Sparmaßnahme bei Münchner S-Bahn Zurückbleiben, bitte

Die Deutsche Bahn muss die Glaskabinen auf den S-Bahnsteigen im Innenstadttunnel für viel Geld sanieren.

Die Glaskanzeln an den Münchner S-Bahn-Stationen müssen sie teuer saniert werden - darauf will die Bahn womöglich verzichten. Doch das könnte zu noch mehr Störungen auf der Stammstrecke führen.

Von Marco Völklein

Die Deutsche Bahn lässt prüfen, ob sie künftig an den Tunnelbahnhöfen der S-Bahn-Stammstrecke auf die sogenannten Abfertiger in ihren Glaskanzeln verzichten kann. "Wir haben einen entsprechenden Prüfauftrag erteilt", bestätigt S-Bahn-Chef Bernhard Weisser Informationen der Süddeutschen Zeitung aus Mitarbeiterkreisen. Hintergrund ist laut Weisser ein "hoher einstelliger Millionenbetrag", den die Bahn in die Sanierung der Glaskanzeln stecken müsste.

Allerdings erfüllen die Abfertiger auch eine wichtige Funktion im eng getakteten S-Bahn-Betrieb auf der Stammstrecke: Ohne sie könnten dort künftig noch mehr Verspätungen auflaufen. Deshalb betont S-Bahn-Chef Weisser, dass eine endgültige Entscheidung noch nicht getroffen sei. "Wir sind da ergebnisoffen unterwegs." Am Ende könne genauso gut die Erkenntnis stehen, dass die Abfertiger weiterhin gebraucht werden - und die Bahn das Geld in die Hand nimmt, um die Glaskabinen zu sanieren.

Mitarbeiter hatten zuletzt unter anderem über die beengten Verhältnisse geklagt. Die Kanzeln in den mehr als 40 Jahre alten S-Bahn-Stationen seien "in die Jahre gekommen", räumt auch Weisser ein. Eine Renovierung sei aus Sicht der Gewerkschaften "dringend erforderlich", findet zudem Paul Eichinger von der Eisenbahnergewerkschaft EVG. Die erste Prüfung, die den Sanierungsbedarf im "hohen einstelligen Millionenbereich" verortet hatte, sei "deutlich höher ausgefallen als gedacht", sagt Weisser.

Technik und Abwasserleitungen

In den Kanzeln laufen neben der kompletten Signal- und Kommunikationstechnik unter anderem auch Wasser- und Abwasserleitungen zusammen. Unterm Strich könne der Sanierungsbedarf "auch noch höher ausfallen", sagt Weisser. Daher lasse der Schienenkonzern nun auch "Alternativszenarien" prüfen. Bei den S-Bahnen in Hamburg und Berlin hat die Bahn die Abfertiger bereits ganz oder zumindest auf Teilstrecken abgeschafft.

Allerdings räumt Weisser ein, dass die Leute in den Glaskabinen eine "verantwortungsvolle und sehr wichtige Aufgabe" wahrnehmen. Die Mitarbeiter haben nämlich von dort aus den gesamten Bahnsteig im Blick und sorgen dafür, dass der Lokführer die Türen schnell schließen und - insbesondere zu Stoßzeiten - mit seiner Bahn das Gleis rasch räumen kann für den nachfolgenden Zug. Kurze Aufenthalte in den Stationen sind laut Weisser "ein wichtiger Faktor für Pünktlichkeit und Stabilität".

Drohten am Ende Verschlechterungen bei der Pünktlichkeit, "kann ich mir nicht vorstellen, dass die S-Bahn auf die Abfertiger verzichtet", sagt der Gewerkschafter Eichinger. Zumal da die Bahn in der Vergangenheit verstärkt Anstrengungen unternommen hat, um den Abfahrtsprozess an den Stationen zu beschleunigen und so die Pünktlichkeit bei den S-Bahnen zu verbessern. So ließ Weisser unter anderem gelbe Markierungen an die Türen pinseln, um zu verhindern, dass Fahrgäste die Lichtschranken blockieren und so das Schließen der Waggontüren verzögern.

Mitarbeiter mit vielen Aufgaben

Im Lauf des Jahres 2014 rechnet der S-Bahn-Chef mit Ergebnissen der derzeit laufenden Überprüfung und einer Entscheidung über die Zukunft der Abfertiger und eine mögliche Sanierung der Glaskanzeln. Denkbar sei ebenso gut, die Unterkünfte auf den Bahnsteigen neu zu errichten, sagt er. Betroffen sind davon etwa 120 Mitarbeiter, die die S-Bahn in ihrem "Service-Team" zusammengezogen hat.

Die Mitarbeiter schieben nicht nur Dienst in den Abfertigerkabinen auf den S-Bahn-Stationen; die Bahn setzt sie auch bei großen Störungen als Info-Kräfte ein. Zudem sind sie als Fahrscheinkontrolleure in den S-Bahnen unterwegs.