsverletzung“ vor.

Prozess
:Spezi bleibt Spezi

Wer hat's erfunden? Die Augsburger Familienbrauerei Riegele. Die streitet sich mit Paulaner um die Namensrechte - und gibt jetzt klein bei, weil die Münchner vor einem halben Jahrhundert 10 000 Mark auf den Tisch gelegt haben.

Von Susi Wimmer

Der Vertreter der Karlsberg Brauerei, Rechtsanwalt Jens Petry, indes vertrat unter anderem die Ansicht, dass eine farbenfrohe Produktaufmachung für Cola-Mixgetränke am Markt heutzutage üblich sei. „Farbenfroh?“, stutzte sein Kollege, Rechtsanwalt Christian Tenkhoff, als Vertreter von Paulaner und entgegnete, dass die dominierende Farbe bei Mixgetränken heute „eher braun“ sei. Karlsberg habe farblich mit dem Etikett der „Brauerlimo“ alles getan, „um sich an den Marktführer anzulehnen“, so sein Vorwurf.

Für ihn, so Tenkhoff, sei klar, dass „die Farben das dominierende Element“ auf dem Etikett des Konkurrenten seien. „Drei Farben sind meines Erachtens identisch“, sagte Tenkhoff und unterstellte, dass dies „sogar bewusst so gemacht“ worden sei. Somit bestehe eine Verwechslungsgefahr für den Verbraucher. Die Paulaner-Brauerei habe deshalb einen Anspruch auf Unterlassung.

Fast zwei Stunden lang beharkten sich die beiden Anwälte und diskutierten sogar darüber, ob bei der „Brauerlimo“, die auch in der Dose erhältlich ist, der Knick am oberen Rand dazu beiträgt, eine wellenförmige Struktur herbeizuführen, wie die farbigen Wellen auf dem Spezi-Etikett. Einen Vergleich zu schließen, kam für beide Parteien nicht in Frage. Das Gericht wird deshalb Ende März eine Entscheidung verkünden.

© SZ - Rechte am Artikel können Sie hier erwerben.
Zur SZ-Startseite

Selbstversuch
:300 Flaschen Spezi, 50 000 Kilokalorien, 11 Kilo Zucker

Christian Jobst ist auf der Suche nach Cola-Mix-Getränken durch ganz Bayern geradelt. Was lernt man, wenn man die alle trinkt?

SZ PlusVon Sonja Niesmann

Lesen Sie mehr zum Thema

  • Medizin, Gesundheit & Soziales
  • Tech. Entwicklung & Konstruktion
  • Consulting & Beratung
  • Marketing, PR & Werbung
  • Fahrzeugbau & Zulieferer
  • IT/TK Softwareentwicklung
  • Tech. Management & Projektplanung
  • Vertrieb, Verkauf & Handel
  • Forschung & Entwicklung
Jetzt entdecken

Exklusive Gutscheine für SZ-Abonnenten: