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Sorge um eine Baum-Rarität:Schutz für Schwabings schönen Riesen

Mächtiges Gewächs: Der Bezirksausschuss will bei der Eigentümergemeinschaft anfragen, ob diese zu einer Umgestaltung des Wurzelraumes bereit ist.

(Foto: Stefan Rumpf)

Lokalpolitiker drängen darauf, die Orientalische Platane an der Fallmerayerstraße zum Naturdenkmal zu erklären

Von Ellen Draxel, Schwabing

Der Baum ist eine Augenweide, selbst im Winter. Majestätisch im Vorhof eines Wohnblocks thronend, hat die Platane an der Fallmerayerstraße das Zeug zum Naturdenkmal. Nicht nur ihrer Größe wegen. Der Baum ist eine Rarität. "Das ist eine Orientalische Platane", weiß Baumkennerin Eva Schneider. "Keine der sonst bei uns üblichen Ahornblättrigen Platanen, sondern eine ursprüngliche Art, die ihre Heimat zwischen Kreta und der Wüste Gobi hat."

Schneider ist Tierärztin, macht aber seit 20 Jahren naturkundliche Exkursionen in der Stadt zum Thema Bäume. In München, so sagt sie, gebe es solch einen Baum nur noch ein einziges Mal: im Olympiapark. Das Exemplar dort sei jedoch eher klein und wenig attraktiv. Selbst der Botanische Garten habe lediglich eine gewöhnliche Hybrid-Platane. Der Baum an der Fallmerayerstraße hingegen sei "einfach superschön, er wertet die Straße richtig auf". Das sehen auch Westschwabings Lokalpolitiker so: Sie wollen, dass die seltene Orientalische Platane zusammen mit einem Kork- und einem Zürgelbaum im Luitpoldpark in die novellierte Fassung der Naturdenkmalverordnung aufgenommen wird. Sicher ist das allerdings nicht. Denn die Platane steht auf Privatgrund und nahe an Wohngebäuden, ein Teil der Wurzeln ist mit Pflastersteinen belegt. Auch könnte eine querlaufende "Würgewurzel" möglicherweise zu Standfestigkeitsproblemen führen.

Bei der Unteren Naturschutzbehörde der Stadt sieht man die Aufnahme in die Denkmalliste daher eher kritisch. "Der Baum ist aufgrund seiner Seltenheit und seiner Ortsbildprägung zwar grundsätzlich als Naturdenkmal geeignet", erklärt Thorsten Vogel, Sprecher des Planungsreferats. "Er ist jedoch nicht in der Vorschlagsliste für die neuen Naturdenkmäler enthalten." Der Grund: Der Wurzelraum des Baumes sei "offenbar beengt", wie es heißt, und habe bereits Schäden am Pflasterbelag verursacht. Im Kronen- und Wurzelbereich seien überdies Merkmale erkennbar, die auf wasserführende Leitungen hindeuteten. "Gerade die Orientalische Platane ist dafür bekannt, dass sie in wasserführende Bereiche einwurzelt", sagt Vogel. Für die Behebung der Schäden an Wegebelägen und Leitungen seien Eingriffe in den Wurzelraum des Baumes, die den guten Zustand der Platane beeinträchtigen könnten, unvermeidlich. "Als Naturdenkmal sollen aber nur solche Bäume geschützt werden, für die eine möglichst lang andauernde Aussicht auf gesunde Erhaltung besteht."

Der Bezirksausschuss will nun bei der Eigentümergemeinschaft des Häuserblocks anfragen, ob diese gewillt sei, eine baumfreundliche Umgestaltung des Wurzelraumes vornehmen zu lassen. Pflege- und Erhaltungsmaßnahmen an solch großen und älteren Bäumen wie der Orientalischen Platane an der Fallmerayerstraße, die besonders wichtig für die Durchgrünung der Stadt sind, aber vielleicht noch nicht die Voraussetzungen von Naturdenkmälern erfüllen, können laut Vogel aus Ersatzgeldern nach der Baumschutzverordnung bezuschusst werden. Die Untere Naturschutzbehörde jedenfalls hat angekündigt, die Entwicklung des Baumes beobachten zu wollen und abhängig von möglichen Maßnahmen erneut zu prüfen, ob er die Voraussetzungen für eine Unterschutzstellung erfüllt.

In einigen Monaten, wenn die Platane an der Fallmerayerstraße wieder grün ist, ist ihr Sonderstatus gut zu erkennen. Sie hat stark gezackte Blätter - anders als ihr ahornblättriger Nachfahre, eine Kreuzung aus Amerikanischer und Orientalischer Platane.

© SZ vom 13.03.2020

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