Forderung nach Abschied von der DoppelspitzeMünchens OB Reiter will, dass Klingbeil SPD allein führt

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Dieter Reiter fordert einen personellen und thematischen Neuanfang für die SPD.
Dieter Reiter fordert einen personellen und thematischen Neuanfang für die SPD. Matthias Balk/dpa

Lars Klingbeil steht bisher gemeinsam mit Saskia Esken an der Spitze der Partei. Dass der Münchner Oberbürgermeister kein Fan von ihr ist, ließ sich schon zuvor merken.

Lars Klingbeil soll nach Meinung von Münchens Oberbürgermeister Dieter Reiter (SPD) nach dem Wahldebakel seiner Partei alleiniger Chef der Sozialdemokraten werden. „Lars Klingbeil ist tatsächlich für mich persönlich der Hoffnungsträger der SPD für die nächsten Jahre, wahrscheinlich Jahrzehnte“, sagte Reiter der Deutschen Presse-Agentur in München. „Er hat alles, was uns abgegangen ist. Er ist sympathisch, er ist klar, er ist jemand, der sich gut ausdrücken kann.“

Bisher steht Klingbeil mit Co-Chefin Saskia Esken an der Spitze der Partei. Zudem hat er sich nach der Wahl als Fraktionschef im Bundestag beworben. Klingbeil habe damit zwar „natürlich auch eine Teilverantwortung als Parteivorsitzender für das Wahlergebnis“, sagte Reiter. Aber er wisse ziemlich sicher, dass Klingbeil vor der Wahl „nicht alles umsetzen konnte, was er sich vorgestellt hatte“.

Klingbeil brauche „jetzt eine klare Machtposition, damit er auch einen vernünftigen Verhandlungsstil und eine vernünftige Verhandlungsposition der CDU/CSU gegenüber hat“, betonte Reiter. Das Thema Doppelspitze solle die Partei daher der Vergangenheit angehören lassen: „Es braucht eine Richtung und die wird von einem Vertreter letztlich auch durchgesetzt. Und ansonsten haben wir wieder Verschiedene, die reden, Verschiedene, die dann in Talkshows gehen, unterschiedliche Sachen sagen.“

Reiter hatte sich in der Vergangenheit nicht unbedingt als Fan von Partei-Co-Chefin Esken hervorgetan. Unter anderem monierte er in einem Interview mit dem Tagesspiegel im vergangenen Jahr die „skurrilen Auftritte“ Eskens in Talkshows.

Beim Abschied von der Doppelspitze gehe es ihm jetzt aber nicht um Esken als Person, sondern um inhaltliche Unterschiede zum linken Parteiflügel, betonte Reiter. „Wir müssen in der Mitte stärker werden, damit die Ränder schwächer werden“, sagte er. „Das kann ein Lars Klingbeil nur dann vernünftig ausführen, wenn er wirklich alleinige Parteispitze ist und Fraktionsvorsitzender.“ „Es geht um nicht mehr und nicht weniger als um die Existenz der SPD“, sagte der Münchner OB. „Deswegen, glaube ich, braucht es jetzt einen echten Neuanfang, personell und thematisch.“

Wichtiger als Personalentscheidungen sei jetzt im Vergleich aber eine schnelle Regierungsbildung, betonte Reiter. „Jeder Monat, in dem es jetzt keine Regierung gibt, wird der AfD neues Futter geben, zu sagen: „Schau mal, wir haben es doch gleich gesagt. Ohne uns geht es nicht.“

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