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Sozialpreis der Paulaner-Brauerei:Unterstützung für Diversität

Geehrt: Sina Taubmann, Tizian Unkauf von Olytopia; Christian Schumann von den Schwuhplattlern; Julia Harig mit Jasmin Seipp von Über den Tellerrand.

(Foto: Robert Haas)

Der Salvator-Preis geht dieses Jahr an drei Sozialprojekte in der Stadt

Von Franz Kotteder

Wenn man 70 000 Euro für einen Sozialpreis stiftet, macht es nichts, wenn eines der geförderten Projekte nicht ganz uneigennützig ist. Dass die Paulaner-Brauerei mit ihrem seit drei Jahren vergebenen Salvator-Preis jetzt die geplante "Gastro-Akademie" des Flüchtlingshilfeprojekts "Über den Tellerrand" mit stolzen 30 000 Euro unterstützt, hat auch für die Branche Vorteile. "Die Gastronomie sucht händeringend nach geschultem Personal", sagt Paulaner-Chef Andreas Steinfatt, "gut ausgebildete Flüchtlinge sind sehr begehrt." Nicht nur viele Wirte, sondern auch Handwerker seien deshalb sehr verärgert, dass arbeitswillige Menschen, die sie ausgebildet hätten, nach gängiger Praxis trotzdem abgeschoben würden. Steinfatt: "Auch für mich ist so ein Vorgehen unverständlich."

Das Café über den Tellerrand, das der Trägerverein in der Volkshochschule an der Einsteinstraße betreibt, will nun mit seinem Trainings- und Qualifizierungsprogramm Geflüchteten und Menschen mit Migrationshintergrund helfen, einen Fuß ins Gastgewerbe zu bekommen. Die beiden Vorsitzenden Jasmin Seipp und Julia Harig sind deshalb sehr froh, mit dem Salvator-Preis, der dieses Jahr unter dem Motto "Traditio Neu" stand, die "Gastro-Akademie" anschieben zu können. Im Café selbst arbeiten mittlerweile schon 25 Beschäftigte, zu Beginn im August 2018 waren es noch elf.

Den zweiten, mit 25 000 Euro dotierten Preis erhielt die Bewohnerinitiative Rehab Republic aus dem Olympiadorf. Sie plant das Projekt "Olytopia". Die jungen Initiatoren Sina Taubmann, Tizian Unkauf und Markus Mitterer wollen gemeinsam mit Bewohnern des Olympiadorfs "an der ökologischen und sozialen Nachhaltigkeit" arbeiten und veranstalten dazu Workshops, Filmabende sowie Müllentsorgungs-, Koch- und Pflanzaktionen; auch Tauschregale will man aufstellen.

Der dritte Preis, 15 000 Euro, ging an "die erste schwule Schuhplattlergruppe der Welt", den Verein "D'Schwuhplattler", die zur Preisverleihung in mittlerer Mannschaftsstärke erschienen waren. Sie planen ein interkulturelles Tanzprojekt, das Menschen aus verschiedenen Kulturkreisen zusammenbringen soll. Vereinsvorstand Josef Stückl sagt: "Tanz verbindet - egal, wo man herkommt, welche Sprache man spricht, ob man hetero- oder homosexuell ist." Die "Schwuhplattler" gibt es schon seit 1997; der Verein hat 114 Mitglieder. "Auch ein paar Frauen", sagt Stückl.

Bei den Preisträgern sind gewisse Überschneidungen erkennbar; Paulaner-Sprecherin Birgit Zacher sieht jedenfalls Synergieeffekte: "Vielleicht wird ja ein Schuhplattl-Event im Olympiadorf draus, mit Catering von Über den Tellerrand?"

Bei einer Gala-Veranstaltung im Festsaal am Nockherberg überreichte Paulaner-Vorstand Andreas Steinfatt am Dienstagabend die Schecks an die drei Preisträger. Für die Musik sorgte Kaled: Der Sänger und Musiker mit Migrationshintergrund - "bayerische Mama, ägyptischer Papa" - hat gerade sein erstes Album bei Universal Music herausgebracht und macht "Urban Mundart-Pop". Ob man dazu Schuhplattln kann, wäre noch herauszufinden.

© SZ vom 23.01.2020
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