Süddeutsche Zeitung

Jazz:Lässig wie die Alten

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Das wuchtige "Soulkraut"-Trio des Gitarristen Adrian Reiter in der Unterfahrt.

Von Oliver Hochkeppel

Man könnte ihn auch als Rezept lesen, den Namen des neuen Trio-Projekts des Gitarristen Adrian Reiter, das er nun in der Unterfahrt vorstellte: Man nehme eingängige, aber aufreizende Melodie-Linien, versehe sie mit jeder Menge funky Grooves, geschmackvollen Voicings und lässigen Soli, und lasse all das von einer effektgeladenen Gitarre, einem wuchtigen Schlagzeug und einer mal wabernden, mal fauchenden Hammondorgel servieren: Fertig ist das Soulkraut.

Freilich meint Bandleader Reiter, von dem auch alle Kompositionen stammen, damit etwas anderes, durchaus Selbstbewusstes: Auch wir Krauts können den schwarzen Sound aus den Sechziger- und Siebzigerjahren, wie ihn für Reiter unter anderem die alten Motown-Aufnahmen, der Southern-R'n'B der Meters oder der Neo-Soul der Daptones repräsentieren .

Was freilich seit Längerem keiner mehr ernsthaft bezweifeln dürfte. Auch dank eines André Schwager, der seit Jahren ganz oben in der - mit Leuten wie Barbara Dennerlein, Hansi Enzensperger oder Matthias Bublath erstaunlich angewachsenen - Riege der Hammondorgel-Spezialisten steht und außer mit seinem eigenen Trio auch schon mit Pee Wee Ellis oder den Soulmates groovte. Oder eines ( Moop-Mama-)Schlagzeugers wie Christoph Holzhauser, der sich gleichermaßen den treibenden Beats des Soul und Funk verschrieben hat.

Reiters mit diesem Trio angebautes Soulkraut ist trotzdem ein ganz eigenes Gewächs. Weil vieles vom Phrasing bis zu den harmonischen Einfällen den Jazz-Hintergrund der drei betont. Und weil die in der Unterfahrt erstmals öffentlich gespielten - und größtenteils auch auf dem gerade im Eigenverlag erschienenen Album "Full Of Dreams" versammelten - Stücke immer auf Erlebnissen, Erfahrungen oder Emotionen von Reiter beruhen. "Green Odyssey" etwa ist eine lässige Hommage an Al Green. "Fiat Ritmo" gewinnt sein Funk-Thema aus der Erinnerung an ein Autowrack, das zu Reiters Jugendzeiten lange in seiner Straße stand. "Pardon My English" bezieht sich auf eine absurde Verständigungshürde während eines USA-Aufenthalts und ist - wie Reiters Moderation in der Unterfahrt - von einem leisen Humor durchzogen. Eine runde Sache ist das also, Soul-Jazz, der Laune macht.

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