Spende für Bayernkaserne:500 000 Tassen Kaffee - und die Folgekosten

Elisabeth Ramzews

Lisa Ramzews inmitten der Kaffeepaletten, die ein Lastwagen vor der Bayernkaserne abgeliefert hat. Inzwischen ist klar, von wem die Spende ist.

(Foto: Lukas Barth)

Eine Spende von sechs Paletten Kaffee und der Hinweis "Für Flüchtlinge" stellen die Innere Mission vor Probleme, wie Betreuerin Lisa Ramzews im Interview sagt: Wie soll man das bloß alles ausschenken, wenn man weder Milch noch Zucker oder Becher hat?

Interview von Kassian Stroh

Seit 16 Jahren betreut Lisa Ramzews, 56, für die Innere Mission Flüchtlinge in München. In all der Zeit hat sie auch schon viel Hilfsbereitschaft der Bevölkerung erfahren, so etwas wie vergangene Woche aber noch nie erlebt: Am Montag fuhr an der Bayernkaserne plötzlich ein holländischer Lastwagen vor und lieferte sechs Paletten Kaffee ab. "Für Flüchtlinge" stand dabei, sonst nichts. Und vor allem nicht, wer der Spender war. Nun haben Ramzews und ihre Kollegen von der Inneren Mission ein Problem.

SZ: Frau Ramzews, überwiegt bei Ihnen die Freude über den vielen Kaffee oder ...

Lisa Ramzews: Nein, nein, natürlich die Freude. An unserem "Lighthouse Welcome Center" schenken wir Kaffee und Tee aus, dafür ist das gut. Da haben wir uns sehr gefreut. Seine Gedanken macht man sich ja erst hinterher. Als wir dann überlegt haben, wie viel Milch und Zucker wohl dazu genommen wird, hatten wir das Aha-Erlebnis: Das hat ja Folgekosten. Ich habe das mal ausrechnen lassen.

Was ist rausgekommen?

Zum einen, dass man etwa 500 000 Tassen Kaffee daraus machen kann. Zum anderen, dass wir an die 20 000 Euro brauchen - für Milch, Zucker, Becher und Rührstäbchen. Strom ist da übrigens noch gar nicht berücksichtigt.

Und das Geld haben Sie nicht.

Das Budget eines Sozialdienstes ist ja nicht darauf ausgelegt, dass ich in diesen Mengen Milch und Zucker kaufe. Deshalb haben wir jetzt einen Plan A: Wir finden eine Molkerei oder einen Zuckerhersteller, der uns etwas spendet. Unser Plan B wäre eine Kooperation mit der Catering-Firma, die hier in der Bayernkaserne tätig ist. Die Frage ist nur, ob das rechtlich möglich ist, dass sie den Kaffee ausschenkt oder dass sie einen Teil des Kaffees bekommt und wir von der Firma dafür Milch und Zucker. Das alles werde ich mal ausloten.

Und haben Sie überhaupt die Kaffeemaschinen dafür?

Drei Paletten waren voll mit Filterkaffee, drei mit Kaffee-Pads. Dafür hatten wir tatsächlich keine Maschinen, da hat sich inzwischen aber jemand erboten, zwei, drei Maschinen zu stiften. Dann könnten wir sie in der Kleiderkammer einsetzen. Das Grundproblem ist: Asylbewerber können sich hier in der Bayernkaserne nicht mehr selbst Kaffee oder Tee zubereiten - eigentlich wäre das ja die einfachste Variante, jedem ein Päckchen in die Hand zu drücken.

Warum geht das nicht mehr?

Das hat logistische Gründe. Seit mehr als einem Jahr, als hier immer mehr Menschen ankamen, gibt es zwei Kantinen, wo morgens, mittags und abends gegessen wird. In den Erstaufnahmeeinrichtungen werden nur, wie das bei der Regierung so nett heißt, "zubereitete Speisen" abgegeben. Mahlzeiten selber zubereiten kann man seitdem nicht mehr. Vielleicht hat der edle Spender das einfach nicht gewusst.

Und nun steht der Kaffee ungenutzt in Ihrem Lager. Sie haben aber sicher schon mal eine Tasse probiert.

Ja, klar.

Und?

Das ist eine holländische Marke, die ich persönlich sehr schätze, die ich auch immer kaufe, wenn ich da oben bin, weil es die in Deutschland kaum gibt. Aber da stand darauf: "Für Flüchtlinge" - und das nehme ich sehr ernst. Abgesehen davon, dass ich so viel Kaffee in meinem Leben wohl nicht trinken werde.

Und bis Montag hatten Sie keine Ahnung, wer den Kaffee gestiftet hat.

Richtig. Wir haben uns gedacht, dass es der holländische Hersteller wohl nicht war - was soll der mit Flüchtlingen in München zu schaffen haben? Wir haben deshalb angenommen, dass da jemand dahinter steckt, der entsprechende Verbindungen hat. Da fiel uns nur eine Dame aus dem bayerischen Hochadel ein, die zuletzt hier in der Bayernkaserne da war und sich informiert hat.

Haben Sie sie gefragt, ob sie es war?

Nein, man kann ja nicht einfach anrufen und fragen: Hallo, dürfen wir uns für die Kaffeespende bedanken? Am Ende fällt die Dame vom Stuhl und weiß von gar nix. Nein, wir haben über das Sozialreferat recherchiert und herausgefunden, wer es war: Dort hat sich am Montag per Mail ein "freiwilliger Initiativkreis" gemeldet - um Dietrich von Gumppenberg, Anna von Bayern und Viktoria von Wulffen.

Schon Kontakt gehabt?

Nein, noch nicht. Aber die erste Becherspende kommt: Am Montag hat mich eine andere Privatperson angerufen und versprochen, 10 000 Becher zu besorgen.

© SZ vom 18.02.2015/vewo
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