Pro SonntagsöffnungGenug der Regeln

An vier Sonn- oder Feiertagen dürfen Geschäfte ihre Türen öffnen.
An vier Sonn- oder Feiertagen dürfen Geschäfte ihre Türen öffnen. dpa

Das oft verwendete Horrorbild, eine Öffnung der Läden am Sonntag gefährde Familien und das Wohlergehen, ist aus der Zeit gefallen. Wer Sonntag einkaufen will, sollte die Möglichkeit dazu haben.

Kommentar von Dominik Hutter

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Krankenschwestern tun es, Busfahrer, Kellner, Pflegekräfte und sogar Pfarrer: Sie arbeiten am Sonntag. Das oft verwendete Horrorbild, eine Öffnung der Läden am Sonntag bedeute einen gesellschaftlichen Dammbruch, gefährde Familien, Freundschaften und das religiöse Wohlergehen, ist aus der Zeit gefallen. Dass viele Leute gerne auch außerhalb festgezurrter Ladenöffnungszeiten eine Anschaffung machen wollen, zeigen die Erfolge des Onlinehandels sowie der supermarktähnlichen Tankstellenshops.

Münchner Innenstadt
:Geschäfte dürfen an einem Sonntag öffnen

Das gab es seit 2006 nicht mehr: Am Sonntag, den 14. Juni sollen in der Münchner Innenstadt die Geschäfte öffnen dürfen. Ein Schritt in Richtung generelle Sonntagsöffnung? Bloß nicht, heißt es aus dem Stadtrat.

Von Dominik Hutter

Die Gesellschaft will sich nicht regelmentieren lassen

Das Prinzip ist einfach: Wer seine Ruhe will, soll ausspannen, und wer einkaufen will, soll dazu die Möglichkeit haben. Jeder nach seiner Fasson. Warum die anderen reglementieren - auch wenn dieser Trend in unserer Gesellschaft längst unübersehbar geworden ist?

Contra Sonntagsöffnung
:Gut geregelt

Sonntage, Wochenende und Feiertage geben den Menschen nicht nur die Möglichkeit, sich zu erholen. Sie strukturieren auch die Zeit. Wenn aber die Woche eine ununterbrochene Einkaufsmöglichkeit ist, sind alle Tage gleich - gleich öde.

Kommentar von Stephan Handel

Das Prinzip der Freiwilligkeit sollte allerdings auch für die Angestellten in den Geschäften gelten. Das zu regeln, ist Aufgabe der Tarifpartner. Ein ordentlicher Sonntagszuschlag müsste reichen, um ausreichend Interessenten zu rekrutieren. Das können Nebenjobber sein, studentische Aushilfen, aber auch Fachkräfte, die lieber ein paar Euro mehr pro Stunde verdienen. Einige Bundesländer haben bereits liberalere Öffnungszeiten eingeführt, im katholischen Italien sind viele Läden sonntags geöffnet. Und trotzdem existiert es noch, das Abendland.

© SZ vom 08.05.2015 - Rechte am Artikel können Sie hier erwerben.
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