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Soziale Netzwerke:Polizei ermittelt wegen falscher Terrorwarnung

Tatsächlich Schmarrn! Der Hoax, der sich über WhatsApp verbreitete.

(Foto: Wimmer)

Eine Bombendrohung für den Marienplatz? Falschmeldungen wie diese sollen Menschen gezielt verunsichern. Die Polizei sucht nun nach dem Urheber.

Von Susi Wimmer

Die Nachricht kam am Dienstag um die Mittagszeit, vor dem Champions-League-Spiel des FC Bayern gegen Piräus. Sie verbreitete sich wie ein Lauffeuer in der Stadt über Whatsapp und per E-Mail. Drei Bombenwarnungen gebe es für München, war da zu lesen, man solle bloß nicht auf den Marienplatz gehen und die Innenstadt von 15 Uhr an komplett meiden. Das soll "die rechte Hand von unserem OB" erzählt haben. Die Polizei reagierte prompt auf die Falschmeldung, dementierte sofort - und mehr als eine Viertelmillion Facebook-Nutzer nahmen den Post der Polizei erleichtert zur Kenntnis.

Ähnlich viele Leser hatte nur das Polizeipferd Hugo

Die Technische Universität Berlin hat dafür eine eigene Internet-Seite, den Hoax-Info-Service. Darin wird das Phänomen der Falschmeldungen ("Hoax") erklärt, die sich in Windeseile verbreiten und meist nur ein Ziel haben: Leute zu verunsichern. So war das auch am Dienstagnachmittag. Bei der Münchner Polizei lief plötzlich die Notrufnummer heiß, E-Mails beunruhigter Bürger gingen ein, "sogar im Kollegenkreis tauchte der Hoax auf", erzählt Marcus da Gloria Martins, Pressesprecher der Polizei. Natürlich habe man sich auch mit dem Rathaus kurzgeschlossen. Aufgrund der Intensität, der hohen Verbreitung, der echten Verunsicherung und des bevorstehenden Fußballspiels entschloss sich die Polizei zu reagieren. "Wir mussten da die Notbremse ziehen", sagt der Polizeisprecher. Via Facebook und Twitter erklärte man, dass die Meldung falsch sei und man sie bitte nicht teilen solle. Und, dass man nach den Verbreitern fahnden werde.

Dass der Hoax einen Nerv in der Bevölkerung getroffen hatte, registrierte das Social-Media-Team der Polizei mit einigem Staunen: 260 000 User lasen die Richtigstellung der Polizei bis Mittwochmittag. Ähnlich erfolgreich war bis dahin nur der Post über Polizeipferd Hugo, das verkauft werden sollte. Nun teilten Tausende die Info der Polizei, viele bedankten sich, einige waren erleichtert, andere verärgert, dass es Leute gibt, die solche Falschmeldungen gezielt verbreiten und mit der Angst der Menschen spielen.

Die Polizei ermittelt nach dem Urheber des Hoax

Kurz nach den Anschlägen von Paris etwa kursierte an Schulen ein anderer Hoax, der dazu aufrief, dass die Schüler schwarze Kleidung tragen sollten. In einem Nebensatz kam dann auch noch eine politische Botschaft. Die Polizei kommentierte auf Facebook: Löschen! Noch immer versuchen die Ermittler, an den Anfang des aktuellen Kettenbriefs zu gelangen. Am Mittwoch etwa konnten sie in einigen Fällen bis zu sieben Weiterleiter zurückermitteln. "Wir waren bei den Leuten persönlich und haben sie gefragt, woher sie die Nachricht hatten", erzählt Marcus da Gloria Martins. Da seien Rechtsanwälte darunter gewesen, Journalisten, für Martins unerklärlich, warum diese Menschen offensichtliche Falschmeldungen weiterleiten.

Sollte es eine ernst zu nehmende Bedrohung geben wie jüngst beim Fußball-Länderspiel in Hannover, so sagt Martins klipp und klar, werde man ebenso reagieren. "Wenn wir wissen, dass Gefahr besteht, versuchen wir zunächst, sie zu beseitigen. Gelingt uns das nicht, dann warnen wir die Bevölkerung über Rundfunk und Fernsehen und über unsere sozialen Netzwerke." Aber so, dass für jeden der Absender der Nachricht klar ist.

© SZ vom 26.11.2015/eca

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