Kulturpolitik:Starthilfe für die Künste

Die Münchner SPD/Volt-Stadtratsfraktion will Kulturszene und Veranstaltern mit einem 10-Punkte-Programm helfen. Denn nach monatelangen Schließungen, begrenzten Zuschauerkapazitäten, Hygiene- und Abstandsregeln sieht man die Zeit für einen Neuanfang gekommen.

Von Susanne Hermanski, München

Die SPD/Volt-Stadtratsfraktion hat einen Katalog von zehn Maßnahmen aufgelegt, der die Kultur beim Neustart nach Monaten der Corona-bedingten Schließungen und Begrenzungen unterstützen soll. Das Paket umfasst knapp 1,5 Millionen Euro pro Jahr, ist dauerhaft ausgelegt und wird auch vom Koalitionspartner Die Grünen/Rosa Liste unterstützt. Finanziert wird es über den Coronafolgen-Fonds, den SPD/Volt im Juli vorgestellt hat.

Julia Schönfeld-Knor, kulturpolitische Sprecherin der SPD, betont die Wichtigkeit des Gelingens, wenn man "auch nach Corona noch ein vielfältiges Kulturleben genießen" wolle, das die Stadt ganz wesentlich präge. Auch ihr Stellvertreter Roland Hefter sagt: "Kultur verbindet Menschen unabhängig von ihrem Glauben, ihrer Herkunft und ihrer Hautfarbe. Künstlerinnen und Künstler, die oft ein unkonventionelles Leben führen, bereichern unsere Stadt." Folgende Punkte umfasst der Plan, der an diesem Montag bekannt gegeben worden ist.

Mietzuschüsse

Mietzuschüsse sollen strukturell helfen. Dabei soll das Programm zur Vergabe der Förderung von Ateliers und Probenräumen finanziell besser ausgestattet und überarbeitet werden. Aktuell sind etwa nur Mieten bis zu 14 Euro pro Quadratmeter förderfähig. "Das geht an der Realität in München vorbei", steht im Programm. Zuschuss: 130 000 Euro.

Fonds für Zwischennutzung

"Leerstand soll vermieden werden. Der neue Fonds ermöglicht unkompliziert die Anmietung und die Erstausstattung für Locations, um kleinere Projekte für Zwischennutzungen schnell unterstützen zu können", heißt es in der Vorlage. Zuschuss: 200 000 Euro.

Geld für Freie Szene

Das Kinder- und Jugendtheater (inklusive einer Absicherung des Pathos-Jugendclubs und des Jugendtheaters im Hoch X) soll mehr Geld erhalten, ebenso die freien Theater. Die Infrastrukturzuschüsse sollen aufgestockt werden, ebenso die Förderpreise etwa für Bildende Kunst und Literaten sowie die Förderung von Lesereihen und das Budget fürs Literaturfest. Zuschuss: 520 000 Euro.

Musikclubs und Kinos

Besonders sollen Clubs gefördert werden, die mit künstlerisch ambitionierter Livemusik glänzen. Dafür soll ein neuer Preis alle zwei Jahre ausgelobt werden. Gleichzeitig sollen die Programmkino-Preise erweitert werden. Zuschuss: 50 000 Euro.

Stipendien

Der Ausbau der städtischen Stipendienprogramme von der Bildenden Kunst über Tanz und Musik bis hin zu Literatur steht auf dem Plan. Die 2021 erstmals vergebenen Arbeitsstipendien in Höhe von 4000 Euro sollen dauerhaft etabliert werden. Zuschuss: 200 000 Euro.

Volkskultur

Brauchtum, Laienspiel, Dialekt, Tanz, Tracht, Volksmusik und die Vernetzung unterschiedlicher Kulturen sind im Programm unter dem Stichwort "Volkskultur" subsummiert. Sie sorge dafür, "dass alle Bevölkerungsgruppen sich hier heimisch fühlen können". München sei zudem die einzige deutsche Großstadt, die sich für dieses Thema eigenes Personal leiste, dieses solle auch handlungsfähig sein. Zuschuss: 35 000 Euro.

Inklusive Projekte

Um die Teilhabe weiter zu verbessern, soll das Kulturreferat inklusive Projekte noch stärker fördern. Also solche, die Menschen mit Behinderung in die Konzeption einbinden und auf Augenhöhe einbeziehen. Zuschuss: 50 000 Euro.

Kulturelle Bildung

Wichtig sei, dass alle Münchner Kunst und Kultur kennenlernen und mitgestalten können. Die Koordinierungsstelle Kulturelle Bildung existiert seit 2009 und hatte bisher jährlich ein Budget von 230 000 Euro, das nun aufgestockt wird. Zuschuss: 100 000 Euro.

Stadtteilkultur

2022 soll "ein großes Restart-Festival nach der Corona-Pandemie" steigen. Von 2023 an sollen diese Mittel dauerhaft für die Stadtteilkultur zur Verfügung stehen. Deren Unterstützungsangebot reicht von Beratung und Kooperation über die Vermittlung von Räumen bis zu mobilen Formaten. Zuschuss: 200 000 Euro.

Frauenanteil

Das "Gender-Budgeting" soll ausgebaut werden. So könnte zum Beispiel die Vergabe von Programmpreisen an die Vorgabe geknüpft sein, dass das Programm mindestens zur Hälfte Frauen berücksichtigt.

© SZ/aw
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