SPD in München Bald nur noch Juniorpartner?

Düstere Spekulationen zum derzeitigen Wählerschwund

"Trotzig und kämpferisch" vom 29./30. Mai und "Abstimmen, wie es beliebt" vom 28. Mai:

Über den bundesweiten Wählerschwund bei der SPD ist schon viel geschrieben worden. In München hat die Partei zudem den Fehler begangen, dass sie sich nach der letzten Kommunalwahl auf die Liaison mit der CSU eingelassen hat. Die Option, mit wechselnden Mehrheiten zu agieren, wäre zwar mühsamer gewesen, hätte der SPD aber erlaubt, mehr Profil zu zeigen. So war es zwar scheinbar einfacher, aber vieles, was aus der SPD kam, verwässerte, und oft hatte man den Eindruck, es sollte Einvernehmen mit der CSU demonstriert werden.

Zudem musste sich Dieter Reiter ständig des Zweiten Bürgermeisters Josef Schmid von der CSU erwehren, der sich vom Ehrgeiz getrieben mehr als ein Co-Oberbürgermeister denn als eine Nummer Zwei sehen wollte. Als Schmid sich trotzdem bei der letzten Landtagswahl in ein Mandat im Landtag flüchtete, da er sich wohl zu wenig Chancen auf den OB-Sessel ausrechnete, glaubte Herr Reiter offensichtlich, seinen stärksten Widersacher los zu sein. Vermutlich hat man aber bei der SPD nicht nur nicht damit gerechnet, dass grüne Themen in kurzer Zeit noch mal einen derartigen Schub bekommen, sondern auch, dass die Grünen sich zu einer Art Lifestyle-Partei entwickeln würden. Es ist mittlerweile schick, die Grünen zu wählen. Nicht umsonst haben sie im Glockenbachviertel ihr bestes Ergebnis eingefahren.

Nun ist das Gejammer groß bei der SPD, und man versucht zu retten, was noch zu retten ist. In den neun Monaten bis zur Kommunalwahl kann zwar noch einiges passieren, aber nach gegenwärtigem Stand wird es Herr Reiter trotz Amtsbonus schwer haben. Für die SPD reicht es dann höchstens noch zum Juniorpartner unter den Grünen. Stephan Deisler, München