Weltraumkunst:Wanderer zwischen den Welten

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Weltraumkunst: Abstrakte Bilder der vier Elemente, jedem ist eine Himmelsrichtung zugeordnet, spielen eine wichtige Rolle im Spaceprojekt von Felix Hörhager: Das Feuer steht für die Himmelsrichtung Osten.

Abstrakte Bilder der vier Elemente, jedem ist eine Himmelsrichtung zugeordnet, spielen eine wichtige Rolle im Spaceprojekt von Felix Hörhager: Das Feuer steht für die Himmelsrichtung Osten.

(Foto: Felix Hörhager/picture alliance)

13 Jahre hat Felix Hörhager an seinem "Spaceprojekt" gearbeitet. Der Videokunstfilm soll Entspannung im Universum und Hoffnung schenken. Was steckt hinter dem kuriosen Projekt?

Von Greta Hüllmann

Plant man einen Kinobesuch, führt man sich zuvor entweder den Trailer zum Film oder die verliebte Kritik im Feuilleton des Vertrauens zu Gemüte. Mehr Vorbereitung bedarf es allenfalls bei Romanverfilmungen, schon um, wie es die Etikette gebietet, die Schwäche des Films gegenüber dem Genie der Autorin hervorzuheben. Felix Hörhagers "Spaceprojekt" ist aber keine deutsche Fortsetzung von "Interstellar", sondern ein Videokunstfilm, der womöglich mehr Recherche verlangt, um ihn zu verstehen. Die Website zum "Spaceprojekt" bietet nicht nur die anderthalb Stunden Film als kostenlosen Stream, sondern auch eine Beschreibung der einzelnen Akte. Die "Zusammenfassung allen Wissens" wird versprochen, die dritte Dimension werde zum fünften Element und aus eigenen Gedanken werden die Gedanken anderer. Vielleicht gehört ein Aluhut zum Dresscode der Vorstellung, so schwurbelig muten manche Sätze an. Vielleicht ist Vorbereitung aber auch einfach nicht der richtige Weg, um sich auf das Opus magnum des Künstlers und Fotografen einzulassen.

Weltraumkunst: Das Element Erde steht für die Himmelsrichtung Westen.

Das Element Erde steht für die Himmelsrichtung Westen.

(Foto: Felix Hörhager/picture alliance)
Weltraumkunst: Das Wasser verortet Hörhager im Süden.

Das Wasser verortet Hörhager im Süden.

(Foto: Felix Hörhager/picture alliance)
Weltraumkunst: Die Luft gehört für Hörhager zum Norden.

Die Luft gehört für Hörhager zum Norden.

(Foto: Felix Hörhager/picture alliance)

13 Jahre arbeitete Hörhager an dem Projekt, das Astronauten im Weltall entspannen soll. "Ich habe mich damals gefragt: ,Was willste in deinem Leben noch erreichen?', und mir kam der Gedanke, dass es toll wäre, wenn Astronauten meine Filme sehen", berichtet Hörhager bei einem Cappuccino. Seine Hände zittern, er lehnt sich beim Sprechen nach vorne und schenkt seiner Basecap, die auf dem Boden liegt, keine Beachtung: Sein ganzer Fokus ruht auf dem Projekt. Während der Entstehung war das anders. Die Fotoaufträge, die er für die Deutsche Presseagentur übernahm, finanzierten die Kunst; ein Grund für die lange Entstehungszeit. "Die Hälfte der Zeit arbeite ich als Fotograf, die andere als Künstler. Das eine schließt das andere nicht aus", sagt er. "Der Kontakt mit der Nachrichtenwelt hilft, die Weite zu behalten." Im "Spaceprojekt" sieht man daher neben Videos von Natur, Frauen und natürlich dem Weltraum auch Aufnahmen aus Hörhagers beruflichem Alltag, von Ryan Gosling, der adrett auf dem Roten Teppich steht, Horst Seehofer, der auf sein Handy starrt und Geflüchteten, die eine Straße entlanggeschickt werden.

Die Menge der Bilder, die Hörhager in- und übereinander gleiten lässt, mimt die der Sterne der Galaxie, nur dass sie oftmals nicht zueinander passen. Hörhager verbindet seine zwei Welten mit dem Blick in eine mögliche Zukunft im All und das nicht nur auf der Leinwand. Auf seinem grauen T-Shirt prangt ein abblätterndes Nasa-Symbol, die ausgeblichene Basecap ziert ein München-Schriftzug. Es sind die gern getragenen Statement-Pieces des Weltenwanderers. Fragt man Hörhager nach der Intention des Films, antwortet er: "Ich möchte Entspannung, Hoffnung und Ablenkung bieten." Das gelingt ihm wahrscheinlich am Besten in der zweiten Hälfte des Filmes, dem eigentlichen "Spaceprojekt", in dem er Farben, Muster und wunderschöne Aufnahmen aus dem Weltraum ("Dafür hab ich einfach bei der Nasa angerufen, das war kein Problem.") zu einem flimmernden Teppich webt, auf den man sich betten und nicht mehr aufstehen möchte. All das wird unterlegt von klassischer Musik und Gitarrengeklimper, die ihren Beitrag zum inneren Zen leisten.

Man fühlt sich gut in diesen 45 Minuten, an die der vorangegangene Teil "Gedankenprojekt" nicht herankommt. Zu wirr sind hier die Bilder, zu verkopft fühlen sich die Metaphern an. Es empfiehlt sich also im Player vorzuspulen und bis zum musikalischen Höhepunkt im Epilog dranzubleiben, wenn man sich fast schon meditative Kunst zu Gemüte führen möchte. Für den restlichen Abend gibt es ja immer noch "Interstellar".

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