Dok-Fest-FilmtippUnser gespaltenes Verhältnis zur Atomkraft

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Szene aus João Pedro Prados und Anton Yaremchuks Dokumentarfilm „Spaltung“.
Szene aus João Pedro Prados und Anton Yaremchuks Dokumentarfilm „Spaltung“. (Foto: Dok-Fest München)

Atomkraft? Nein Danke! Längst nicht alle Menschen sind dieser Meinung. Ein neuer Dokumentarfilm lässt Gegner und Befürworter zu Wort kommen. Einer von ihnen sagt: „Ich weiß nicht mehr, wo der Wind herkommt, seitdem das Ding nicht mehr dampft.“

Von Josef Grübl

Spoilern oder triggern? Das ist bei Filmbesprechungen oft die entscheidende Frage: Wer zu viel von einem Film verrät, womöglich sogar dessen Ende, ist des Spoilerns überführt und hat es sich mit dem Großteil des Publikums verscherzt. Doch wer nicht auf potenziell verstörende oder belastende Inhalte hinweist, verletzt seine Trigger-Warn-Aufgaben.

Was aber, wenn der Trigger spoilert? Wenn also die Warnhinweise zu viel vom Inhalt verraten? Dann sieht man João Pedro Prados und Anton Yaremchuks Dokumentarfilm „Spaltung“, darin heißt es gleich zu Beginn: „Dies ist ein Werbefilm. Er wirbt für Ihr Verständnis – gegenüber Kernkraftwerken.“ Wer sich weiterhin lieber grusele bei diesem Thema, wird ebenfalls angesprochen: „Wir haben Sie gewarnt“, heißt es später. Da fragt man sich als aufmerksamer Zuschauer, was das sein soll: Eine Ode an die Kernenergie? Oder gar eine Art Umkehrerklärung vom 2023 erfolgten Atomausstieg?

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Mitnichten, erklärt der Produzent des Films, Michael Kalb. Der Ausschnitt stamme aus einem Werbespot, der das in den Siebzigerjahren erbaute Kernkraftwerk Zwentendorf an der Donau anpreisen sollte. Das hat bekanntlich nicht so gut funktioniert, die österreichische Bevölkerung stimmte dagegen, das Werk ging nie in Betrieb. „Unser Film ist kein Werbefilm“, sagt Kalb, der an der HFF München studiert hat und in den vergangenen Jahren als Produzent von Kurz-, Spiel- und Dokumentarfilmen („Shahid“, „Die letzten Zeitzeugen“) von sich reden machte. „Es geht um das gespaltene Verhältnis der Menschen zum Thema Atomkraft“, sagt er.

Seinen Anfang nahm das Filmprojekt in der schwäbischen Gemeinde Grundremmingen, wo 2021 eines der letzten Kernkraftwerke Deutschlands stillgelegt wurde. Kalb hat einen direkten Bezug dazu, er ist in einer Nachbargemeinde aufgewachsen. Im Film sind auch Nachbarn zu sehen, die mit dem Atom-Ende hadern – wenngleich auch aus kuriosen Gründen: „Ich weiß nicht mehr, wo der Wind herkommt, seitdem das Ding nicht mehr dampft“, sagt ein Mann mit Blick auf die ruhenden Kühltürme. Die aus Brasilien und der Ukraine stammenden Regisseure waren in Grundremmingen, sie fuhren aber auch nach Polen – wo im Ostsee-Dorf Choczewo das erste Kernkraftwerk des Landes gebaut wird.

„Make Nuclear, No War“: Polnische Demonstranten werben für Atomkraft.
„Make Nuclear, No War“: Polnische Demonstranten werben für Atomkraft. (Foto: Dok-Fest München)

Es treten Musiker auf, die Anti-Atomlieder singen und polnische Umweltschützer, die für Atomkraft werben und den deutschen Ausstieg kritisieren. Ohne zu viel zu spoilern: Keiner von ihnen wird am Ende von seiner Meinung abrücken oder gar belehrt werden. Das Thema sei eben kompliziert, es gebe viele Standpunkte – da könne es keine „Schwarz-Weiß-Haltung“ geben, so Kalb. Sein Film entstand in Zusammenarbeit mit dem ZDF, dort soll er in den kommenden Monaten auch zu sehen sein. Wer ihn mit anderen Menschen erleben und im Anschluss darüber diskutieren möchte, hat beim Dok-Fest Gelegenheit dazu.

Spaltung, beim Dok-Fest online und in der Pasinger Fabrik (Donnerstag, 15. Mai, 18 Uhr) sowie in der HFF (Freitag, 16. Mai, 16 Uhr) zu sehen

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